Kritik an Bayern-Kick in Saudi-Arabien "Im Zweifel für den Geldbeutel"

Die Kritik am Gastspiel des FC Bayern in Saudi-Arabien hält an: Auch die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, rügt die Reise - und fragt, was wohl der jüdische Ehrenpräsident des Vereins dazu gesagt hätte.

Bayern-Gastspiel in Riad: "Kommerz schlägt Ethik"
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Bayern-Gastspiel in Riad: "Kommerz schlägt Ethik"


Hamburg - Die Kritik an der Saudi-Arabien-Reise von Fußballrekordmeister Bayern München reißt nicht ab. Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger monierte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", "dass bei den Bayern Kommerz Ethik schlägt und sich im Zweifel auf die Seite des Geldbeutels gestellt wird. Das ist schade, aber überrascht mich nicht."

Auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, hätte sich gewünscht, dass der FC Bayern klar Stellung bezieht. "Im Falle dieser Reise hätte man vorab auf die grausamen Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien mit treffsicheren Statements hinweisen können", sagte die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden der "Süddeutschen Zeitung". Der FC Bayern hatte in Riad ein Freundschaftsspiel gegen Al-Hilal bestritten.

Knobloch eröffnet am Montag zusammen mit Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Sonderausstellung "Kicker, Kämpfer und Legenden - Juden im deutschen Fußball und beim FC Bayern München". Darin geht es auch um den früheren Präsidenten Kurt Landauer, der jüdischen Glaubens war und 2013 posthum zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. "Ich frage mich, wie dieser Kurt Landauer heute das Verhalten seines FC Bayern sehen würde, sich in wichtigen ethischen Prozessen der Meinungsbildung völlig zu entziehen", setzte Zwanziger hinzu.

Dortmund lehnt Gastspiele in solchen Ländern ab

Bayerns Bundesliga-Erzrivale der vergangenen Jahre, Borussia Dortmund, wollte sich nicht konkret zu dem Fall äußern, wies aber gegenüber der "FAZ" auf den eigenen grundsätzlichen Standpunkt hin: "Wir haben schon vor Jahren beschlossen, dass wir grundsätzlich kein Spiel in einem Land absolvieren werden, das breite Schichten der Bevölkerung diskriminiert, ihnen das Stadionerlebnis verbietet und sich einem Dialog über das Thema Menschenrechte kategorisch verweigert."

Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) teilte allgemein mit, dass man "ohne Wenn und Aber" gegen jede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung und für die Wahrung der Menschenrechte eintrete.

Aus der Poltik legte der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Dieter Janecek, nach: "Mein Eindruck ist, dass der FC Bayern seinen Vorbildcharakter nicht wahrnimmt." Ein weltweit so anerkannter Verein könne sich beim Thema Menschenrechte "nicht einfach wegducken", sagte der Grünen-Politiker, der dem Bayern-Fanclub des Deutschen Bundestages angehört, dem "Münchner Merkur".

Dagegen hatte der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer, Mitglied im Sportausschuss des Parlamentes, zuvor betont: "Man sollte Sport und Sportpolitik nicht zu stark mit Menschenrechtspolitik in Verbindung bringen, insbesondere wenn es einzelne Fußballvereine betrifft."

aha/sid/dpa



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insgesamt 120 Beiträge
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senfaddierer 21.01.2015
1. Sport ist Sport.
Und ein Geschäft. Aber keine Politik. Also was soll der Kokolores? Wer kritisiert die anderen Vereine, die auch in arabischen Ländern trainieren und Freundschaftsspiele absolvieren? Keiner. Aber beim FC Bayern bescheren solche "Nachrichten" eben Klicks.
axelmueller1976 21.01.2015
2. Laßt die Politik aus dem Sport
Was soll denn die ganze Aufgeregtheit. Mit den Saudis hat Deutschland absolut freundschaftliche sehr gute Beziehungen und die Industrie große Aufträge mit vielen Arbeitsplätzen. Plötzlich kocht ein SPD-Politiker vermutlich Fan des BVB etwas hoch. Und schon schlagen Alle auf den Sport ein.
braamsery 21.01.2015
3. Mir solls egal sein
Ich finds zwar auch nicht gut, dass Bayern das macht, aber genauso wer liefert die Waffen zum Unterdrücken? Richtig, Deutschland, das nennt man dann wohl gutes Vorbild. - Von großen Straßenprotesten gegen diese Lieferungen hab ich auch nicht gehört, also dürfte das hier genauso wichtig sein (ist halt Bayern). - Dazu kommt folgendes Beispiel: Man Biete einem Menschen an dahin zu fliegen für x-tausend Euro. Super Hotel, beste Lage und alles bezahlt + Taschengeld. Macht man die Umfrage auf der Straße würden wenige aus humanitären Gründen ablehnen.
sumfuiesse 21.01.2015
4. Arabien
Saudi Arabia und Katar sind ideologische zwei der Zurückgebliebensten Staaten im mittleren Osten. Nicht vergleichbar mit den VAE oder auch Bahrain. Sehr schade, dass der ach so tolle FC Bayern München keine andere Möglichkeit hat, in anderen Ländern ihr Trainingslager zu absolvieren. Vorbildcharakter und Bayern München? Sehr lustig diese beiden bzw drei Worte im selben Satz zu benutzen, angesichts eines großen Verbrechers als Jugendwart
atherom 21.01.2015
5. Als der FCB vor einigen Jahren einen Abstecher in den
Iran machte, um ein Spiel zu absolvieren, wurde Uli Hoeness am Spielrand interviewt, im Hintergrund Spruchbänder in Farsi, die das Recht Irans auf Atomenergie hervorhoben. Auch Uli damals bestätigte dieses Recht. Damals noch für die Hälfte, jetzt ist ja FCB wer!
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