Strittiger Elfmeterpfiff im Auftaktspiel Alles eine Frage der "Interpretation", sagt der DFB

Wann greift er ein, wann nicht? Die Verwirrung um den Videoschiedsrichter bleibt auch in der neuen Spielzeit groß. Die Erklärung des DFB zu der fragwürdigen Elfmeterentscheidung im Bayern-Spiel hilft kaum weiter.

Bastian Dankert (r.)
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Empörung und Spott ließen nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Bayern München nicht lange auf sich warten: "Was mich unglaublich aufregt", ereiferte sich etwa Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann, "warum kriegen sie das nicht hin, in Köln zu entscheiden? Da brauche ich keine 14 Screens in Köln aufzubauen. Entweder entscheiden die oder lassen es." 1899-Manager Alexander Rosen schimpfte: "Diese Szene muss man zumindest überprüfen. Da muss ein Hinweis aus Köln kommen." Ansonsten ergebe für ihn der Videobeweis "einfach keinen Sinn".

Auch im Netz kochten die Emotionen hoch. Von "Bayern-Bonus" und "DFB-Mafia" war nach dem Elfmeter nach einem vermeintlichen Foul von 1899-Profi Havard Nordtveit an Franck Ribéry die Rede, der in der 82. Minute im zweiten Versuch zum vorentscheidenden 2:1 durch Robert Lewandowski führte. Nun hat die Schiedsrichterkommission des Deutschen Fußball-Bunds die Entscheidung ebenso verteidigt wie die ausbleibende Überprüfung der Szene. "Der Video-Assistent hat in dieser Situation zu Recht nicht eingegriffen, denn er soll nur eingreifen, wenn die Entscheidung klar und offensichtlich falsch ist", teilte der DFB mit.

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Bundesliga-Auftakt: Ein Elfmeter, zwei Videobeweise, vier Tore

"Diesen Vorgang als Foul zu bewerten, ist eine Interpretationsfrage, die beim Schiedsrichter bleibt. Die Diskussionen zu diesem Fall reichen auch von 'Schwalbe' über 'natürliche Kollision' bis 'fahrlässiges Abwehrverhalten mit Zufallbringen des Gegners'", führte der DFB in seiner Mitteilung aus und kam zu dem Schluss: "Die Entscheidung ist daher in der Diskussion durchaus als 'umstritten' einzuordnen, aber nicht als 'klar und offensichtlich falsch'." Eine Ausführung, die wohl nur bedingt zur Klärung der Verwirrung auf dem Rasen und den Tribünen beiträgt.

sak/dpa



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Kailash 25.08.2018
1. Man muss diesen Elfmeter nicht geben
aber man musste zwei Hoffenheimer die Rote geben und in der ersten Halbzeit einen Elfmeter für Bayern pfeiffen.
Genau so 25.08.2018
2. Dynamo Berlin
Mich erinnert sowohl das Geschehen, als auch die nachgeschobenen Erklärungen, an die Meisterschaften des „Serienmeisters“ Dynamo Berlin. Von wegen "Der Video-Assistent hat in dieser Situation zurecht nicht eingegriffen, denn er soll nur eingreifen, wenn die Entscheidung klar und offensichtlich falsch ist". Wenn in diesem Falle die Entscheidung des Referees nicht klar und offensichtlich falsch ist, wann dann? Ach so: Herzlichen Glückwunsch zur Deutschen Meisterschaft 2018/19 an den FC Bayern München.
hileute 25.08.2018
3. Billigste Ausrede
wenn in einer Szene nahezu alles falsch gemacht hat was möglich ist hat das nur mit Unvermögen zu tun und nicht mit Interpretation. Wenn man's nicht hinkiegt soll man den Quatsch halt so lange lassen, bis es auch funktioniert
m.paulus 25.08.2018
4. Challenge-System beseitigt Interpretationsspielraum
Genau dieser Interpretationszwang macht den Videobeweis in der aktuellen Variante so zweifelhaft. Würde es ein Challenge-System geben, dann hätte Hoffenheim gestern die Elfmeterentscheidung überprüfen lassen können. Anschließend hätte ein anderer Schiedsrichter, der nicht im Spiel involviert ist, vermutlich den Elfmeterpfiff korrigert. Und so wäre der Videobeweis sinnvoll gewesen. Die zweite Szene, die gestern mehr als umstritten war, war leider auch ein kapitaler Fehler. Denn Thomas Müller bei seinem aberkannten Tor ein absichtliches Handspiel zu unterstellen, ist schlicht und einfach absurd. Und unabhängig von richtig oder falsch. Wenn man die erste Szene in den Bereich "keine klare Fehlentscheidung" einordnet, dann muss das Tor zwingend auch in diesen Bereich eingeordnet werden.
Greg84 25.08.2018
5.
Was bei der Erklärung in meinen Augen keinen Sinn macht: warum meldet sich der Videoassistent dann beim Tor nach möglichem Handspiel von Müller? Hier habe ich auch von mehreren Schiedsrichtern gelesen, dass sie den Treffer gegeben hätten, weil sie keine unnatürliche Handbewegung oder Absicht erkennen konnten. Den Elfmeter hätte ich allerdings auch nicht gegeben. Vermutlich wäre das beim Schiedsrichter auch so gewesen, wenn er es sich nochmal angeschaut hätte, wobei er auch in realer Geschwindigkeit gut stand. Was ich allerdings nicht verstehen konnte war das Eingreifen bei der Ausführung des Elfmeters. Ich kann mich gar nicht dran erinnern, dass mal kein Spieler bei Ausführung des Elfmeters im Strafraum stand. Auch gestern waren es neben Robben noch zwei Hoffenheimer.
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