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Bayern-Trainer nach dem CL-Aus: Pep, der Baumeister

Von Sebastian Winter, München

Bayern-Trainer Guardiola (l.), Kapitän Lahm: Zusammen die Zukunft gestalten Zur Großansicht
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Bayern-Trainer Guardiola (l.), Kapitän Lahm: Zusammen die Zukunft gestalten

Nur ein Titel, etliche Verletzte, taktische Fehler - die zweite Saison beim FC Bayern war für Trainer Pep Guardiola die schwerere. Doch seine größte Aufgabe kommt noch: Er muss die Mannschaft für die Zukunft umbauen.

Josep Guardiola schien am Ende dieses Abends zufrieden zu sein, endlich. Er strich sich nicht mit der linken Hand über den Kopf, er fuhr sich mit ihr nicht über die Wange und fasste sich auch nicht ans Kinn. Das macht er nach Niederlagen sonst oft, er kann dann seine Unzufriedenheit nicht verbergen. Stattdessen saß Guardiola nach dem 3:2 (1:2) gegen Barcelona fast ergriffen auf dem Podium in der Münchner Arena und sagte: "Meine ersten Worte: Glückwunsch an meine Spieler. Ich bin sehr stolz auf diese überragenden Spieler. Ich bin Trainer für Tage wie heute."

Für Tage, an denen Bayern München den FC Barcelona bezwingt; in einem rasanten Spiel voller Torchancen, das allerdings schnell den Spannungsbogen verloren hatte. Denn nach den beiden frühen Toren und dem 3:0 aus dem Hinspiel hatten die Spanier das Champions-League-Halbfinale schnell entschieden. Immerhin gewannen die Bayern durch das Offensivspektakel nach vier Pflichtspiel-Niederlagen in Serie ihr verloren gegangenes Selbstwertgefühl wieder zurück: „Ein großes, überragendes Kompliment", sprach Guardiola aus: "Bayern München weiß vielleicht nicht, wie gut diese Spieler sind."

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Guardiola steht nun am Ende seiner zweiten Saison beim FC Bayern, und diese Spielzeit hat den mit so vielen Superlativen dekorierten Katalanen ein Stück weit entzaubert. Er hat taktische Fehler gemacht, wie im Hinspiel in Barcelona, als die Bayern ihr abgeklärtes Spiel verloren und mit fatalem Ausgang nach vorne stürmten. Er hat die Verletzungsprobleme seiner Spieler nicht in den Griff bekommen, Profis wie Mario Götze und Dante das Vertrauen entzogen, den Rücktritt des Vereinsarztes Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt billigend in Kauf genommen. Es war eine Saison mit vielen Baustellen für Guardiola.

"So scheitern große Mannschaften"

Andererseits sagte der Bayern-Trainer nach seiner dritten Halbfinal-Pleite in der "Königsklasse" infolge: "Letztes Jahr haben wir vier Titel gewonnen, dieses Jahr einen. Es war ein Jahr der Wahrheit. Was wir geleistet haben, ist wertvoller als letztes Jahr. So scheitern große Mannschaften."

Guardiola versucht, die Deutungshoheit über diese Saison zu gewinnen, die er nie wirklich unter Kontrolle hatte. Und mit der er letztlich auch nicht zufrieden sein kann. Trotzdem hat er sich am Montag zu seinem Klub bekannt, er sagte, er werde seinen Vertrag erfüllen, der noch bis 2016 läuft. Es wäre für den 44-Jährigen wohl auch das Eingeständnis seines Scheiterns, würde er München im Sommer verlassen.

Kann aber einer, der in Barcelona alle Freiheiten hatte, überhaupt den Übergang in eine neue Bayern-Generation moderieren - wenn diese vielleicht seine letzte Saison dort ist? Klar ist: Der Um- und Neuaufbau wird die Schlüsselaufgabe des Trainers in den kommenden Monaten sein. Und der Klub muss überlegen, wie weit Guardiola dabei gehen darf.

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Dem Katalanen steht eine schwierige Zeit bevor. Er muss ein Team neu strukturieren, deren Führungsspieler auf dem Zenit sind oder schon darüber hinaus. Xabi Alonso, Franck Ribéry, Arjen Robben, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Dante sind jenseits der 30. Sie konnten zuletzt kaum helfen, denn entweder waren sie verletzt, formschwach oder zu ausgelaugt, um in den Schlüsselspielen gegen Barcelona und Dortmund entscheidende Impulse geben zu können.

Guardiola wird gemeinsam mit Sportchef Matthias Sammer neue Spieler suchen müssen, die noch besser in sein System passen. Spieler wie Thiago, den er unbedingt haben wollte. Und nicht wie Götze, dessen Wechsel er nicht forciert hatte, und der noch immer verloren wirkt im Spiel des Spaniers.

"Ich will eine lange Zeit hier bleiben", hatte Guardiola im Juli 2013, am Ende des Bayern-Trainingslagers am Gardasee, gesagt. Da war er erst ein paar Tage Trainer der Münchner. Nach dem Triple unter Trainer Jupp Heynckes wurde damals viel über eine neue Ära spekuliert, darüber, dass der FC Bayern diese nun prägen wird, wie vor Jahren Barcelona.

Eingetroffen ist das nicht, das müssen die Bayern zerknirscht eingestehen: "Wir waren immerhin im Halbfinale, und das zum vierten Mal in Folge, also ist alles okay", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Kapitän Lahm dozierte fast trotzig: "Man muss die Bundesliga erst einmal so dominieren, wie wir sie in den letzten drei Jahren dominiert haben."

Guardiola strich Lahm am Dienstagabend fast väterlich über die Wange, als er den erschöpften Kapitän auswechselte. Später sagte er: "Jetzt will ich die Bundesliga feiern, dann Urlaub, dann Vorbereitung für die nächste Saison. Und dann hoffe ich, dass wir besser spielen können." Und auch wieder erfolgreicher als in diesem mageren Ein-Titel-Jahr.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 181 Beiträge
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1. Spielstände
schinge 13.05.2015
Komisch, ich kann mich garnicht erinnern, daß Barcelona 0:1 bzw. 0:2 geführt hat - bei den Bildunterschriften der Einzelkritik werden diese Ergebnisse jedoch mehrmals verwendet.
2. Guardiola kann keine Verteidigung
p-muellerzh 13.05.2015
Ob in Barcelona oder in München - Guardiola hat kein Defensivkonzept. Die Bayern Verteidigung langsam und behäbig. In Kompination mit dem U-30 Mittelfeld ist dies die Achillesferse des Teams. Die Verletzten sind ja nicht zufällig verletzt - schlechtes Training und Physio sind dafür verantwortlich. Gladbach hat weniger als 3 Verletzte im Saisonmittel. Bei Barcelona ging es wieder berfauf als Pep abdankte. Wer Messi und Alves for 1 Jahr sah und gestern, das war ein Riesenunterschied.
3. Wie sinnvoll...
obs 13.05.2015
ist es, wenn ein Trainer, der aller Vorraussicht nach nur noch ein weiteres Jahr tätig ist, den Umruch einleitet? Zweifelhaft. Aber was stattdessen tun? Noch für nächste Saison einen neuen Trainer langfristig binden? Schwierig, schon im Hinblick auf mögliche Kandidaten.. Guardiola zum Verlängern bewegen? Unwahrscheinlich. Bayern in der Zwickmühle.
4. Pep der Messias?
vb14 13.05.2015
Zitat "Er hat die Verletzungsprobleme seiner Spieler nicht in den Griff bekommen..." Welche Erwartungen werden denn da geweckt? Pep, der Messias, der die Kranken wieder Laufen lässt?
5. Naja
exeblue 13.05.2015
Ohne den Bayern zu Nahe treten zu wollen,... ich halte eine Saison mit lediglich einer deutschen Meisterschaft nun wahrlich nicht für eine schlechte Saison. Und trotzdem denke ich, man hat sich von Gardiola mehr versprochen. Dies nicht nur auf die Titel bezogen. Und vielleicht noch eine kleine Anmerkun. Ich war beeindruckt, wie schnell Gardiola zum Start der letzten Saison sich Grundkenntnisse der deutschen Sprache angeeignet hatte. Enttäuscht stelle ich aber nun fest, dass seine Sprachkenntnisse nach zwei Jahren unterdurchschnittlich zu nennen sind. Ich denke, bei besserer sprachlicher Qualität täte er sich einfacher, der Manschaft gegenüber.
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