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Bayerns 7:0-Sieg gegen Donezk: 153 Sekunden bis zum Viertelfinale

Von Sebastian Winter, München

Doppeltorschütze Müller: Der Türöffner fürs Viertelfinale Zur Großansicht
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Doppeltorschütze Müller: Der Türöffner fürs Viertelfinale

Der 7:0-Kantersieg des FC Bayern über Donezk könnte zum Schlüsselmoment für den Meister werden. Nach wechselhaften Wochen wirkt die Mannschaft wieder gefestigter. Und genau jetzt kommen zudem wichtige Stars zurück.

Josep Guardiola hatte gerade einen 7:0-Sieg seines FC Bayern gesehen, im Champions-League-Achtelfinale wohlgemerkt, der Deutsche Meister hatte den ukrainischen Spitzenklub Schachtjor Donezk am Mittwochabend im Rückspiel sportlich seziert.

Doch Guardiola lächelte nicht auf dem Pressepodium, der Spanier wirkte stattdessen noch ernster als sonst. Und als zum Schluss die Frage nach der fehlenden Qualität des Gegners gestellt wurde, da wurde der Trainer der Münchner fast unwirsch: "Mit großem Respekt: Ich kenne Donezk tausend Millionen Mal besser als Sie, das ist eine überragende Mannschaft."

Eigentlich, müsste man ergänzen. Wenn sie denn nicht nach exakt 153 Sekunden Spielzeit durch einen Foulelfmeter in Rückstand gerät und ihren Innenverteidiger Alexander Kutscher verliert, der den Strafstoß durch ein Foul an Mario Götze verursachte und dafür auch noch die Rote Karte sah.

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Bayern-Sieg gegen Donezk: Wie im Training
Es war die Schlüsselszene des Spiels, Donezk fand danach kein Mittel mehr, mit einem Mann weniger auf dem Feld den Bayern gefährlich zu werden. "Die Rote Karte und der Elfmeter waren sehr entscheidend. Wenn es elf gegen elf bleibt, geht das Spiel vielleicht ein bisschen anders aus", sagte Bayerns Mittelfeldstratege Bastian Schweinsteiger. Donezks Trainer Mircea Lucescu fand: "Ab diesem Moment konnten wir nicht mehr umsetzen, was wir vorbereitet haben."

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Bayern in der Einzelkritik: Götze entscheidend, Boateng als Mittelstürmer
Das Achtelfinale gegen Donezk darf schon aus diesem Grund kein Gradmesser für die Bayern sein. Und doch könnte es dem Klub nach sechs schwierigen Wochen, in denen die Bayern nicht immer überzeugten, als Türöffner und Stimmungsaufheller für den anstehenden Endspurt in dieser Saison dienen. Mit diesem Torreigen hat Bayern München jedenfalls seinen Champions-League-Rekord aus dem Jahr 2012 (7:0 gegen Basel) eingestellt. Er kam auch zustande, weil die Bayern - im Gegensatz zu Donezk - ihren Plan sehr gut umsetzten.

Guardiola hatte eine extrem offensive Aufstellung gewählt, mit Franck Ribéry, Mario Götze, Thomas Müller, Arjen Robben und Robert Lewandowski: "Das war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich in einem so wichtigen Spiel mit fünf Stürmern spiele", sagte der Bayern-Coach. Vier der fünf Spieler erzielten Tore, nur Arjen Robben musste schon früh verletzt ausgewechselt werden. Guardiola zeigte in einem K.-o.-Spiel Mut, der auch belohnt wurde. Am Ende durften sich selbst die Innenverteidiger Jérôme Boateng und Holger Badstuber als Torschützen feiern lassen. Sie wirkten auch sonst sehr souverän.

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Ein weiterer Grund spricht dafür, dass die Münchner auch gegen Spitzenklubs langsam wieder zu einer besseren Form zurückfinden. Vergangene Saison waren die Bayern noch dafür kritisiert worden, dass ihnen im grauen Ligaalltag der Esprit für die wichtigen Champions-League-Spiele verloren gegangen war. Im Halbfinale wurden sie dann von Real Madrid gedemütigt.

Doch jetzt drängen auch einige der vielen Langzeitverletzten in die Mannschaft zurück. Dass Philipp Lahm gegen Donezk schon wieder im Kader stand, wollte Guardiola auch als Zeichen verstanden wissen. Auch Thiago signalisiert wieder Einsatzbereitschaft, selbst Javier Martinez hofft nach seinem Kreuzbandriss noch in dieser Saison auf Spielminuten. Der Konkurrenzkampf wird der Mannschaft, bei allen Eitelkeiten, die der mit sich bringt, guttun.

Denn in den kommenden fünf Wochen treffen die Bayern auf Dortmund und Gladbach in der Liga, Leverkusen im Pokal und im Champions-League-Viertelfinale auf einen sicherlich schweren Gegner. Es werden entscheidende Wochen für die Münchner - und ihren Trainer Guardiola. Zugleich sagt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: "Wir haben den großen Respekt von Fußball-Europa. Ich glaube nicht, dass wir im Viertelfinale das Glückslos für einen Gegner werden."

Bereits an diesem Samstag reisen die Bayern nach Bremen, wo sie ein frostiger Empfang erwartet. Werder-Sportdirektor Thomas Eichin hatte in einem Interview von einem Schiedsrichter-Bonus und Übervorteilung für die Münchner durch die Unparteiischen in der Bundesliga gesprochen, die Bayern-Verantwortlichen schossen nach dem Donezk-Spiel zurück: "Es war viel Blödsinn, den er da von sich gegeben hat. In der Schule hätte man gesagt: Ab in die Ecke und still sein", sagte Rummenigge: "Die größte Bestrafung ist jetzt, dass wir gewinnen."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Unsinn
Bueckstueck 12.03.2015
Nein, die rote Karte war nicht entscheidend. Sicherlich hilft ein so frühes Tor, aber die folgenden 6 Tore sind nicht auf den fehlenden Mann zurückzuführen. Der Trainer hat ihn schliesslich sofort ersetzt. Das man in Unterzahl selbst nicht mehr viele Tore schiesst - schon gar nicht gegen die Bayern - ist klar. Aber Donezk konnte nicht ein einziges mal einen Konter wirklich gefährlich bis vor Neuer tragen - auch das hat nichts primär mit Unterzahl zu tun, sondern mit dem starken Abwehrspiel der Bayern. Donezk war so oder so ein paar Nummern zu klein für Bayern die endlich wieder konzentriert gespielt haben.
2.
clauebers 12.03.2015
was soll denn so ein spiel bitte über irgendwas aussagen? da muss man jetzt nichts reininterpretieren wie ich finde und wenn es noch einen weiteren beweis braucht, dass diese doppelbestrafung komplett witzlos ist, dann haben wir ihn jetzt. zumal man hier auch mit ein wenig guten mut auch keine klare torchance hätte erkennen müssen, der elfer hätte hier gereicht wie ich finde und auch so wären die ukrainer noch vor ende der ersten halbzeit auch nach vernünftigen regeln nur noch zu zehnt gewesen. aber dieses spiel war defakto nach 3 min vorbei, und ausser bayernfans kann das gestern kein sonderlich unterhaltsamer abend gewesen sein, zumal das andere spiel auch nicht gerade schön anzusehen war. aber das soll nicht heißen, dass es mich nicht für die münchner freut, dass sie weiter sind, nur hoffentlich werden sie das nächste mal auch gezwungen zu zeigen was sie können
3. Donezk=Bundesliga?
langenscheidt 12.03.2015
Schachtjor Donezk als gleichwertigen Gegner wie die Bundesliga-Klubs zu vergleichen hat wenig fußballerische Erfahrung.
4. Ribéry und...
ge1234 12.03.2015
Alaba zusammen auf dem linken Flügel, es gibt nichts besseres in Europa!
5.
PeterPan95 12.03.2015
Ich musste unwillkürlich an HSV-Dortmund denken, wo in der dritten Minute eine klare rote Karte nicht gegeben wurde, in München aber sowohl Elfer als auch die rote Karte. Daran merkt man, welchen Einfluss Schiedsrichter haben können, wenn sie Fehler machen (ohne Absicht unterstellen zu wollen). Warum sich noch ernsthaft jemand gegen den Videobeweis wehrt verstehe ich nicht, denn dann wären die Entscheidungen zumindest deutlich einheitlicher. Um das klar zu stellen: Ich halte den Elfer für Bayern für berechtigt, die rote Karte aber nicht für zwingend, da Götze einen viel zu spitzen Winkel für eine "klare Torchance" hat und der Ball weit weg ist. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl gibt der Schiri Elfer (Strafe genug) und Gelb für taktisches Foul. Dass die Szene in Hamburg klar rot war muss man glaub ich nicht diskutieren. Dass nach so einer Szene wie in München mit 2 Strafen dann die Heimmannschaft gefestigter wirkt ist imho nicht so überraschend, btw., und daraus dann eine Feierorgie zu erzeugen ist irgendwie übertrieben.
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