Bayern im Champions-League-Halbfinale: Der Traum wird real
Mühelos machten die Bayern gegen Marseille den Einzug ins Halbfinale der Champions League perfekt. Dort wartet mit hoher Wahrscheinlichkeit Real Madrid. Das spanische Star-Ensemble wird für die Münchner zum willkommenen Härtetest im Kampf um drei Titel.
Nach 79 Minuten erhob sich Jos Luhukay von seinem Sitz in Block 105 der Westtribüne und marschierte in Richtung Ausgang. Der Trainer des FC Augsburg verließ die Münchner Arena mit versteinerter Miene. Was er zuvor gesehen hatte, dürfte ihm ein wenig Angst machen. Am kommenden Samstag muss Luhukay mit seinem Team zum Bundesliga-Spiel beim FC Bayern antreten. Es gibt derzeit angenehmere Aufgaben.
Die Münchner zeigten am Dienstagabend erneut eine starke Leistung. Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Olympique Marseille siegte der deutsche Rekordmeister 2:0, genau wie im Hinspiel. Und hätten sich die Gastgeber nach den beiden frühen Toren nicht geschont, wäre wohl ein noch höheres Ergebnis zustande gekommen.
Das Traum-Halbfinale gegen Real Madrid ist mit dem Sieg nahezu perfekt. Die Spanier stehen nach dem 3:0-Hinspielerfolg am Mittwochabend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen den krassen Außenseiter Apoel Nikosia vor einer Pflichtübung. 13 Tage später, am 17. April, wird Real deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit nach München reisen, das Rückspiel findet acht Tage später in Madrid statt.
Auf den Bundesligisten wartet damit ein Highlight. Der Respekt ist entsprechend. "Die beiden spanischen Clubs sind uns noch ein bisschen voraus", sagte Trainer Jupp Heynckes mit Blick auf Real und den FC Barcelona, der am Dienstag durch ein 3:1 gegen den AC Mailand ins Halbfinale einzog. "Nichts desto trotz kann man auch Real Madrid in zwei Spielen bezwingen."
Marseille kein Maßstab für die Bayern
Das Selbstbewusstsein ist angebracht. Die Darbietungen des FC Bayern in dieser Champions-League-Saison haben gezeigt: Gegner unterhalb des absoluten europäischen Top-Niveaus wie Marseille, Basel, Manchester City oder Villarreal können für die Münchner nicht mehr der Maßstab sein.
Der Club verfügt über das Personal, um die ganz Großen, Barcelona und Madrid, zu attackieren. Zumindest die Stammelf ist dazu in der Lage. Gibt es mehr als nur vereinzelte Ausfälle, bekommt Heynckes ein Problem. Nur ein Beispiel: Wenn es Real gelingen sollte, Arjen Robben und Franck Ribéry aus dem Spiel zu nehmen, muss ein Plan B vorhanden sein, um Torchancen zu kreieren. In der Krise zu Jahresbeginn gab es den nicht. Auch die latente Konteranfälligkeit und vereinzelte Konzentrationsschwächen in der Innenverteidigung müssen die Bayern in den Griff bekommen.
Derartige Gedanken spielten am Dienstag allerdings keine Rolle. Es galt einen Abend zu genießen, an dem es aus Bayern-Sicht nichts auszusetzen gab. Das galt besonders für Ivica Olic, der nach dem Duschen grinsend jeden Autogrammwunsch erfüllte und für Erinnerungsfotos posierte. "Als der Trainer mir am 1. April gesagt hat, dass ich spielen werde, dachte ich: Das ist ein Aprilscherz. Als ich es kurz vor dem Spiel noch einmal gehört habe, konnte ich es schon eher glauben."
Ribéry bei jedem Ballkontakt gefeiert
Der 32-Jährige machte gegen eine orientierungslose Abwehr der Franzosen für einen Abend vergessen, dass ein gleichwertiger Ersatz für Topstürmer Mario Gomez fehlt. Der Nationalspieler wurde anfangs geschont. Olic, der mit einem Wechsel zum VfL Wolfsburg liebäugelt, schoss beide Tore. "Ich fühle mich super", sagte der Kroate, der allerdings nicht der alleinige Erfolgsgarant war.
Ein anderer hieß Ribéry, der das 1:0 vorbereitete und sich ansonsten einen Spaß daraus machte, seinen Gegenspielern eine Lehrstunde in Sachen Dribbling zu erteilen. Das Münchner Publikum feierte jeden seiner Ballkontakte mit Sprechchören. "Vier Tore gegen Marseille! Halbfinale gegen Real! Das ist sehr gut für den Kopf", sagte Ribéry.
Die Erfolgsserie der Bayern, die das achte Pflichtspiel in Folge gewannen, vermag offenbar jede Müdigkeit zu verdrängen. Sieben mit Spielen vollgepackte Wochen muss das Team nun absolvieren, doch Kapitän Philipp Lahm sagt: "Wenn man gewinnt, verkraftet man das alles leichter." Eine gute Nachricht war auch diese: Die vier mit Gelb vorbelasteten Spieler Jérôme Boateng, Toni Kroos, Luiz Gustavo und Thomas Müller kamen ohne Verwarnung davon. Sie können im ersten Aufeinandertreffen mit Real spielen.
Im Moment sei diese Partie noch kein Thema, stellten die Profis klar. Jetzt zähle einzig Jos Luhukay mit seinen Augsburgern. Nur Präsident Uli Hoeneß sagte: "Wenn man wirklich die Champions League gewinnen kann, dann zählt das mehr als der Meistertitel."
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- Mittwoch, 04.04.2012 – 09:46 Uhr
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| Bayern in der Champions League | |
| Saison | Abschneiden |
| 2011/12 | Finale (FC Chelsea 3:4 i.E.) |
| 2010/11 | Achtelfinale (Inter Mailand 1:0, 2:3) |
| 2009/10 | Finale (Inter Mailand 0:2) |
| 2008/09 | Viertelfinale (FC Barcelona 0:4, 1:1) |
| 2006/07 | Viertelfinale (AC Mailand 2:2, 0:2) |
| 2005/06 | Achtelfinale (AC Mailand 1:1, 1:4) |
| 2004/05 | Viertelfinale (FC Chelsea 2:4, 3:2) |
| 2003/04 | Achtelfinale (Real Madrid 1:1, 0:1) |
| 2002/03 | Vorrunde (La Coruna, RC Lens, AC Mailand) |
| 2001/02 | Viertelfinale (Real Madrid 2:1, 0:2) |
| 2000/01 | Titelgewinn (FC Valencia 1:1, 5:4 i.E.) |
| 1999/00 | Halbfinale (Real Madrid 0:2, 2:1) |
| 1998/99 | Finale (Manchester United 1:2) |
| 1997/98 | Viertelfinale (Bor. Dortmund 0:0, 0:1 n.V.) |
| 1994/95 | Halbfinale (Ajax Amsterdam 0:0, 2:5) |
| Sieger Uefa Champions League | |
| Jahr | Verein |
| 2012 | FC Chelsea |
| 2011 | FC Barcelona |
| 2010 | Inter Mailand |
| 2009 | FC Barcelona |
| 2008 | Manchester United |
| 2007 | AC Mailand |
| 2006 | FC Barcelona |
| 2005 | FC Liverpool |
| 2004 | FC Porto |
| 2003 | AC Mailand |
| 2002 | Real Madrid |
| 2001 | FC Bayern München |
| 2000 | Real Madrid |
| 1999 | Manchester United |
| 1998 | Real Madrid |
| 1997 | Borussia Dortmund |
| 1996 | Juventus Turin |
| 1995 | Ajax Amsterdam |
| 1994 | AC Mailand |
| 1993 | Olympique Marseille |
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