Bayern-Sieg in Bremen Zehn Minuten Feindschaft

Der FC Bayern profitierte gegen Bremen von einer Fehlentscheidung. Werder hätte einen Elfmeter bekommen müssen, gab der Schiedsrichter zu. Dennoch gaben sich die Bremer nach der Niederlage friedlich.

Aus Bremen berichtet

AFP

Thomas Müller war bester Laune, als er nach dem Spiel des FC Bayern bei Werder Bremen vor die Presse trat. 4:0 gewonnen, das erste Tor mit einem sehenswerten Schlenzer selbst erzielt - für den Münchner Offensivmann ging ein erfolgreicher Arbeitstag zu Ende. Und auch der Rahmen hatte Müller gefallen: "Ich finde es amüsant, wenn es hitzig wird und ein bisschen Stimmung ist", sagte er und grinste dabei sein typisches Müller-Grinsen. Es sei ja nichts passiert. Keine Verletzten, keine Platzverweise.

Müllers Amüsement speiste sich aus der Phase nach rund einer Stunde Spielzeit, als Bremer und Münchner mehrfach aneinandergerieten, das Publikum im Weserstadion beinahe im Minutentakt vor Empörung aufschrie und Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer fünf Gelbe Karten in zehn Minuten verteilte. In diesen Minuten hatte das Spiel die Brisanz, die Werders Manager Thomas Eichin und Bayern-Sportchef Matthias Sammer mit ihrem verbalen Prolog heraufbeschworen hatten.

"Sowas gehört dazu. So hatten das Fernsehen und die Zeitungen ein paar Tage was tun", sagte Müller über die Debatte um einen angeblichen Bayern-Bonus und eventuelle Folgeschäden von Puck-Treffern beim Eishockey.

In Bremen hatte der FC Bayern bei Wind und Regen tatsächlich Glück mit einer Schiedsrichter-Entscheidung. In der 65. Minute zog Jerome Boateng den aufgerückten Werder-Verteidiger Sebastian Prödl im Strafraum am Trikot, es hätte Elfmeter für die Gastgeber geben müssen. Stattdessen entschied Schiedsrichter Kinhöfer auf Freistoß für den FC Bayern, weil Prödl der Ball nach Boatengs Textilvergehen an die Hand gesprungen war. "Ein klares Foulspiel. Ich war schon im Sinkflug, als das Handspiel kam", beschwerte sich Prödl. Der Unparteiische gab seinen Fehler zu: "Wenn wir die Fernsehbilder gesehen hätten, hätten wir auf Strafstoß entschieden", sagte Kinhöfer. Ein solches Schiedsrichter-Geständnis ist bemerkenswert.

Skripnik zeigt sich stolz

0:2 stand es zum Zeitpunkt der diskutierten Szene aus Sicht der Bremer. Sie sahen sich um den Anschluss gebracht. "Ein Tor hätte die Hoffnung auf die Ränge und in die Köpfe der Spieler zurückgebracht", sagte Prödl. Mehr wohl aber nicht. Kein Mitglied der Werder-Delegation behauptete, dass man das Spiel noch gedreht hätte, wenn Kinhöfer den fälligen Elfmeter nach Boatengs Foul verhängt hätte. Zu groß ist der Qualitätsunterschied zwischen Bayern und Bremen.

Werder-Trainer Viktor Skripnik lieferte nach dem Spiel den passenden Beleg für die Unterwürfigkeit gegenüber dem Rekordmeister aus München: "Wir sind stolz auf das 0:4", sagte er. Immerhin bedankte er sich nicht für das tolle Erlebnis wie kürzlich Paderborns Trainer André Breitenreiter.

imago
Dennoch: Wenn Eichin sich über zu großen Respekt vor den Münchnern beschwert, dürfen sich nicht nur die Schiedsrichter angesprochen fühlen. Sondern auch Spieler und Trainer. "Ich fühle mich in meinen Aussagen bestätigt", sagte Eichin und bezog sich damit auch auf die vorsichtige Herangehensweise seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit. Erst nach dem Seitenwechsel wurde Werder mutiger, ging aggressiver in die Zweikämpfe.

Symbol dafür war ein Foul von Prödl gegen Medhi Benatia in der 62. Minute, der zuvor ebenfalls hart eingestiegen war. Es kam zur Rudelbildung. In der 66. Minute schubste Zlatko Junuzovic Münchens Kapitän Bastian Schweinsteiger ins Aus, wieder brach Hektik aus. "Ohne Schiri habt ihr keine Chance!", sangen zuerst die Fans des FC Bayern - und dann Werders Anhänger. Dass sich beide Lager gleichermaßen benachteiligt fühlten, spricht für Kinhöfer.

Trotz der vielen Konflikte auf dem Rasen und der zunehmend gereizten Stimmung im Stadion behielt er die Partie unter Kontrolle - und wurde dafür sogar gelobt: "Der Schiedsrichter hat seine Sache ordentlich gemacht", sagte Müller. Und Eichin erläuterte, dass seine Rede unter der Woche vom Bayern-Bonus und dem Respekt vor den Münchnern nicht als Generalkritik an den Unparteiischen verstanden werden sollte.

Sein Streit mit Bayerns Sportchef Sammer ist nicht beigelegt. Es habe kein klärendes Gespräch gegeben im Umfeld des Spiels, sagte Eichin, und er hält das auch nicht für nötig: "Wir haben uns kurz begrüßt, das muss reichen." So waren die vergangenen Tage vermutlich der Beginn einer langen Feindschaft unter Managern.



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Trainspotter 14.03.2015
1. Ahja...
Und wie lange wird jetzt noch darauf beharrt, dass es hätte Elfmeter für Werder geben müssen? Es hätte zuvor bereits Elfmeter für Bayern geben müssen, nachdem Prödl über mehrere Sekunden hinweg Lewandowski am Trikot gezogen hat. Und zu dem Zeitpunkt, als Prödl von Boateng am Trikot gezupft wurde, hätte er wegen grober Unsportlichkeit beim Foul gegen Benatia gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Aber Hauptsache 'Bayern wird immer bevorteilt' rufen...
singliketroubardix 14.03.2015
2. Bitte-Bitte-Bitte ... zum Dritten
Lasst uns nicht schon wieder dieses ewig gleiche Spiel spielen. Es sind immer die gleichen, die immer die gleichen und immer gleich falschen Beiträge anbringen. Warum nur versuchen wir ihnen immer wieder zu erklären, dass 2+2 eben doch 4 ist? Prödl zieht am Trikot von Lewandowski länger als Boateng später an Prödls. Beides hätte EM geben müssen. Na und? Dann hätte es eben 1:3 gestanden (denn die Wahrscheinlichkeit, dass Wolf einen EM von Müller hält ist höchstens so hoch wie die, das Reina ihn ebenfalls hält) und später dann wohl 1:5. Denn weitere echte Torchancen von Werder waren eigentlich keine zu verzeichnen, oder? Also: diskutieren wir über lieber Fußball oder lassen wir uns lieber immer wieder in Verschwörungstheorien hineinziehen? Machen wir es ihnen doch nicht so leicht. Sie wollen hier nicht diskutieren, sie wollen nur ihr immer gleiches Spiel spielen. wäre es nicht besser sie einfach ins Leere laufen zu lassen?
Realist111 14.03.2015
3. Der Ruf geht nicht ganz zu Unrecht durchs Land ...
Zitat von TrainspotterUnd wie lange wird jetzt noch darauf beharrt, dass es hätte Elfmeter für Werder geben müssen? Es hätte zuvor bereits Elfmeter für Bayern geben müssen, nachdem Prödl über mehrere Sekunden hinweg Lewandowski am Trikot gezogen hat. Und zu dem Zeitpunkt, als Prödl von Boateng am Trikot gezupft wurde, hätte er wegen grober Unsportlichkeit beim Foul gegen Benatia gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Aber Hauptsache 'Bayern wird immer bevorteilt' rufen...
Nicht nur heute, sondern auch letzte Woche [Siehe EM in Hannover für Bayern, weil Lewandowski den Kopf in Kniehöhe hatte ;-) ] und auch langfristig ist es wohl so! Wenn Sie über einen Schuss Objektivität verfügen, googeln sie einfach mal die statistische Häufigkeit von Fehlentscheidungen der SR zugunsten welcher Mannschaften. Raten Sie mal, welcher Klub da an der Spitze steht ...
singliketroubardix 14.03.2015
4. Nun ja
Zitat von Realist111Nicht nur heute, sondern auch letzte Woche [Siehe EM in Hannover für Bayern, weil Lewandowski den Kopf in Kniehöhe hatte ;-) ] und auch langfristig ist es wohl so! Wenn Sie über einen Schuss Objektivität verfügen, googeln sie einfach mal die statistische Häufigkeit von Fehlentscheidungen der SR zugunsten welcher Mannschaften. Raten Sie mal, welcher Klub da an der Spitze steht ...
Hab ich gemacht - gegoogelt. Und das hier kam dabei raus: http://www.wahretabelle.de/statistik/fehlentscheidungen Da steht der FCB ganz oben, stimmt. Und warum ist das so? Weil sich die Darstellung an der aktuellen Tabellensituation orientiert. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Wo steht, dass der FCB am meisten bevorteilt wurde?
TiWo 14.03.2015
5.
"Googlen Sie mal" Sehr gut, damit sieht man mal an welche Verschwörungstheorien die Bayernhasser immer so glauben... Es gibt keine auch nur annähernd verwertbare Beweise für diesen angeblichen Bayern Bonus. Glaubt nur weiter dran, dann habt ihr wenigstens immer eine gute Ausrede für eine Niederlage. Ein bisschen Objektivität würde allen mal gut tun, heute wurde keine Mannschaft bevorteilt. Nur leider werden nicht immer alle relevanten Szenen in den Medien besprochen..
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