Bayern-Sieg über Real: Das doppelt gefährliche Ergebnis

Von Tim Röhn und

Stark gespielt, verdient gewonnen: Der FC Bayern hat in der Champions League gegen Real Madrid überzeugt. Vor dem Rückspiel wird sowohl in München als auch in Madrid Siegeszuversicht verbreitet. Dabei steckt in dem Hinspielresultat ein erhebliches Risiko - allerdings für beide Seiten. 

In Bremen und Dortmund werden sie sich über den 2:1-Champions-League-Erfolg des FC Bayern über Real Madrid besonders gefreut haben. Denn während bei den Münchnern damit alle Gedanken um das Halbfinalrückspiel am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kreisen, kann sich Werder am Samstag auf einen vermutlich wenig motivierten FC Bayern in der Bundesliga einstellen. Und die Dortmunder wären bereits am Samstag vorzeitig Deutscher Meister, wenn Verfolger Bayern in Bremen nicht gewinnt.

Für die Mannschaft von Jupp Heynckes ist die Meisterschaft nur noch eine lästige Pflicht. Die Schale ist weg, an Dortmund vergeben. Da wird der Coach am Wochenende nicht mehr die beste Mannschaft aufbieten. Und die, die auflaufen, werden sich hüten, das Risiko einer Verletzung einzugehen. "Wir haben jetzt eine Woche Zeit zum Regenerieren", damit hat Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge schon direkt nach dem Madrid-Spiel unfreiwillig deutlich gemacht, wie wichtig der Rekordmeister das kommende Bundesliga-Wochenende noch nimmt.

Der Ausflug nach Bremen wird zum Freundschaftsspiel. So etwas kann sich der Gegner der Münchner in der Champions League beileibe nicht erlauben.

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Bayern gegen Real Madrid: München gewinnt auf dem Weg nach München
Während sich die Bayern nach sechs kräftezehrenden englischen Wochen schonen werden, steht den "Königlichen" am Samstag die nächste große Schlacht bevor: der "Clásico" beim FC Barcelona. Nur noch vier Punkte liegt der Erzrivale in der Primera División hinter den Madrilenen. Ein Nachlassen ist nicht gestattet. Nicht nur aus sportlichen Gründen.

Mourinho besessen von Rivalität gegenüber Barcelona

Real-Trainer José Mourinho schickte schon unmittelbar nach dem Bayern-Spiel einige Spitzen nach Barcelona, als er Barça-Trainer Pep Guardiola Unsportlichkeit vorwarf: "Er ist ein schlauer Typ und weiß ganz genau, wie er etliche Spiele gewonnen hat." Klar ist: Diese Begegnung ist vor allem für Mourinho, der geradezu besessen von der Rivalität zum FC Barcelona erscheint, mindestens genau bedeutend wie das Duell mit den Bayern. Und sie wird an die Substanz gehen.

Wenn Real gegen Barcelona verliert, droht der Verlust des schon sicher geglaubten Meistertitels. Die Madrilenen würden dann noch weiter unter Zugzwang geraten. Ein Sieg dagegen könnte psychologisch wertvoll sein und noch einmal einen Schub geben. Meister daheim, besser als Barça - wie sollte ein FC Bayern München, zumal erneut Borussia Dortmund unterlegen, da unschlagbar sein?

"Ein Halbfinale wird selten in einem Spiel entschieden. Meistens geht es 1:1 oder 2:1 aus. Wir wollten dieses Ergebnis nicht, aber es ist normal. Jetzt werden wir mit unseren Fans im Rücken spielen und uns steigern", sagte Mourinho. Der portugiesische Star-Trainer beschwerte sich nicht, mit seiner Gelassenheit strahlte er aus: Wir werden das Ding schon drehen.

Erinnerungen an Old Trafford

In der Tat ist das keine unrealistische Vorstellung. Die Bayern offenbarten auch in München ihre Abwehrschwächen, die Spanier mit ihrem Gala-Sturm Cristiano Ronaldo, Gonzalo Higuáin und Karim Benzema sind jederzeit in der Lage, im Rückspiel die benötigten Tore zu erzielen. Sagenhafte 107 Tore haben die "Königlichen" in dieser Spielzeit bislang geschossen, davon 63 in den absolvierten 17 Heimspielen. "Es ist ein gefährliches Ergebnis", sagte denn auch Münchens Stürmer Mario Gomez, der kurz vor Schluss den Siegtreffer erzielt hatte.

Der Mittelstürmer hat mit seinem späten Tor Erinnerungen an ein Duell geweckt, das den Bayern jetzt Hoffnung macht. 2010 trafen die Bayern im Viertelfinale der Champions League auf Manchester United, das erste Spiel fand ebenfalls in München statt. Stürmer Ivica Olic war es damals, der wenige Augenblicke vor dem Ende den 2:1-Siegtreffer erzielte. Das Spiel lief damals ähnlich wie die Partie am Dienstag.

Angesichts des knappen Vorsprungs glaubten damals die wenigsten an ein Weiterkommen in Manchester. Am Ende hatte Bayern einen frühen 0:3-Rückstand weggesteckt und durch Olic und Arjen Robben die zum Weiterkommen nötigen zwei Auswärtstore gemacht.

Es war eine ganz besondere Fußballnacht in Old Trafford, und die Bayern schafften es anschließend ins Finale. Gestoppt wurden sie dort erst von Inter Mailand. Der Inter-Trainer hieß José Mourinho.

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insgesamt 47 Beiträge
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1. Ob die Duselbayern
wolfgangotto 18.04.2012
Zitat von sysopStark gespielt, verdient gewonnen: Der FC Bayern hat in der Champions League gegen Real Madrid überzeugt. Vor dem Rückspiel wird sowohl in München als auch in Madrid Siegeszuversicht verbreitet. Dabei steckt in dem Hinspielresultat ein erhebliches Risiko - allerdings für beide Seiten. Bayern-Sieg über Real: Das doppelt gefährliche Ergebnis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,828228,00.html)
Ob die Duselbayern das Ding noch nach Hause wuppen?
2.
erlachma 18.04.2012
Zitat von wolfgangottoOb die Duselbayern das Ding noch nach Hause wuppen?
Ob manche Menschen ihr Denken nochmal an die Realität anpassen? Duselbayern, das gab es nie, und das gibt es auch jetzt nicht. Aber alle Wolfgangs und Ottos finden es wahrscheinlich einfach nur cool, mal wieder einen Spruch mit Bart abzulassen.
3. wahrscheinlich nicht, denn
viceman 18.04.2012
Zitat von wolfgangottoOb die Duselbayern das Ding noch nach Hause wuppen?
es war unübersehbar, daß real mit dem auswärtstreffer sein "soll" erreicht hatte. wen der alles noch ausgewechselt hat, die dachten sicher es bleibt 1 : 1 - aber das ding wuppt madrid!
4. Los Jungs, das schafft ihr
der.letzte.dodo 18.04.2012
Madrid ist maßgeschneidert für euch, außerdem ist es gut für die Nationenwertung
5. Ich liebe Analysen
bode777 18.04.2012
Zitat von sysopStark gespielt, verdient gewonnen: Der FC Bayern hat in der Champions League gegen Real Madrid überzeugt. Vor dem Rückspiel wird sowohl in München als auch in Madrid Siegeszuversicht verbreitet. Dabei steckt in dem Hinspielresultat ein erhebliches Risiko - allerdings für beide Seiten. Bayern-Sieg über Real: Das doppelt gefährliche Ergebnis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,828228,00.html)
Wie ich diese klugen Analysen liebe.. Man könnte auch sagen: Wenn Real mehr Tore schießt, dann gewinnen sie und kommen weiter. Ansonsten kommt Bayern weiter. Toll.
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