Rekordklub FC Bayern München Die Übermächtigen

Gladbach, der HSV, Werder und zuletzt Dortmund: Immer wieder werden Bundesliga-Klubs dem FC Bayern gefährlich, doch dann stürzen sie ab. Nur die Münchner bleiben stabil. Warum? Eine Analyse von 1969 bis heute.

AP/dpa

Von , und (Grafik)


Dieses Duell hat den deutschen Fußball zuletzt geprägt wie kein zweites: Bayern München gegen Borussia Dortmund. Wenn der FCB und der BVB aufeinandertrafen, ging es in den vergangenen Jahren immer um Titel. Mit dem Höhepunkt am 25. Mai 2013 im Londoner Wembley-Stadion, als die Bayern das Champions-League-Finale gegen die Borussia 2:1 gewannen.

Keine zwei Jahre ist das jetzt her, damals begegneten sich beide Klubs auf Augenhöhe - heute trennen sie Welten.

Am Samstagabend wird um 18.30 Uhr das Spiel zwischen der Borussia und den Bayern im Dortmunder Stadion angepfiffen. Dann empfängt der Zehnte den Spitzenreiter, 31 Punkte liegen die beiden Klubs in der Tabelle auseinander. Natürlich ist der BVB gefühlt besser als Rang zehn, normalerweise müsste er mit seinem Kader um die Champions-League-Plätze mitspielen. Dennoch ist der frühere Bayern-Kontrahent nur noch einer von mehreren Verfolgern.

So erging es früher auch Borussia Mönchengladbach, dem Hamburger SV, Werder Bremen und in den Neunzigerjahren schon einmal dem BVB. Sie alle kämpften mit den Bayern einst um Titel - und stürzten irgendwann ab. Aufstieg und Absturz der ärgsten Konkurrenten: Lässt sich darin ein Muster erkennen? Und wenn ja: Wer wird der nächste große Bayern-Gegner? Eine Spurensuche.


DIE FOHLEN-ELF

Anfang der Siebzigerjahre begeisterte die Elf von Borussia Mönchengladbach die Fußballbundesliga. Kopf des Teams, die ob der vielen jungen Spieler "Fohlen-Elf" genannt wurde, war Günter Netzer (l.). Trainiert wurde die Mannschaft vom strengen Hennes Weisweiler, der seiner spielerisch brillanten Truppe die nötige Disziplin verordnete. So wurde Gladbach 1970 und 1971 Meister.

Torjäger war damals Josef "Jupp" Heynckes, der nach dem ersten Titel 1970 nach drei Jahren bei Hannover 96 zur Borussia zurückkehrte. Er stammt ebenso aus Mönchengladbach wie Netzer und sein Sturmpartner Herbert Laumen. Das Angriffsduo erzielte in der Meister-Saison 1970/1971 insgesamt 39 Tore (Heynckes 19 und Laumen 20).

In jener Saison 1970/1971 ereignete sich auch der legendäre Pfostenbruch von Mönchengladbach. Am 3. April im Spiel gegen Werder Bremen versuchte Laumen einen Netzer-Freistoß zu erreichen und landete selbst im Tor. Als er sich am Netz hochziehen wollte, brach der linke Pfosten. Das Spiel wurde abgebrochen und 2:0 für Bremen gewertet. Der Vorfall hatte weitreichende Konsequenzen: Alle Bundesligisten ersetzten ihre Holztore durch Tore aus Aluminium.

Es waren nicht nur Spieler aus Mönchengladbach und Umgebung, die das Spiel der Borussia prägten. 1972 kam der Däne Allan Simonsen aus Vejle und blieb sieben Jahre. In dieser Zeit wurde er zum Publikumsliebling am Bökelberg. Nach Startschwierigkeiten in der Bundesliga hatte Simonsen großen Anteil an den Meisterschaften der Jahre 1975, 1976 und 1977. In dieser Szene der Saison 1974/1975 wird er von Bayerns Bernd Dürnberger umgegrätscht.

Ebenfalls aus Dänemark kam Henning Jensen, der von 1972 bis 1976 für die Borussia spielte. In dieser Szene zieht er gegen Schalke 04 ab, Simonsen (r.) geht lieber aus dem Weg. Der blonde Spieler im Schalker Trikot ist übrigens Rolf Rüssmann, der später von 1990 bis 1998 Manager in Mönchengladbach war. Zu einer Zeit, als der Klub aber schon längst nichts mehr mit der Bundesligaspitze zu tun hatte.

Die Saison 1976/1977 sollte eine ganz besondere für Mönchengladbach werden. In der Bundesliga feierte die Borussia ihre fünfte und bis heute letzte Meisterschaft. In dieser Szene gewinnt Braunschweigs Reiner Hollmann das Kopfballduell gegen Heynckes. Am Ende hatte Gladbach einen Punkt Vorsprung vor Schalke.

Auch im Europapokal der Landesmeister sorgte Mönchengladbach für Furore. Auf diesem Bild ist zu sehen, wie (v.r.) Allan Simonsen, Uli Stielike, Hans Jürgen Wittkamp, Kalle Del Haye, Horst Wohlers, Christian Kulik, Rainer Bonhof, Herbert Wimmer, Hans Klinkhammer, Torwart Wolfgang Kneib und Berti Vogts auf den Anpfiff des Viertelfinal-Hinspiels gegen den FC Brügge warten. Die Borussia kam bis ins Endspiel, unterlag dort jedoch dem FC Liverpool 1:3.

Der Trainer und seine Stars: Udo Lattek (2.v.l.) hatte Mönchengladbach 1975 übernommen. Hier posiert er mit der Schale nach dem Gewinn der Meisterschaft 1977. Zwei Jahre später löste ihn Heynckes (2.v.r.) als Coach ab. Es war auch das Jahr, in dem Vogts (r.) seine Karriere beendete. Stielike (l.) ging nach dem Titelgewinn 1977 zu Real Madrid.

Borussia Mönchengladbach gelang 1965 der Aufstieg in die noch junge Fußballbundesliga, im selben Jahr wie Bayern München. Das Durchschnittsalter des Gladbacher Teams lag damals bei rund 22 Jahren. Trainer Hennes Weisweiler hatte junge Talente aus der Region um sich geschart. Günter Netzer, Berti Vogts, Jupp Heynckes: alles spätere Europa- und Weltmeister. Geld hatte die Borussia nur wenig; und das, was man hatte, hielt Manager Helmut Grashoff eisern zusammen. Deswegen war der Verein gezwungen, junge Spieler aufzubauen - die Basis für die Fohlen-Elf.

Drei Meistertitel in Folge

Ab 1969 begann das Duell um die Vorherrschaft zwischen Gladbach und Bayern. Neun Jahre lang wechselten sich beide Teams an der Spitze ab. Die Bayern wurden 1969 Meister, Gladbach holte 1970 den ersten Titel und verteidigte ihn 1971. Von 1972 bis 1974 wurden die Bayern dreimal in Folge Meister, was Gladbach mit Weisweiler und dessen Nachfolger Udo Lattek konterte: 1975, 1976 und 1977 hieß der Titelträger Borussia Mönchengladbach.

In dieser Zeit legte die Mannschaft mit ihrem strikt auf Angriffsspiel und schnelle Konter ausgelegten Stil den Grundstein dafür, dass noch heute die Borussia mit Offensivgeist in Verbindung gebracht wird. Vor allem unter Weisweiler spielte sich das Team phasenweise in einen Rausch: 10:0 über Borussia Neunkirchen, 11:0 gegen Schalke oder das legendäre 7:1 im Europapokal über Inter Mailand festigten den Ruf der Fohlen-Elf. "Unser Spiel war manchmal sogar zu euphorisch, wir waren nie so abgeklärt wie die Bayern", hat der damalige Torwart Wolfgang Kleff einmal in einem "11 Freunde"-Interview gesagt.

Obwohl die Gladbacher einen Erfolg nach dem anderen feierten, war der sportliche Abschwung unvermeidlich. Die Siege und Meisterschaften weckten Begehrlichkeiten an den Borussen-Spielern. Da die Gladbacher mit ihrem kleinen Bökelbergstadion nicht genug einnahmen und somit bei den Spielergehältern nicht entsprechend nachzulegen imstande waren, verließen Stars den Klub. Allen voran Netzer, der 1973 nach dem DFB-Pokalsieg zu Real Madrid ging. Auch der Erfolgstrainer folgte dem Lockruf aus Spanien: Weisweiler wechselte 1975 zum FC Barcelona.

Vogts prognostiziert den Gladbacher Niedergang

1978 wurde die Borussia noch einmal Zweiter, es kam am letzten Spieltag zum historischen Showdown mit dem 1. FC Köln, als Gladbach gegen Dortmund 12:0 gewann und dennoch wegen der schlechteren Tordifferenz nur Vizemeister wurde. Der letzte Höhepunkt der Ära war der Uefa-Cup-Sieg 1979. Kapitän Berti Vogts sagte anschließend, dies sei auf lange Zeit der letzte Pokal, den die Gladbacher gewinnen würden. Er sollte recht behalten. Das Karriereende von Heynckes, Vogts, Rainer Bonhof und Herbert Wimmer, der Abgang von Allan Simonsen zum FC Barcelona und ein paar misslungene Transfers waren der Grund, dass die Borussia an ihre große Zeit nie mehr heranreichte.

Und die Bayern? Sie waren mit einem ähnlichen Konzept wie Gladbach großgeworden, mit jungen Spielern aus der Umgebung: Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller, Georg Schwarzenbeck, Franz Roth. Aber ihre großen Europapokalerfolge - dreimal siegten die Bayern nacheinander im Landesmeister-Cup (1974 bis 1976) - und ab 1971 das große Olympiastadion im Rücken waren eine Basis, auf der sich weitere Erfolge aufbauen ließen.


HAMBURGER HOCHJAHRE

Der Grantler auf dem Höhepunkt: Ernst Happel posiert 1983 mit der Meisterschale und dem Europapokal der Landesmeister, der heutigen Champions-League-Trophäe. Der Österreicher formte den Hamburger SV zu einem europäischen Spitzenteam. Die Entwicklung dazu wurde aber schon vor Happels Zeit Mitte der Siebzigerjahre eingeleitet.

Das Mannschaftsfoto des HSV vor der Saison 1978. Schon damals spielten bei den Hamburgern viele derjenigen, die später maßgeblich an den großen Erfolgen in den Achtzigern beteiligt sein sollten. Zum Beispiel Horst Hrubesch (hinten, 3.v.r.), Felix Magath (Mitte, 4.v.l.) und Jimmy Hartwig, sitzend ganz rechts neben Kult-Masseur Hermann Rieger.

Der HSV holte damals junge Spieler anderer Vereine, die sich in Hamburg zu internationalen Stars entwickelten. Ein Beispiel dafür ist Manfred Kaltz, der 1970 als 17-Jähriger kam und bis 1989 blieb. Der Erfinder der "Bananenflanke" absolvierte insgesamt 581 Bundesligaspiele für den HSV, nach Eintracht Frankfurts Karl-Heinz Körbel (602 Spiele) die zweitmeisten der Geschichte.

Die größte Sensation beim HSV war damals aber Kevin Keegan. Der Engländer kam 1977 vom FC Liverpool, blieb drei Jahre und wurde 1979 mit den Hamburgern Deutscher Meister. Als er 1980 zum FC Southampton wechselte, sollte die große HSV-Zeit aber erst noch kommen.

Erneut Meister: 1982 gewann der HSV wieder den Titel, Horst Hrubesch durfte als Kapitän die Schale in Empfang nehmen. Der Stürmer war 1978 von Rot-Weiss Essen nach Hamburg gewechselt und erzielte in 159 Bundesligaspielen für den HSV 96 Tore.

Im Mittelfeld führte damals Felix Magath Regie (in dieser Szene im Duell mit Bayerns Sören Lerby). Der Spielmacher war es auch, der im größten Spiel der Vereinsgeschichte traf: dem Finale im Europapokal der Landesmeister 1983. Der HSV spielte in Athen gegen Juventus Turin und gewann 1:0 dank eines Tores von Magath.

Nach den erfolgreichen Jahren misslang aber der Umbruch beim HSV. Die gealterten Stars verließen den Verein nach und nach, die Neuen schlugen nicht wie erhofft ein. Stellvertretend dafür steht Wolfram Wuttke, eines der größten deutschen Talente in den Achtzigerjahren. Er kam 1983 zum HSV, fiel jedoch mehr durch seine große Klappe als durch Genialität am Ball auf und wurde im September 1985 von Trainer Happel rausgeworfen.

Der bis heute letzte große Erfolg gelang den Hamburgern 1987 mit dem Gewinn des DFB-Pokals. Stolz präsentieren Kaltz und der heutige HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer die Trophäe. Nach der Saison verließ Happel die Hamburger, für die in der Folge ein jahrelanger Niedergang begann. Aktuell kämpft der Klub gegen den Abstieg.

Anders als Mönchengladbach gelang es dem Hamburger SV weniger mit eigenen Nachwuchsspielern, sondern vor allem mit klugen Transfers, sich ab Ende der Siebzigerjahre an die Spitze zu spielen. Felix Magath etwa kam als 22-Jähriger aus Saarbrücken, Jimmy Hartwig unterschrieb mit 23 Jahren beim HSV. Manfred Kaltz war erst 17, als er nach Hamburg wechselte, Thomas von Heesen 18. Dazu kaufte der Klub immer wieder erfahrene Spieler wie Kevin Keegan und Horst Hrubesch.

Als entscheidende Figur beim Aufbau des HSV zu einem internationalen Spitzenteam erwies sich Günter Netzer. Eigentlich wollte der frühere Gladbach-Profi 1978 bei den Hamburgern nach eigenen Angaben "nur die Stadionzeitung auf Vordermann bringen". Der damalige Präsident Paul Benthien war aber der Meinung: Wenn Netzer schon mal da ist, kann er auch gleich den Posten des Managers übernehmen. "Ich hatte nicht die blasseste Ahnung von meinem neuen Job", sagte Netzer einmal.

Netzers Einkäufe fast ausschließlich Volltreffer

Für einen Novizen bewies der neue Manager von Beginn an aber ein grandioses Gespür bei Transfers. Zur Saison 1978/1979 holte er Hrubesch, Hartwig und Bernd Wehmeyer, dazu Trainer Branko Zebec. Das Ergebnis war der Gewinn der Meisterschaft. Und so ging es weiter: Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus, Jürgen Milewski, von Heesen, Uli Stein, Lars Bastrup: Netzer landete auf dem Transfermarkt einen Volltreffer nach dem anderen. All diese Spieler standen am 25. Mai 1983 auf dem Rasen in Athen, als der HSV das Finale im Europapokal der Landesmeister 1:0 gegen Juventus Turin gewann. Trainiert wurde die Mannschaft damals von Ernst Happel, den Netzer 1981 von Standard Lüttich geholt hatte - noch so ein Coup.

Insgesamt dreimal wurde der HSV in seiner Hochzeit Meister (1979, 1982 und 1983), dazu kamen vier zweite Plätze (1980, 1981, 1984 und 1987). Als die Hamburger das letzte Mal "Vize" wurden, war der sportliche Abschwung des Klubs längst eingeleitet. Netzer war bereits im Sommer 1986 gegangen, im SPIEGEL hatte er ein Jahr zuvor gesagt: "Ich bin gescheitert. Wie zuvor den Verantwortlichen bei Real Madrid, Inter Mailand, Ajax Amsterdam oder Bayern München ist es auch mir nicht gelungen, die älter gewordenen Stars nahtlos zu ersetzen."

Sturm-Duo Schatzschneider/Wuttke ersetzt Hrubesch/Bastrup

Nachdem der Klub mit dem Gewinn des Europapokals auf dem Gipfel angelangt war, wurde das erfolgreiche Sturm-Duo Hrubesch/Lars Bastrup durch Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke ersetzt, ein großer Fehler. Mark McGhee konnte die Erwartungen ebenso wenig erfüllen wie Heinz Gründel, Peter Lux oder Manfred Kastl. 1987 verabschiedete sich auch Happel, er gewann zum Abschluss seiner Hamburger Zeit den DFB-Pokal. Es ist bis heute der letzte große Titel des HSV.

Und die Bayern? Hatten in der Hochphase der Hamburger mehr Glück mit ihren Transfers. Sie holten Spieler, die später das Gerüst für fünf Meisterschaften in sechs Jahren bildeten. Unter anderem Dieter Hoeneß (1980), Hans Pflügler (1982), Hans Dorfner, Sören Lerby (beide 1983), Lothar Matthäus, Norbert Eder, Ludwig Kögl und Roland Wohlfarth (alle 1985). Der HSV war als Bayern-Konkurrent aus dem Rennen - doch der Nächste stand schon bereit.


WUNDER AN DER WESER

König Otto von Bremen: 1988 gewann Werder Bremen unter Trainer Otto Rehhagel die lang ersehnte Meisterschaft. Es war für den Klub die Krönung einer Entwicklung, die Werder seit dem Aufstieg 1981 genommen hatte. Dabei war der Titel schon zwei Jahre zuvor greifbar nahe.

Es ist der wohl berühmteste Pfostenschuss der Bundesligageschichte. Am vorletzten Spieltag der Saison 1985/1986 empfing Werder Verfolger Bayern München und bekam in der 88. Minute beim Stand von 0:0 einen Elfmeter zugesprochen. Michael Kutzop trat an, ein Tor hätte den vorzeitigen Titelgewinn bedeutet. Aber der Bremer traf nur den Pfosten, das Spiel endete torlos. Eine Woche später gab Werder die Meisterschaft noch aus der Hand, die Bayern jubelten.

Großen Anteil am Bremer Aufschwung in den Achtzigerjahren hatte Rudi Völler. Der Stürmer kam 1982 als 22-Jähriger vom Zweitligisten 1860 München und erzielte in 137 Bundesligaspielen für Werder 97 Treffer. Die Krönung erlebte Völler aber nicht mit: Er wechselte im Sommer 1987, ein Jahr vor dem Gewinn der Meisterschaft, zum AS Rom, wo er fünf Jahre spielte.

Als Völler ging, kam Karl-Heinz Riedle von Blau-Weiß 90 Berlin an die Weser, wurde auf Anhieb Stammspieler und erzielte mit 18 Treffern die meisten Tore des Teams in der Meister-Saison 1987/1988. Nach drei Jahren in Bremen folgte Riedle seinem Vorgänger Völler nach Rom, wechselte aber zum Stadtrivalen Lazio.

Werder bewies in den Achtzigerjahren ein feines Gespür bei Transfers. Einerseits gelang es Trainer Rehhagel und Manager Willi Lemke, junge Talente nach Bremen zu locken (Völler, Riedle). Andererseits holte Werder auch ältere Spieler, von denen man überzeugt war, dass sie dem Team noch helfen können. "Es gibt nicht junge und alte Spieler, sondern nur gute und schlechte", lautete Rehhagels Credo. Und so holte er 1985 den damals 35-Jährigen Manfred Burgsmüller aus Oberhausen, der in der Meister-Saison 1987/1988 mit 38 Jahren noch 26 Spiele absolvierte und sechsmal traf.

Kein Star, dafür aber Rehhagels Chef auf dem Platz war Mirko Votava. Der defensive Mittelfeldspieler räumte vor der Abwehr ab und organisierte das Spiel. Er war das, was man heute den Sechser nennen würde. Elf Jahre, von 1985 bis 1996, spielte Votava für Werder, lange Zeit war er Kapitän des Teams und an allen großen Erfolgen maßgeblich beteiligt. Mit insgesamt 546 Bundesligaspielen für Werder und Borussia Dortmund steht er auf Platz fünf der Spieler mit den meisten Bundesligaeinsätzen.

Noch ein Beispiel für Bremens hervorragende Arbeit auf dem Transfermarkt: 1987 kam ein 26-jähriger Norweger namens Rune Bratseth aus Trondheim an die Weser. Der Libero wurde auf Anhieb Stammspieler und organisierte die Bremer Abwehr sieben Jahre lang. Als Bratseth 1994 ging, war er mit Werder zweimal Meister, zweimal Pokalsieger und einmal Europapokalsieger der Pokalsieger geworden.

Thomas Schaaf und Uli Borowka (l.) 1993 mit Meisterschale auf dem Bremer Rathausbalkon. Fünf Jahre nach dem ersten Titel triumphierte Werder erneut in der Bundesliga. Der Kern des Teams war derselbe, der schon 1988 Meister geworden war. Das war eines der Bremer Erfolgsrezepte damals: Kontinuität. In Bremen spielten selten die besten Fußballer, dafür aber häufig eine der besten Mannschaften. Nach dem Titel 1993 ging es jahrelang bergab, erst mit Schaaf als neuem Cheftrainer erlebte Werder wieder eine Hochphase, in der der Klub 2004 das Double holte

Nach dem HSV schickte sich der zweite große Nord-Klub an, die Bayern über Jahre zu ärgern. Nach Platz zwei hinter den Münchnern in der Saison 1984/1985 war Werder Bremen im darauffolgenden Jahr fast schon sicher Meister, hätte Michael Kutzop am 33. Spieltag gegen die Bayern vom Elfmeterpunkt getroffen. Er schoss aber an den Pfosten, weshalb Werder zwei weitere Jahre auf die Schale warten musste.

Doch schon damals, 1986, hatte Trainer Otto Rehhagel eine Mannschaft zusammengestellt, die den Kern des späteren Meister-Teams bilden sollte. Vor allem bei der Verpflichtung junger Spieler machten der Coach und Manager Willi Lemke viel richtig. Frank Ordenewitz kam als 16-Jähriger zu Werder, Marco Bode als 18-Jähriger. Dieter Eilts und Frank Neubarth waren 19 bei ihrem Wechsel an die Weser, Oliver Reck, Gunnar Sauer und Thomas Wolter 20, Karl-Heinz Riedle 21.

Doch für Rehhagel und Lemke war nicht nur das Alter entscheidend, schließlich pflegte der Trainer zu sagen: "Es gibt nicht junge und alte Spieler, sondern nur gute und schlechte." Daher holte Werder zum Beispiel den 35-Jährigen Manfred Burgsmüller von Borussia Dortmund und Klaus Allofs im Alter von 33 Jahren aus Bordeaux. Dritter Baustein waren weitgehend unbekannte Spieler aus dem Ausland, die sich als Volltreffer erwiesen, etwa der Norweger Rune Bratseth oder Wynton Rufer aus Neuseeland.

Nach drei zweiten Plätzen war Werder 1988 endlich am Ziel: Meister. "Wir haben die Vorherrschaft der Bayern gebrochen", sagte Bremens Kapitän Mirko Votava. Allerdings nicht auf Dauer, 1989 und 1990 ging die Schale wieder nach München. Der FCB betrieb dafür ungeheuren personellen und finanziellen Aufwand, holte viele teure Spieler und nahm dabei in Kauf, dass Zugänge auch mal nicht einschlugen. In Bremen setzten sie eher auf Kontinuität und veränderten den Kader nur punktuell. Als Werder 1993 erneut den Titel holte, spielten noch neun Mitglieder der 88er-Meistermannschaft an der Weser. Die Erfolge der Achtziger- und Neunzigerjahre nannte Rehhagel eine "Sensation, die mit sehr bescheidenen finanziellen Mitteln erarbeitet wurde".

Cardoso, Labbadia, Bogdanovic: Millionen-Einkäufe floppten

1995 verabschiedete sich Rehhagel mit Platz zwei in Richtung FC Bayern. Es war der Beginn vom vorübergehenden Niedergang. Trainer kamen und gingen (Aad de Mos, Dixie Dörner, Wolfgang Sidka), Millionen-Einkäufe floppten (Rodolfo Cardoso, Junior Baiano, Bruno Labbadia, Rade Bogdanovic). Besser wurde es erst wieder ab 1999 mit dem Trainer-Manager-Gespann Thomas Schaaf/Klaus Allofs, unter dem Werder 2004 das Double gewann und zweimal Zweiter wurde.

Und die Bayern? Ruhten sich während der ersten erfolgreichen Bremer Zeit etwas zu sehr auf den Erfolgen der Achtziger aus. Gute Spieler wurden abgegeben (Matthäus, Andreas Brehme), weniger gute kamen (Alan McInally, Radmilo Mihajlovic). Zwischen 1991 und 1993 verpasste man drei Meisterschaften in Folge, was in München einer großen Krise gleichkam. Zwar verpflichteten die Bayern Anfang der Neunziger Spieler, die später noch einmal wichtig werden sollten (Christian Ziege, Markus Babbel, Mehmet Scholl). Doch zunächst rüstete ein anderer deutscher Klub mächtig auf.


DORTMUNDS MILLIONEN-TRUPPE

Eckpfeiler des Aufschwungs: Mitte der Neunzigerjahre avancierte Borussia Dortmund zu Deutschlands Top-Team, das 1995 und 1996 Meister wurde. Entscheidenden Anteil daran hatten Spielmacher Andreas Möller (l.) und Libero Matthias Sammer. Sie waren vom BVB aus Italien zurückgeholt worden: Möller aus Turin und Sammer von Inter Mailand.

Zwei weitere Rückkehrer und Stützen des Teams waren Stefan Reuter (l.), der wie Möller von Juventus Turin zum BVB gewechselt war, und Karl-Heinz Riedle. Der Stürmer kam von Lazio Rom nach Dortmund und erzielte beim 3:1-Sieg im Champions-League-Finale 1997 gegen Juve zwei Treffer.

Und noch ein einstiger Italien-Legionär, der sich dem BVB anschloss: Jürgen Kohler (l.) spielte von 1991 bis 1995 für Juve, ehe er nach Dortmund wechselte. Trainer der großen BVB-Zeit in den Neunzigerjahren war Ottmar Hitzfeld (r.), den die Borussia 1991 aus Zürich verpflichtete und der nach dem Champions-League-Sieg 1997 seinen Posten abgab.

Die Bayern hatten damals häufig das Nachsehen in den Duellen mit dem BVB – was die Münchner rasend machte. Zum Symbolbild des Zweikampfes beider Klubs wurde dieses Bild, als Bayern-Torwart Oliver Kahn mit gestrecktem Bein BVB-Stürmer Stéphane Chapuisat entgegenflog.

Obwohl der BVB auch in der Nach-Hitzfeld-Ära teure Stars kaufte, blieb der sportliche Erfolg aus. In der Saison 1999/2000 drohte der Klub fast abzusteigen. Als Retter-Trainer-Team wurden der erfahrene Udo Lattek (vorne) und Sammer geholt, die den BVB noch auf Platz elf führten, fünf Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz. Sammer übernahm ab der folgenden Saison allein das Kommando.

Sportlich erlebte der BVB eine Krise, beim Einkaufen wollte er aber immer ganz oben mitmischen. So verpflichtete Dortmund 2001 Marcio Amoroso und überwies dafür 50 Millionen D-Mark an den AC Parma. Zum damaligen Zeitpunkt Bundesligarekord. Und die Investition machte sich zunächst bezahlt.

Amoroso erzielte in seiner ersten Saison 18 Bundesligatore und hatte entscheidenden Anteil am Gewinn der Meisterschaft 2002. Es war allerdings ein letztes Aufbäumen eines in den Abgrund schlitternden Vereins. Was viele ahnten, aber nur wenige wirklich wussten: Der BVB lebte jahrelang über seine Verhältnisse.

Die Macher des gekauften Erfolgs: Präsident Gerd Niebaum (l.) und Manager Michael Meier investierten Millionen, um Titel zu holen. Dabei spülte der sportliche Erfolg nicht annähernd das Geld in die Kasse, das die Bosse für Spieler ausgaben. Als Niebaum und Meier 2005 gehen mussten, hinterließen sie einen Schuldenberg von fast hundert Millionen Euro. Der BVB stand kurz vor der Pleite und brauchte Jahre, um sich sportlich und wirtschaftlich zu erholen.

Bis in die Neunzigerjahre war Borussia Dortmund ein Bundesligaverein mit ganz viel Tradition, aber wenig Erfolg. Das änderte sich mit der Verpflichtung des Trainers Ottmar Hitzfeld 1991, der aus der Schweiz vom Grasshopper Club Zürich kam. Dortmund hatte zwei Jahre zuvor mit dem DFB-Pokalsieg den ersten Titel seit vielen Jahren geholt, auf dieser Mannschaft baute Hitzfeld auf. Verpflichtungen wie die des Stürmers Stéphane Chapuisat trugen dazu bei, dass die Mannschaft schon im ersten Hitzfeld-Jahr den Meistertitel nur knapp verfehlte und punktgleich Zweiter hinter dem VfB Stuttgart wurde.

BVB holte Sammer, Reuter, Riedle, Möller und Kohler zurück

Danach wurde in Dortmund investiert, und zwar kräftig. Mit Stefan Reuter (1992) und Matthias Sammer (1993) kamen zwei Nationalspieler zum BVB. Der Erfolg gab dem Konzept von Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier recht. Dortmund schaffte es 1993 bis ins Uefa-Cup-Finale, unterlag dort Juventus Turin und verfügte dank der Fernsehgelder, die in dieser Zeit in die Höhe schnellten, über die Finanzkraft, das Team weiter zu verstärken.

Mit Stürmer Karl-Heinz Riedle wurde 1993 der dritte Nationalspieler aus Italien ins Ruhrgebiet geholt, ihm folgten ein Jahr später mit Andreas Möller und Julio Cesar die nächsten Top-Stars, 1995 kam auch noch Jürgen Kohler hinzu. Es waren die bis dahin erfolgreichsten BVB-Jahre in der Bundesliga: Meister 1995 und 1996.

Höhepunkt war das Jahr 1997, als Dortmund zwar seinen Meistertitel nicht verteidigen konnte und nur Dritter wurde, dafür aber in der Champions League triumphierte. Wieder war der Gegner Juventus, Riedle und der junge Lars Ricken wurden beim 3:1-Sieg mit ihren Toren zu Helden. "Wir hatten damals ein ganz tolles Team, es war ein perfektes Spiel, der schönste Moment meiner Karriere", sagt Chapuisat im Rückblick.

Transfers wie Häßler und Bobic floppten

Ein Moment, den der Verein nicht festhalten konnte. Danach ging es abwärts. Hitzfeld gab das Traineramt ab und wurde Sportdirektor, sein Nachfolger Nevio Scala hatte außer einem großen Namen nicht viel beizutragen. Das Konzept des BVB, auf teure und prominente Spieler zu setzen, ging nicht mehr auf. Thomas Häßler floppte ebenso wie Fredi Bobic. In der Saison 1999/2000 stand der Klub kurz vor dem Abstieg. Zwar holte der BVB unter Trainer Matthias Sammer 2002 noch einmal die Meisterschaft. Aber der Preis war zu hoch: Der BVB hatte sich mit der Verpflichtung von Spielern wie Marcio Amoroso, Tomas Rosicky oder Jan Koller finanziell übernommen. 2005 war der Klub mit fast 100 Millionen Euro verschuldet und stand kurz vor der Insolvenz.

Und die Bayern? Es waren unruhige Jahre in München. Zwar holte der Klub 1994 und 1997 den Titel. Es war aber eine unstete Phase mit eher unglücklichen Trainer-Engagements wie der ersten Amtszeit von Giovanni Trapattoni und den wenigen Monaten unter Otto Rehhagel. Dazu gab es ständig Theater mit Spielern wie Matthäus und Jürgen Klinsmann. In dieser Zeit wurde auch der Name "FC Hollywood" als Synonym für die Bayern erfunden. Etwas mehr Ruhe und deutlich größere Erfolge kehrten erst zurück, als die Münchner 1998 den Trainer holten, der den BVB groß gemacht hatte: Ottmar Hitzfeld.


DIE AUFERSTEHUNG DES BVB

Sie sind die Verantwortlichen für den Aufschwung von Borussia Dortmund in den vergangenen Jahren: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (r.) sanierte den Klub, nachdem Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier gehen mussten; Manager Michael Zorc (l.) bewies ein gutes Gespür beim Einkauf junger, billiger und talentierter Spieler; und Trainer Jürgen Klopp formte eine Mannschaft, die zweimal Deutscher Meister (2011, 2012) und einmal Pokalsieger (2012) wurde.

Abwehrchef der erfolgreichen Dortmunder Jahre war Mats Hummels. Der Verteidiger wurde ausgerechnet beim großen Rivalen FC Bayern ausgebildet, doch in München traute man Hummels den ganz großen Durchbruch offenbar nicht zu. Beim BVB entwickelte er sich zum Nationalspieler.

Ihn bezeichnete Klopp einst als "Dosenöffner": Nuri Sahin. Was der Coach damit ausdrücken wollte, war, dass Sahin im zentralen Mittelfeld hauptverantwortlich für das schnelle Umschaltspiel war, mit dem der BVB die Konkurrenz überraschte und große Erfolge feierte.

Mittlerweile fast in Vergessenheit geraten ist dieser Mann: Lucas Barrios. In der Meister-Saison 2010/2011 erzielte der Stürmer 16 Tore, mehr als jeder andere BVB-Profi. Dann verlor er jedoch seinen Stammplatz an Robert Lewandowski und verließ Dortmund im Sommer 2012.

Nach den beiden Meisterschaften 2011 und 2012 landete der BVB auch auf dem Transfermarkt einen Coup: Nationalspieler Marco Reus kehrte von Borussia Mönchengladbach zu seinem Jugendklub zurück. Gleich in seinem ersten Spiel für die Borussia traf er beim 2:1-Sieg gegen Werder Bremen.

Zwei weitere Leistungsträger damals waren Lewandowski und Mario Götze. Der BVB hatte in der Saison 2012/2013 fußballerisch die wohl aufregendste Mannschaft in Europa. Und beinahe hätte es die Krönung für Dortmund gegeben, am 25. Mai 2013 stand die Borussia im Champions-League-Finale gegen den Dauerrivalen Bayern München.

Bis kurz vor Schluss hielt Dortmund ein 1:1 gegen die Bayern und war gleichwertig – doch dann schlug Arjen Robben zu. Der Niederländer traf zum 2:1-Siegtreffer und zerstörte die Träume des BVB. Nach der Saison wechselte Götze nach München, ein Jahr später folgte ihm Lewandowski.

Die Borussia hatte nun zwar zwei Stars weniger, dank der Ablösesumme für Götze und die Millionen aus der Champions League aber sehr viel Geld zur Verfügung. Der Klub kaufte damit viele teure Spieler, von denen nur wenige überzeugen konnten. Dafür stehen vor allem Ciro Immobile (r.) und Henrich Mchitarjan, die zusammen fast 50 Millionen Euro gekostet haben, ihre Klasse aber nur selten zeigen. Auch aufgrund der misslungenen Transfers rutschte der BVB in dieser Saison zeitweise in die Abstiegszone und ist aktuell nur Zehnter.

Nach der Fast-Pleite des Vereins 2005, verantwortet durch die Ausgabenpolitik von Präsident Niebaum und Manager Meier, schien Borussia Dortmund auf lange Sicht abgemeldet. Es waren drei entscheidende Personalien, die das änderten: Reinhard Rauball und Hans-Joachim Watzke kümmerten sich um die Sanierung des Klubs und darum, den ruinierten Ruf zu verbessern, Jürgen Klopp besorgte den sportlichen Aufschwung.

Die Verpflichtung des Mainzer Trainers zur Saison 2008/2009 war ein Wendepunkt in der Geschichte des BVB. Klopp baute die Mannschaft radikal um, integrierte junge Spieler in die Stammelf und schuf mit seiner auf Tempo und Pressing basierenden Philosophie einen in der Liga auf diesem Niveau bis dahin unbekannten Spielstil.

Der BVB begann, die Liga ab 2010 förmlich zu überrennen. Spieler wie Nuri Sahin, Mario Götze, Mats Hummels sowie zunächst Lucas Barrios und später Robert Lewandowski bildeten das Gerüst der neuen Mannschaft, die 2011 und 2012 den Titel gewann. 2012 wurde Bayern München zudem im DFB-Pokalendspiel beim 5:2 geradezu gedemütigt.

Wie schon 1997 folgte auch 2013, ein Jahr nach dem zweiten Titelgewinn, das Highlight auf europäischer Ebene: Der BVB zog ins Endspiel der Champions League ein. Dieses Mal jedoch blieb der ganz große Triumph aus, die Bayern gewannen 2:1. In der Liga sicherte sich Dortmund Platz zwei, jedoch mit deutlichem Abstand zu den Münchnern: 25 Punkte hatten die Bayern 2013 Vorsprung, ein Jahr später waren es immerhin noch 19 Zähler, die der Meister aus München besser war als sein Verfolger BVB.

47 Millionen Euro für Mchitarjan und Immobile

Im Sommer 2013, kurz nach dem Champions-League-Finale, begann der langsame Abschwung der Borussia. Götze ging zu den Bayern, Dortmund kaufte für viel Geld den Gabuner Pierre-Emerick Aubameyang und Henrich Mchitarjan. Vor allem die 27,5 Millionen Euro, die der Armenier gekostet hat, haben sich noch nicht rentiert. Vergangenen Sommer verließ Lewandowski den Klub in Richtung München, dafür kaufte der BVB Ciro Immobile (19,4 Millionen Euro), Adrian Ramos (9,7 Millionen Euro) und Matthias Ginter (10 Millionen Euro). Eine Verstärkung war (bislang) keiner der Einkäufe. Unter anderem die verfehlte Personalpolitik sorgte dafür, dass die Borussia in dieser Saison zeitweise auf dem letzten Tabellenplatz stand.

Und die Bayern? Waren durch die zwei Dortmunder Titel richtig angestachelt. Sie erkauften sich ihre Vormachtstellung zurück, indem sie viele gute und teure Spieler holten. Mit Götze und Lewandowski stärkten sie nicht nur das eigene Team, sondern schwächten auch den Hauptkonkurrenten aus Dortmund. Javier Martínez, Thiago, Juan Bernat, Xabi Alonso und Trainer Josep Guardiola waren weitere Coups, weshalb die Münchner national seit fast drei Jahren konkurrenzlos sind.

Viele richtige Entscheidungen bei Transfers: Das ist - vereinfacht - der Grund dafür, dass die Bayern seit fast 50 Jahren zur Spitze der Bundesliga gehören und sie immer wieder über einen längeren Zeitraum dominieren. Ausgangspunkt waren die jungen Burschen um Beckenbauer und Müller in den Sechzigerjahren. In den Siebzigern holte der Klub Karl-Heinz Rummenigge und verkaufte ihn später teuer nach Italien, in den Achtzigern gelang dies mit Spielern wie Matthäus und Brehme. In den Neunzigern brachten dann die Verkäufe von Reuter, Kohler und Stefan Effenberg das nötige Geld, um sich dauerhaft einen teuren Kader leisten zu können, der fast jedes Jahr um den Titel mitspielen konnte.

Beim BVB hingegen zeigt sich derzeit das Muster, das es in der Bundesliga schon so häufig gab. Einem Verein gelingt es, zu den Bayern aufzuschließen und mehrere Jahre mit ihnen mitzuhalten, nur nicht dauerhaft. Und immer sind der Ausgangspunkt gute Jugendarbeit und/oder clevere Transfers der Münchner Konkurrenten. Die anschließenden Erfolge bringen Geld, das aber nicht sinnvoll investiert wird. So erging es erst Mönchengladbach, später dem HSV und Werder Bremen, jetzt zum zweiten Mal dem BVB.

Das Olympiastadion und eine große Fan-Schar als Geldquelle

Die Bayern wehrten die Angriffe immer ab, der stetige Erfolg bescherte ihnen Werbeeinnahmen, die andere Klubs nicht generieren konnten. Dazu kamen das große und - zumindest früher - moderne Olympiastadion als Geldquelle, heute ist es die Arena. Zudem hatten die Münchner frühzeitig eine große Fan-Schar in ganz Deutschland, wovon der Verein in hohem Maße profitierte, als das Thema Merchandising immer wichtiger wurde. Die Bayern haben sich finanziell ein Fundament geschaffen, mit dem der Klub selbst zwei, drei sportlich magere Jahre problemlos verkraften könnte. Das unterscheidet ihn von den anderen Vereinen.

Die Einnahmen investierte der Klub zu großen Teilen immer wieder in die Mannschaft und landete dabei - womit sich der Kreis schließt - mehrere Volltreffer. Ende der Neunziger-, Anfang der Nullerjahre waren dies unter anderem die Verpflichtungen von Giovane Elber, Bixente Lizarazu, Hasan Salihamidzic, Effenberg und Willy Sagnol. Und in der jüngeren Vergangenheit leisteten sich die Bayern - im Gegensatz zum BVB - auch bei besonders teuren Transfers wie Franck Ribéry, Luca Toni, Arjen Roben, Jérôme Boateng oder Martínez so gut wie keinen Flopp.

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Millionen für Spieler: Die teuersten Bundesliga-Transfers
Nach Mönchengladbach, Hamburg, Bremen und Dortmund wird nun aber der fünfte Klub gesucht, der den Bayern, zumindest über einen gewissen Zeitraum, an der Spitze der Bundesliga gefährlich werden kann. Und die Tabelle gibt die Antwort: der VfL Wolfsburg, aktuell Zweiter.

Bei den Niedersachsen kommen all die Erfolgsfaktoren zusammen, die frühere Bayern-Konkurrenten auszeichneten: Gute Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie einst in Mönchengladbach (Robin Knoche, Maximilian Arnold), sinnvolle, billige Verstärkungen wie einst beim HSV (Daniel Caligiuri, Sebastian Jung), Volltreffer beim Kauf ausländischer Spieler wie einst in Bremen (Ricardo Rodríguez, Vieirinha), dazu die Bereitschaft, viel Geld für Spieler zu bezahlen wie einst beim BVB (Kevin De Bruyne, André Schürrle, Luiz Gustavo). Und überdies hat Wolfsburg im Gegensatz zu den früheren Bayern-Konkurrenten dauerhaft einen starken Geldgeber im Rücken: den VW-Konzern.

"Die Wolfsburger werden sich in Zukunft nicht mehr mit Platz zwei zufrieden geben", sagte FCB-Boss Rummenigge jüngst der "Welt": "Ich habe immer gesagt: Geld, richtig eingesetzt, schießt Tore." Das hat in den vergangenen Jahrzehnten kein anderer Bundesligist besser bewiesen als der FC Bayern München.

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bratwurst007 31.03.2015
1.
"Mit schlauen, in der Regel günstigen Transfers war es der Borussia vor vier, fünf Jahren gelungen, die Bayern zu überholen [...]" Und hier kann man dann spätestens aufhören, weil es sich einmal mehr um die immer gleichen Plattheiten handeln dürfte. Ich warte auf den Tag, an dem ein Journalist mal unumwunden zugibt: [aktuell gepushter Verein] wäre erst dann auf Augenhöhe mit Bayern München, wenn er sich mindestens 10x in Folge für die CL qualifiziert. Selbst dann wären die Bayern nicht "überholbar", weil sie sich selbst ja auch qualifizieren. Allein wäre man als [dann nicht mehr nur gepushter] Verein finanziell wohl derart solide aufgestellt, dass man Spieler wirklich halten könnte. Allerdings ist es schwer bis unmöglich, da noch hinzukommen. Denn sobald ein Spieler heute in den Fokus der Großen rückt, ist er über kurz oder lang weg und eine Mannschaft hat oft nicht die Möglichkeit, den Kader punktuell zu verstärken, sondern muss jedes Jahr die schmerzhaften Abgänge kompensieren*. Dass das nicht immer klappt, ist reine Mathematik (Statistik).
Svenner80 01.04.2015
2. Platitüden
Zitat von bratwurst007"Mit schlauen, in der Regel günstigen Transfers war es der Borussia vor vier, fünf Jahren gelungen, die Bayern zu überholen [...]" Und hier kann man dann spätestens aufhören, weil es sich einmal mehr um die immer gleichen Plattheiten handeln dürfte. Ich warte auf den Tag, an dem ein Journalist mal unumwunden zugibt: [aktuell gepushter Verein] wäre erst dann auf Augenhöhe mit Bayern München, wenn er sich mindestens 10x in Folge für die CL qualifiziert. Selbst dann wären die Bayern nicht "überholbar", weil sie sich selbst ja auch qualifizieren. Allein wäre man als [dann nicht mehr nur gepushter] Verein finanziell wohl derart solide aufgestellt, dass man Spieler wirklich halten könnte. Allerdings ist es schwer bis unmöglich, da noch hinzukommen. Denn sobald ein Spieler heute in den Fokus der Großen rückt, ist er über kurz oder lang weg und eine Mannschaft hat oft nicht die Möglichkeit, den Kader punktuell zu verstärken, sondern muss jedes Jahr die schmerzhaften Abgänge kompensieren*. Dass das nicht immer klappt, ist reine Mathematik (Statistik).
Ja, das ist die einfache Wahrheit. Aber das ist ja dann keine Schlagzeile mehr. So schlecht ist der Artikel aber nicht. Am Anfang kommen laaange Zeit mal wieder nur die üblichen Bestandsaufnahmen, deren einziger Zweck ein Nostalgieeffekt nach dem Motto "ach damals, die Fohlenelf" ist, aber am Ende wird's dann doch auf den einen Satz runtergebrochen: Gute Transfers sind die Basis. Der Trainer kommt ein bisschen kurz, denn auch die Bayern haben mit einem guten Kader und schlechten oder mittelmäßigen Trainern bewiesen, dass sie erfolglos sein können. Aber letztlich ist auch ein guter Trainer nur eine Frage des Scoutings und des Geldes. Die Bayern sind für mich selbst mittelfristig nicht einzuholen. Eine Riesenhistorie, Fanbasis, Umsatz, aktuelle Klasse - an diesem Gesamtpaket beißt man sich die Zähne aus. Selbst wenn VW jetzt 10 Jahre lang das aktuelle Programm durchzieht, ist Wolfsburg "nur" ein extrem erfolgreicher Verein, aber immer noch ein gesponsorter Verein. Um in Punkto Historie und Fanbasis gleichzuziehen, muss es schon ein Verein wie Dortmund oder Gladbach sein, aber hier greifen wieder die Wahrscheinlichkeiten. Man kann 5 Jahre Glück mit Transfers und Trainer haben, aber irgendwann landet man wieder im Normalbereich, und dann muss es das Geld richten. Und dass ist nicht nur das reine Transfergeld, dass ist auch Geld für Umfeld und Scoutingabteilung. Bayern z.B. leistet sich den Sammer - nach Außen nur der Motzki, aber die Bayern werden schon wissen, wofür sie ihn brauchen, sonst wäre er längst wieder weg. Billig wird er nicht sein. Und sie haben den Chef der Leverkusener Scouting-Abteilung zu Saisonbeginn geholt und auch hier werden sie ganz genau wissen, warum sie die Handvoll Euros ausgegeben haben.
ambergris 01.04.2015
3.
Die Dominanz der Bayern wird sogar von Jahr zu Jahr stärker. Da ist kein Ausreißer nach unten mehr. Da sorgt wohl in den letzten 20 Jahren die Champions League und die "Marke" FC Bayern dafür, dass finanziell da keiner mithalten kann. Es ist nicht so, dass jeder Transfer einschlägt (Lukas Podolski, oder in den 90ern Jean-Pierre Papin), aber man kann dann halt immer noch nachlegen und einfach noch jemanden dazu kaufen. Die Rolle des Olympiastadions ist mir so noch nicht bewusst gewesen. Aber bei Bayern kam auch neben dem sportlichen Erfolg immer noch etwas Bonus aus der Politik und Wirtschaft dazu, und je mehr Bayern dominiert, desto stärker wird dieser Bonus. Der FC Bayern ist nun mal das Gesicht des deutschen Klubfußballs im Ausland, und Adidas, BMW & Co. haben kein Interesse daran, dass der Verein mal die Champions League verpasst. Uli Hoeneß wird wohl auch weiterhin zu gesellschaftlichen Events eingeladen werden und nette Worte von Politikern hören dürfen. Es ist ein bisschen erstaunlich im Rückblick, dass in den 70ern Gladbach einmal mehr Meister wurde als Bayern. Da war die Möglichkeit, dass Fussballdeutschland sich etwas anders entwickelt, aber andererseits war die Nationalmannschaft 72 und 74 schon mehr Bayern als Gladbach und Olympia gab einen sportlichen Entwicklungsschub. Später hat dann Bayern zuerst Matthäus und dann Effenberg gekauft und sich aus Gladbach die Leader der 80er und 90er geholt. So hat dann die Taktik angefangen, nicht nur sich selbst mit Transfers zu stärken, sondern auch die Konkurrenz zu schwächen. Daher auch jetzt die Gerüchte um De Bruyne, kennt man ja alles. Selbst wenn so ein Transfer nicht einschlägt, schwächt man zumindest die andere Mannschaft, und verhindert, dass ein anderer Verein, diesen Spieler bekommt.
tüttel 01.04.2015
4. Goldene 1974er-Weltmeister-Generation
Ich denke, der kontinuierliche jahrzehntelange Erfolg der Bayern erklärt sich neben einem günstigen ökonomischen Umfeld vor allem aus dem hohen sportlichen, geschäftlichen Geschick der goldenen 1974er-Weltmeister-Generation von Hoeneß, Beckenbauer, Sepp Maier sowie Karl-Heinz Rummenigge. Die haben da eine sportlich und ökonomisch derart feste Burg aufgebaut, die so schnell nicht, im Prinzip von niemandem dauerhaft zu knacken ist.
ge1234 01.04.2015
5. Bevor es wieder losgeht...
.... das Olympiastadion wurde dem FCB nicht geschenkt, sondern sie mussten dafür von Anfang an eine -nicht unerhebliche- Summe als Stadionmiete bezahlen. Das Olympiastadion wurde übrigens auch von dem anderen Giesinger Verein genutzt, der mittlerweile aber in der fußballerischen Bedeutungslosigkeit verschwunden ist. Insofern hat die Nutzung des Olympiastadions, wie immer wieder gerne unterstellt, wohl nichts mit dem Erfolg des FCB zu tun.
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