Drei Thesen zur Bundesliga Dem Bayern-Gegner reicht Kreisliga-Taktik

Beim FC Bayern läuft nach dem Last-minute-Unentschieden gegen Fortuna Düsseldorf weiter viel verkehrt - vor allem in der Abwehr. Aussicht auf Besserung besteht zunächst nicht.

Bayern-Spieler nach dem späten Ausgleich
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Bayern-Spieler nach dem späten Ausgleich


1. Die Bayern-Abwehr fällt in sich zusammen

Von früherer Souveränität sind die Bayern meilenweit entfernt. Warum? Diese Frage drängt sich auf, ist aber kaum eindeutig zu beantworten. In dieser Saison wurden bislang nur zwei Partien in der Liga ohne Gegentor bestritten, zum selben Zeitpunkt der Vorsaison waren es bereits sieben. Und das, obwohl die Mannschaft im Vergleich zur vergangenen Saison fast identisch ist.

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Als Fortuna Düsseldorf in der Nachspielzeit zum 3:3 durch Dodi Lukebakio traf, waren mit den eingewechselten Mats Hummels und Rafinha insgesamt sechs (!) Abwehrspieler auf dem Platz. Dass sich die Mannschaft von Niko Kovac dennoch - bei eigener Führung - auskontern ließ, sagt eigentlich schon alles: Die Abstimmung in der Defensive stimmt nicht. Aber nicht nur dort: Die Mannschaftsteile beim FCB greifen nicht fließend ineinander, sodass ein Gegner wie Düsseldorf tatsächlich vergleichsweise einfach zum Erfolg kommen kann.

Abhilfe schaffen können die Bayern nur selbst: durch ein Hinterfragen der eigenen Leistung, ein Abrufen von Topleistungen auch gegen Außenseiter und ein Abstellen der individuellen Fehler. Andernfalls drohen weitere Blamagen in den kommenden Wochen. Die nächsten Gegner heißen Werder Bremen, 1. FC Nürnberg und Hannover 96.

2. Funkels einfache Taktik reicht gegen Bayern

Die Bayern liegen nach den enttäuschenden letzten Wochen auf Platz fünf - neun Punkte hinter Tabellenführer Borussia Dortmund. Diese Zwischenbilanz ist ein Armutszeugnis für die Bayern - und bringt Trainer Niko Kovac in Erklärungsnot.

Mitverantwortlich für die nun bedrohlich dunklen Wolken über der Säbener Straße ist mit Fortuna-Coach Friedhelm Funkel ausgerechnet ein Fußball-Lehrmeister der alten Schule. Er coachte gegen Bayern München mit einer simplen Methodik: Hinten dicht machen - und einen der schnellsten Spieler des Teams mit langen Bällen in Szene setzen.

Dodi Lukebakio war in der Düsseldorfer Defensivtaktik der Anspielpunkt in der Spitze. Im 4-5-1 war er auf sich allein gestellt, machte daraus aber drei Tore. Zwei Toren waren weite Schläge der Abwehr vorangegangen, die Lukebakio verarbeitete und mit seiner Schnelligkeit der Bayern-Abwehr entwich. Eine solche Taktik sieht man in der Regel auf Kreisliga-Plätzen - gegen die Bayern reichte sie zumindest für einen Punkt.

Auch ein Faktor: Drei der vier Torschüsse von Lukebakio waren drin. Robert Lewandowski versuchte es dagegen achtmal in Richtung des Düsseldorfer Tores. Keinen musste Torhüter Michael Rensing halten.

3. Lissabon kann Kovacs Abschiedsvorstellung werden

Benfica Lissabon wird am Dienstag in der Champions League hochmotiviert in München antreten. Mit erst vier Punkten haben sie nur bei einem Sieg noch Chancen, ins Achtelfinale zu kommen. Die Gefahr für die Münchner, sich erneut zu blamieren, ist nicht von der Hand zu weisen. Vor allem, wenn die Bayern eben nicht die Lehren aus den zurückliegenden Partien (siehe oben) ziehen - und auch das dritte Pflichtspiel in Folge nicht gewinnen sollten.

Aber selbst wenn die Bayern Benfica - souverän oder auch nur knapp - besiegen, wäre es nach Lage der Dinge nicht sonderlich überraschend, wenn spätestens am Mittwoch das Kovac-Aus verkündet werden würde. In der Liga stehen jetzt Partien an, in denen Kovac eigentlich (außer jeweils den erwarteten drei Punkten) nichts gewinnen kann.

Niko Kovac (l.) und Friedhelm Funkel
AFP

Niko Kovac (l.) und Friedhelm Funkel

Anders ein neuer Trainer: Er könnte mit Siegen Ruhe in den Verein bringen, bevor dann zum Hinrundenabschluss die Spiele gegen die Topteams Leipzig und Frankfurt anstehen. So bitter es für Kovac klingen mag: Nach den zurückliegenden Partien ist aus Sicht der Bayern der Zeitpunkt für eine Trennung genau jetzt. Vorausgesetzt, die Verantwortlichen sind sich sicher, dass es beim FC Bayern mit Kovac als Trainer eben wirklich nicht besser wird.



insgesamt 77 Beiträge
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ein-berliner 25.11.2018
1. Da war doch mal ein Trainer...
Da gibt es doch einen sehr alten Pokalmacher, ob die Bayern den noch einmal aus der Versenkung locken können?
Charlie Whiting 25.11.2018
2. Ausser Binsenweisheiten
nix gewesen. Warum die Bayern kurz vor der Winterpause noch ein Fass aufmachen sollen verstehe ich absolut nicht. Wen wollen die denn gerade jetzt aus dem Hut zaubern? Arsene Wenger? Ich denke sie warten bis nach Weihnachten.
Mister Stone 25.11.2018
3.
Wenn man dem gegnerischen Mittelfeld personell und/oder qualitativ unterlegen ist, dann überspielt man es, sobald man den Ball hat. Damit lässt man die gegnerische Stärke leer laufen. Das ist weltweit bewährte Taktik auf höchstem Niveau und hat nichts mit Kreisliga zu tun. Funkel hat das kapiert. Wenn die eigenen Verteidiger ihre Sprintduelle nicht gewinnen können, weil der Gegner eine Rakete vorne drin hat, dann darf man nicht hoch pressen. Das weiß spätestens seit der WM jeder Fußballfan, außer Kovac. Es ist Sache des Trainers, diese Situationen zu erkennen und perfekt zu beherrschen. Wenn man das aber alles ignoriert, DAS ist dann Kreisliga-Niveau. Und dann schießt einem im eigenen Stadion die gegnerische Mannschaft mit 27 % Ballbesitz und mäßig begabtem Personal drei Tore.
pfandsiegel 25.11.2018
4. Fcb
Endlich wird die BL wieder spannend. Sie war doch in den vergangenen Saisons totlangweilig da man wußte, daß man die Meisterschale gleich am ersten Spieltag zum FC Überheblich senden konnte.
wjb27 25.11.2018
5. So isses
Endlich ist Bayern auf das Niveau der Restliga abgesackt. Jetzt können die Schwächlinge wieder Meister werden.
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