Kritik an Transferpolitik Lewandowski fordert mehr Weltstars beim FC Bayern

Die Transfersummen im Fußball schnellen in die Höhe, Weltklassespieler kosten bis zu 100 Millionen Euro. Im SPIEGEL kritisiert Stürmer Robert Lewandowski, dass sein Verein Bayern München nicht so viel ausgeben will.

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Der polnische Nationalstürmer Robert Lewandowski übt in einem Interview mit dem SPIEGEL Kritik an der Transferpolitik seines Arbeitgebers FC Bayern München: "Bayern muss sich etwas einfallen lassen und kreativ sein, wenn der Verein weiter Weltklassespieler nach München lotsen will. Und wenn man ganz vorn mitspielen will, braucht man die Qualität dieser Spieler." (Lesen Sie hier das ganze Gespräch mit Robert Lewandowski im neuen SPIEGEL.)

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Heft 37/2017
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Die meisten Top-Spieler sind in diesem Sommer nach England, Spanien oder Frankreich gewechselt. Lewandowski sieht den Grund dafür auch in der finanziellen Zurückhaltung der Münchner: "Bis heute hat Bayern München nie mehr als rund 40 Millionen an Ablösesummen für einen Spieler bezahlt. Im internationalen Fußball ist das schon längst eine Summe, die eher Durchschnitt als Spitzenwert ist."

Man sei in den vergangenen Jahren nicht so mit dem Markt gewachsen wie Real Madrid oder Manchester United, bemerkt Lewandowski: "Und jetzt ist der Abstand zu den Höchstbeträgen eben wirklich riesig."

Dennoch ist Lewandowski vor dem kommenden Champions-League-Spiel gegen Paris Saint-Germain überzeugt, dass die Münchner derzeit noch gegen die Franzosen trotz deren Transferaktivitäten bestehen können: "Paris hat sich nun einen Weltklassekader zusammengekauft. Ob es aber auch eine Weltklassemannschaft ist, muss man abwarten. Bayern München ist als Team eingespielter, wir haben schon vieles zusammen erlebt."

Der französische Vizemeister nahm in diesem Transfersommer unter anderem den brasilianischen Superstar Neymar und das französische Ausnahmetalent Kylian Mbappé unter Vertrag. Kritiker werfen dem Spitzenklub vor, er verletze mit solchen Transfers das Financial Fair Play und verzerre damit den Wettbewerb.

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"Die Uefa muss die Riesentransfers dieses Sommers genau untersuchen und anschließend gemeinsam mit der Fifa daran arbeiten, um die Lücken im Regelwerk zu schließen", sagt Lewandowski, er fordert, dass "Verbände Regeln finden, damit der Markt nicht vollkommen ausufert".

Der Stürmer ist überzeugt, dass es in Zukunft noch mehr Megatransfers wie den von Neymar geben wird: "Fußball ist Kapitalismus pur, jeder will in dieser Branche Geld verdienen."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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rab

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Seite 1
PARLIAMENT 08.09.2017
1. Erst selber denken
Herr Lewandowski sollte bei so manchen Themen lieber den Ball flach halten und nicht das nachsingen, was ihm sein unsägliches Management vorflötet. Er spielt in einer Mannschaft, die vom Trainer bis zu den Spielern, mit Championsleague-Siegern und Weltmeistern gespickt ist. Was will er also mehr ... noch Forderungen ?
A. Merkel 08.09.2017
2. Geiz ist geil
die Bayern wären blöd, wenn sie für zweitklassige Spieler wie etwa Lewandowski dreistellige Beträge ausgäben. Wenn es ihm in München nicht passt, kann er ja nach Wolfsburg ziehen, oder nach Hoffenheim oder zum Red Bull Team.
robin_of_locksley1 08.09.2017
3. Inflationärer "Sport"
Herr Lewandowski ist ein guter Fussballspieler, aber er checkt nicht, dass der Fussball duch die hohen Ablösesummen kaputt gemacht wird. Ich unterstütze nur noch die "Underdogs", die mit ihrem normalen Haushalt zurecht kommen. Wollen wir einen ansehnlichen Sport, der sich durch die Kunstfertigkeit der Spieler oder besser der Teams auszeichnet oder das Geschäft der Ölmilliardiäre ? Ausserdem wird es langweilig, immer nur die superreichen Vereine als Sieger zu erwarten. Dann sollte man Fußball von der Liste der Veranstaltungen streichen, die sich "Sport" nennt.(gilt nur für Profis)
at.engel 08.09.2017
4.
Rein marktwirtschaftlich hat natürlich Lewandoswki erstmal recht: Vier fünftel alle Zuschauer schauen sich nicht das letzte Spiel irgendeines Clubs an, sondern ein Spiel mit irgendwelchen bestimmten Stars. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass die meisten (Fernseh-) Zuschauer gar keine andere Beziehung zu irgeneinem Club haben. Neymar kennt in Südamerika jeder - wo der jetzt genau spielt ist egal... Das trifft allerdings inzwischen auch auf die "kleineren Fußballantionen in Europa zu: Länder die sowieso keine Chancen mehr haben, irdenwie einen nationalen Meister in ein Achtelfinale der Championsligue zu bringen, werden künftig auch nur noch "Stars" ansehen: Wenn sich ein Niederländer, Belgier oder sonst wer ein Spiel anschaut, ist das dem langsam auch irgendwie egal, wer da wo spielt. Der schaut sich auch lieber Neymar mit dem PSG an als Müller mit dem FC Bayern. Und sorry, aber aus Buenos Aires oder Dubai betrachtet, ist da Paris oder Madrid im Zweifelsfall auf jeden Fall schicker als München. Hat natürlich nichts mehr mit "Fußball" zu tun, aber darum geht es ja auch schon lange nicht mehr. (Und daran sind aber wiederum die Bayern mitschuldig) Auf der anderen Seite, haben diese Millionen-Stars auch eine Halbwertszeit, mit denen kein Sponsor mehr mithalten kann. Ronald, Messi oder Neymar sind da sicher Ausnahmen. Die komplette Mannschaft von Manchester City ist aber in ein, zwei Jahren nicht einmal die Hälfte wert, wenn sich schnellstens einen Champions-Ligue -Titel gewinnen... Und da kann München einfach nicht mehr mit halten.
gibmichdiekirsche 08.09.2017
5. Weltklasse
Zitat von A. Merkeldie Bayern wären blöd, wenn sie für zweitklassige Spieler wie etwa Lewandowski dreistellige Beträge ausgäben. Wenn es ihm in München nicht passt, kann er ja nach Wolfsburg ziehen, oder nach Hoffenheim oder zum Red Bull Team.
Nicht dass ich den FC Bayern mag. Aber Robert Lewandowski als "zweitklassig" zu bezeichnen, spricht nicht eben für eine sachkundige und sachgerechte Einschätzung. Der Mann ist schlicht Weltklasse und braucht sich vor den Mbappés oder Dembélés nicht zu verstecken. Man wird sehen, wo diese zweifellos guten Jungs stehen, wenn sie mal in Lewandowskis Alter sind. Lewandowskis einziger Nachteil ist, dass er mit seiner Nationalmannschaft kaum Aussichten auf Erfolge bei großen Turnieren hat. Da haben es die jungen Franzosen sicher leichter. Mich würde es nicht wundern, wenn Les Bleus nächstes Jahr die WM rock'n'rollen würden.
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