Hoeneß-Ansage an Lewandowski "Verhältnisse wie in Dortmund wollen wir nicht"

Superstar Robert Lewandowski hat den FC Bayern öffentlich für seine zurückhaltende Transferpolitik angezählt. Nun hat Präsident Uli Hoeneß darauf reagiert, er wünscht sich weniger Gerede - und besseren Fußball.


Klare Rollenverteilung beim FC Bayern: Während Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Robert Lewandowski für dessen Kritik rügte und für den Wiederholungsfall Konsequenzen ankündigte, bemühte Uli Hoeneß sich um Verständnis für seinen Offensivstar. "Ich finde es immer gut, wenn sich ein Spieler Gedanken macht und Sorgen macht um seinen Verein", sagte Hoeneß: "Das spricht für ihn."

Der Bayern-Präsident versuchte aber gleichzeitig, die Aufmerksamkeit wieder auf das Sportliche zu lenken. "Noch wichtiger wäre, wenn er sich darum kümmert, was ihm eigentlich wichtiger sein müsste, nämlich seine Leistung. Wenn die besser ist, dann werden wir auch unsere Ziele erreichen." Grundsätzlich habe Hoeneß das Interview nicht als problematisch empfunden. "Mir gefällt das sowieso nicht, dass man bei uns jedes Wort auf die Goldwaage legt, auch intern. Deswegen müssen wir da wieder lockerer werden."

Der 29 Jahre alte Angreifer hatte in einem nicht vom Verein autorisierten Interview des SPIEGEL die Transferpolitik der Münchner kritisiert. Lewandowski forderte seinen Arbeitgeber auf, mehr Geld als bisher für Zugänge auszugeben, und erklärte, Transfersummen wie die 41,5 Millionen Euro für Bayerns Rekordeinkauf Corentin Tolissoseien im internationalen Vergleich "eher Durchschnitt als Spitzenwert".

Hoeneß erinnerte Lewandowski vorsorglich an dessen langfristigen Vertrag. "Eines muss klar sein: So Verhältnisse wie in Dortmund, dass man jedes halbe Jahr über einen Ausstieg diskutieren wollte, die wollen wir hier nicht haben." Lewandowski war 2014 vom BVB zum FC Bayern gewechselt, sein Vertrag bei den Münchnern läuft noch bis 2021.

"Wir spielen nicht so gut - schon seit Anfang der Saison"

"Das eigentliche Problem am Wochenende war nicht das Interview von Robert Lewandowski im SPIEGEL, sondern dass wir sehr, sehr schwach gespielt und verloren haben. Das beschäftigt mich, nicht, was irgendeiner in der Zeitung sagt."

Am Rande eines Basketball-Termins am Münchner Flughafen nahm Hoeneß die Mannschaft vor dem Start in die Champions League gegen den RSC Anderlecht (Dienstag, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) in die Pflicht. "Wir müssen unsere Probleme lösen. Wir spielen nicht so gut - schon seit Anfang der Saison. Daran gilt es zu arbeiten."

chh/dpa

insgesamt 64 Beiträge
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allessuper 11.09.2017
1. Danke, you made my monday
es ist soweit, So was Schönes wie Herr Hoeneß entscheidet über die Verhältnisse: "Mir gefällt das sowieso nicht, dass man bei uns jedes Wort auf die Goldwaage legt, auch intern. Deswegen müssen wir da wieder lockerer werden." Jetzt kann ich endlich friedlich einschlafen. Wir sind moralisch gerüstet.
K:F 11.09.2017
2. Rummenigge wünscht gefälligst angepasste Individualisten
Die Balltreter sollen Fußball spielen, aber ansonsten den Mund halten, oder nur antworten, wenn Rummenigge fragt.
Alfred Ahrens 11.09.2017
3. Lewa guckt über den Gartenzaun, - ist doch klar
wenn man die irren Summen sieht, die woanders gezahlt werden, ist es doch klar, daß die Topspieler, nicht nur bei den Bayern nach Alternativen suchen. Es geht doch nur ums Geld und nicht mehr um Fussball. Das sollte mittlerweile Grundwissen sein.
Papazaca 11.09.2017
4. Das beste, was er sagen konnte.
dadurch nimmt er Rummenigge aus der Schusslinie. Und er warnt Lewandowski eindrücklich. Was er öffentlich nicht sagen kann: Wie er Antworten für die Probleme der Bayern findet (Trainerfrage, Erneuerung der Mannschaft, erfolgreiches Scouting, Zweifel an der Zusammenarbeit mit Rummenigge ausräumen, wie Bayern mit hohen Transfersummen umgeht, Verjüngung der Führung etc.). In einer Zeit des Umbruch können die Bayern nicht so weitermachen wie gehabt. Und das Ende der unbefriedigenden Spiele der Bayern löst nicht das Problem. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die spielerische Krise dauert ja schon länger an (Chinaspiele) ist ist eher Ausdruck für strukturelle Probleme in einer Zeit des Umbruchs.
heinzdieter48 11.09.2017
5. Rummenigge über dem Grundgesetz?
Auch für Fußballer in Deutschland gilt Art. 25 des GG, nämlich ein Recht auf freie Meinungsäußerung. Frau von der Leyen ist mit ihrem Maulkorberlass gescheitert. Der FC Bayern braucht hier noch ein wenig Nachhilfe.
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