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Bayern-Niederlage gegen Mainz: Kämpfen für die Langeweile

Aus München berichtet

REUTERS

Die Bayern sind gestresst: Das Rennen um den sicher geglaubten Titel könnte wieder spannend werden. Dabei bräuchten die Münchner dringend eine Pause - die Partie gegen den BVB wird nun zum Schlüsselspiel.

Mainz 05 konnte einem leidtun. Die Mannschaft von Trainer Martin Schmidt, das Team der Stunde in der Bundesliga, hatte soeben auswärts den FC Bayern besiegt. Nur sprach darüber kaum jemand. Bayern-Trainer Josep Guardiola beglückwünschte im Anschluss an das Spiel artig den FSV zu dessen 2:1 (1:0)-Erfolg, um dann sehr schnell zu dem Thema überzuleiten, das den weiteren Abend beherrschen sollte: das Duell mit Borussia Dortmund.

Eigentlich war Guardiola nach den Gründen für die Niederlage gegen Mainz gefragt worden, doch seine Antwort mündete in einem Monolog über die Stärke des einzig echten nationalen Konkurrenten. "Dieses Jahr ist der BVB ein komplett anderer Gegner als in den letzten Jahren", sagte Guardiola. In der vergangenen Saison holte Dortmund 33 Punkte weniger als die Bayern, davor waren es 19 gewesen.

Im Video: Pep Guardiola zum Titelrennen

FCB.tv

Nun ist der Vorsprung der Bayern nach Dortmunds 2:0-Erfolg in Darmstadt auf fünf Punkte geschmolzen. Bei einer Münchner Niederlage im direkten Aufeinandertreffen am kommenden Samstag (18.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) trennen Platz eins und zwei nach 25 Spieltagen zwei Punkte. Letztmals gab es das in der Saison 2009/2010. Ausgerechnet die aktuelle Spielzeit, die gern als eine der langweiligsten überhaupt gescholten wird, könnte eines der hochklassigsten Titelrennen der Ligageschichte hervorbringen.

Das Schweigen der Bayern

Dass die Meisterschaft noch mal spannend werden würde, schien zumindest Guardiola nicht zu überraschen. "Wir haben den Spielern immer wieder gesagt, dass wir bis zum letzten Spieltag kämpfen müssen", sagte er. So richtig schien das bei seinen Profis aber nicht angekommen zu sein. Zumindest deutete die seltsame Verschlossenheit der Spieler an, dass ihnen die neue Tabellensituation nach der Pleite gegen Mainz zu schaffen machte.

Kaum ein Münchner kommentierte die Niederlage, selbst Führungsspieler wie Manuel Neuer und Thomas Müller, die sich sonst zuverlässig den Fragen der Journalisten stellen, schwiegen lieber. Robert Lewandowski gehörte zu den wenigen Ausnahmen. "Wir haben immer noch fünf Punkte Vorsprung auf den BVB", sagte der Stürmer. Die Mannschaft habe "keine Angst" vor einer möglichen Niederlage gegen die Borussia. "Aber wir müssen wirklich frisch sein."

Die Aussage war deshalb bemerkenswert, weil sich gegen Mainz eine subtile Trägheit ins Spiel der Bayern eingeschlichen hatte. Bereits bei eigenem Ballbesitz schien ihnen die geistige Frische zu fehlen. Das übliche Münchner Positionsspiel, bei dem jedem Ballführenden stets zumindest zwei Anspielstationen angeboten werden sollen, um den Ball schnell laufen lassen zu können, kam schwer in Gang. Immer wieder erreichten die Münchner ihre Positionen einen Schritt zu spät. So klafften Löcher in der bayerischen Formation.

Bayern tat sich zudem schwer, sich an das überraschende Mainzer System anzupassen. 05-Trainer Schmidt, eigentlich dafür bekannt, stets dieselbe Taktik zu wählen, formierte sein Team statt im gewohnten 4-4-2 in einem 5-2-3 und lenkte den Gegner auf die Flügel, um dort zu pressen. Die aus Bayern-Sicht erforderlichen schnellen Verlagerungen gegen die Verschieberichtung des Mainzer Defensivblocks blieben aus.

"Vielleicht haben manche schon an Samstag gedacht"

Dazu gesellte sich ein Schuss zu viel Selbstsicherheit. Das war insbesondere bei den Gegentoren zu sehen. Beim 0:1 durch Jairo Samperio (26. Minute) kamen die Münchner zu langsam an den eigenen Strafraum und gerieten so in eine Unterzahlsituation. Beim 1:2 durch Jhon Córdoba (86.) fühlten sich mehrere Offensivspieler nicht zuständig, nach hinten zu arbeiten. Beispiel Franck Ribéry: Nach Arturo Vidals Ballverlust, der dem zweiten Treffer vorausging, stand der Franzose noch bei Córdoba im Mittelkreis. Sekunden später schoss der Mainzer den Ball unbedrängt ins Tor, von Ribéry war keine Spur.

"Vielleicht hat der eine oder andere schon an Samstag gedacht und geglaubt, das wäre heute einfacher", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge nach der Partie. Demnach wäre Mainz ein Warnschuss zur rechten Zeit. Möglich ist aber auch, dass diese Nachlässigkeiten dem hohen Pensum geschuldet sind, das der aufgrund von Verletzungen derzeit kleine Kader aktuell zu bewältigen hat.

"Mit acht Punkten wären wir entspannter nach Dortmund gefahren", sagte Rummenigge: "Jetzt dürfen wir sicherlich nicht verlieren." Sollte das doch geschehen, dürfte den Bayern tatsächlich ein Titelkampf bis zum letzten Spieltag bevorstehen. Der würde wiederum Kraft kosten. Kraft, die das Team eigentlich für die K.o.-Spiele im Pokal und in der Champions League benötigt.

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Abseits beim 1:0
roppel 03.03.2016
http://www.pic-upload.de/view-29912694/test.gif.html Das darf eigentlich sogar der Spiegel mal erwähnen. Bis jetzt 5 Berichte zum Spiel und keine Erwähnung der Fehlentscheidung!
2. Heja BVB
quertreiber-30er_baujahr 03.03.2016
Man kann den Dortmunder Jungs nur Glück wünschen.
3. Die langweiligste Saison ever, ever
nerdchen 03.03.2016
Da ändern auch ein paar sensationsheischende Artikel nichts dran. Bayern wird (leider) wieder Meister. Bei einzelnen Spielen sind die auch mal zu schlagen (hallo CL!), aber über die Saison setzt sich halt doch der zusammengekaufte Luxuskader durch.
4. Tja,
sirius08/15 03.03.2016
Zitat von roppelhttp://www.pic-upload.de/view-29912694/test.gif.html Das darf eigentlich sogar der Spiegel mal erwähnen. Bis jetzt 5 Berichte zum Spiel und keine Erwähnung der Fehlentscheidung!
und was würde das ändern?
5. Keiner redet von M05...
DePeMe 03.03.2016
...sondern nur vom bevorstehenden Spitzenduell. Dass Taktikfuchs Schmidt mit seinen Laufwundern, einer Mannschaft geschlossener Underdogs die moralisch fantastisches leisten, in der Rückrunde die vierte (von vier) Spitzenmannschaften geschlagen hat, die ersten Punkte aus München entführte, Platz 5 hält und an den CL-Plätzen nagt, scheint keinen zu interessieren. Gewährt den 05ern die ihnen zustehende Aufmerksamkeit!
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