Bayern-Angreifer Robert Lewandowski Streicheleinheiten für den Starstürmer

Robert Lewandowski hat die Bayern-Bosse hart kritisiert, sein Trainer Niko Kovac zeigt jedoch Verständnis für seinen Stürmer. Die Aussagen des neuen Coaches verraten viel über seinen Umgang mit Spielern.

Niko Kovac (l.), Robert Lewandowski
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Niko Kovac (l.), Robert Lewandowski

Von Florian Kinast, München


Niko Kovac wirkte am Donnerstag erleichtert über den anstehenden Bundesliga-Auftakt am Freitag gegen Hoffenheim (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF). Nach sieben langen und zähen Wochen Vorbereitung geht es endlich los! Gar vom "D-Day" sprach Kovac vor seiner Liga-Premiere als Trainer des FC Bayern. Er lobte seinen Kollegen Julian Nagelsmann und erklärte Hoffenheim gleich zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft.

Doch im Rahmen der halbstündigen Presserunde gab es auch noch Aussagen, die weitaus mehr aufhorchen ließen als die höflichen Respektbekundungen. Es waren Sätze zu Robert Lewandowski und dem am Mittwoch veröffentlichten Interview in der "Sport Bild". Aussagen, die einen Einblick geben in den Umgang von Niko Kovac mit seinen Spielern im Allgemeinen - und mit seinem Topstürmer im Besonderen.

In dem Interview hatte Lewandowski die Bayern-Bosse vehement attackiert. Als sei er zutiefst beleidigt und gekränkt, brüskierte er die Klub-Oberen mit einer heftigen Breitseite, sprach von fehlender Rückendeckung Ende der vergangenen Saison und davon, wie allein man ihn gelassen habe. Verwunderliche Statements insofern, weil gerade Karl-Heinz Rummenigge im Mai kaum eine Gelegenheit ausgelassen hatte, seinen Starstürmer immer wieder in den höchsten Tönen zu loben.

"Jeder Mensch braucht Zuneigung"

Dass Lewandowski "eine Tormaschine" sei, wie es nur wenige auf der Welt gebe, hatte Rummenigge gesagt. Und dass Kritik an ihm, er würde in den entscheidenden Spielen nicht treffen, "lächerlich" sei. Wenn Lewandowski einen Fürsprecher hatte, dann war es Rummenigge. Das sieht der polnische Nationalstürmer jedoch anders: "Auch keiner der Bosse hat mich verteidigt."

Bemerkenswert war nun die Reaktion von Niko Kovac am Donnerstag dazu. "Ich war letztes Jahr nicht hier, ich kann das nicht bewerten, ob die Unterstützung da war oder nicht. Aber jeder Mensch braucht Zuneigung, Anerkennung, Unterstützung, das hat er in dieser Form vielleicht nicht so verspürt. Das muss man wertfrei so hinnehmen."

Dann holte Kovac noch weiter aus und erzählte im Detail von den Einzelgesprächen zwischen ihm und Lewandowski. "Das war äußerst inspirativ, auf einer Ebene, wo ich ihm nicht als Trainer gegenübergetreten bin, sondern als Mensch." Er verstehe Lewandowskis Gedankengänge: "Ich war selbst Spieler und hatte auch manchmal das Gefühl, missverstanden und nicht richtig unterstützt zu werden. Ich habe gesagt: 'Ich verstehe dich, wenn du das fühlst, das ist dein gutes Recht.'"

Kovac versucht es mit Samthandschuhen

Harmonische und liebevolle Worte, wie sie Robert Lewandowski an der Säbener Straße noch nie gehört hatte und die klarmachten: Einen größeren Fürsprecher und Befindlichkeitsversteher auf der Trainerbank als Kovac hatte der Stürmer in seiner Münchner Zeit noch nie. Nicht Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti und auch nicht Jupp Heynckes, der noch im Frühjahr auf Lewandowskis Dauer-Gemotze gereizt reagierte: "Der Boss bin ich." Kovac versucht es stattdessen mit den Samthandschuhen. Mit Streicheleinheiten.

Man kann getrost die Einstellung von Robert Lewandowski hinterfragen, der in dem Interview bekannte, erst durch das zweite Gespräch mit Kovac habe er seine Denkweise geändert und erkannt, auch selbst Fehler gemacht zu haben. Gleichzeitig kann man aber auch Niko Kovac zugutehalten, dass ihm das gelang, was keinem seiner Vorgänger auf der Trainerbank glückte, nämlich Lewandowski zum Nachdenken und zur Selbstreflexion zu bewegen.

Bisher ist das auch gut gelungen. Drei Tore beim 5:0 im Supercup in Frankfurt, das Siegtor beim blamablen Pokalauftritt in Drochtersen. Lewandowski wirkt motiviert und geläutert, zumindest im Moment. Wie ernst aber sein Bekenntnis zum Klub wirklich zu nehmen ist, bleibt abzuwarten. Lewandowski will schließlich weiter mit Berater Pini Zahavi zusammenarbeiten, den die Bayern-Bosse als Hauptanstifter in Lewandowskis Wechselgebaren ausgemacht haben.

Und ob Niko Kovac mit seiner so verständnisvollen Art für seinen empfindlichen Mittelstürmer wirklich Erfolg hat, wird sich auch erst gegen Saisonende zeigen. Dann zählt die Frühform vom August nichts mehr, dann geht es um die Spätform in April und Mai. Wenn die wichtigen Spiele anstehen - in denen Lewandowski bislang viel zu erfolglos war.



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Drunken Masta 23.08.2018
1. Vorschlag
gebt den Bayern die Schale und lasst sie sich 'auf die wichtigen Spiele im April und Mai' vorbereiten. Zum Zeitverteib können ja Ausflüge mit La Liga nach Nordamerika unternommen werden. Jaja ich weiß Abstiegskampf und wer in die internationalen Plätze kommt ist auch interessant. Man nimmt halt was man kriegt, nicht?
peterpretscher 23.08.2018
2. Lewandowski kritisiert die Bayern Bosse hart und......
.......der neue Trainer Niko Kovac zeigt Verständnis für den armen Robert, der sich nicht genug geliebt fühlt von den Bayern - Bossen. Wie lange wird gut gehen für den Niko?
Fuxx2000 23.08.2018
3. Vollkommen lächerlich
In diesem seelenlosen Geld, Geld und noch mehr Geld Geschäft ist Lewandowski einer der Vorreiter. Dass überhaupt noch ein Mensch annähernd glaubt ein Club würde einem Spieler etwas bedeuten oder umgekehrt ist ein echtes Wunder...
Fuxx2000 23.08.2018
4. Vollkommen lächerlich
In diesem seelenlosen Geld, Geld und noch mehr Geld Geschäft ist Lewandowski einer der Vorreiter. Dass überhaupt noch ein Mensch annähernd glaubt ein Club würde einem Spieler etwas bedeuten oder umgekehrt ist ein echtes Wunder...
muensterneu 24.08.2018
5. ein steter Kampf : Sich damit zu beschäftigen....
Ich bin mit Fissball sozialisiert worden. Ich bin jetzt 66 Jahre alt. Habe ganz virl Fussball gespielt. Mit Dank Vater`n an diesen Sport geraten. Ich liebe diesen Sport- eigentlich. Mit den letzten Jahren schäme ich mich immer mehr, dass ich in liebe. Er ist so verkommen, so weit weg gerückt, was er mal ( für mich war ). Heute bewundere ich, wie gerade vor einigen Tagen, die Leichtathleten. Die Zehnkämpfer ( bei den Männern ) , oder die Siebenkämpferinnen ( bei den Frauen ). Oder eine Felcitas Krause. Das sind in meinen Augen Sprtler, vor denen ich mich aus tiefstem Respekt verneige. Und dann gibt es da die Fussballzombies, die mit ihrem Millionngehältern in einer Paralellwelt leben, die der Fussballfan dank seiner Aufmerksamkeit und Hysterie finanziert. Und ein weiteres perverses Beispiel ist die Geschichte des Robert Lewnandowski. Für was, bitteschön, stehen diese emphatielosen, zu SSupermilchkühen des versklavten Fussballgeschäftes denn ? Diese Sportart braucht nur noch eine kurze Restlaufzeit. Dann hat sie sich selbst aufgefressen.
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