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Dreifach-Torschütze Thomas Müller: Nur tanzen kann er nicht

Aus Frankfurt berichtet Ronny Zimmermann

Bayern-Sieg: Der dreifache Müller Fotos
AP/dpa

Robben? Götze? Lewandowski? Bayerns bester Offensivspieler heißt momentan Thomas Müller. Dank des Weltmeisters sind die Münchner Angriffe unberechenbar. Nur beim Tanzen hat er ein paar Probleme.

SPIEGEL ONLINE Fußball
Das Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern war noch gar nicht abgepfiffen, da tanzte Thomas Müller plötzlich am Mittelkreis. Er hüpfte von einem Bein auf das andere und klatschte zum Gesang der Bayern-Fans im Gästeblock. Müller traf zwar offensichtlich nicht den Takt, dafür war er kurz zuvor umso sicherer gewesen: Er hatte zum 3:0 für die Bayern getroffen, nachdem er auch schon die beiden ersten Tore erzielt hatte.

"Es ist ja nicht alltäglich, dass man drei Tore in einem Bundesligaspiel schießt", sagte der 25-Jährige nach dem 4:0-Sieg über seine spontane Jubeleinlage. Erst einmal zuvor war ihm ein Dreierpack gelungen, am 1. Mai 2010 gegen den VfL Bochum (3:1). "Aber meine Freude über die drei Treffer heute wird jetzt nicht bis Weihnachten anhalten, keine Angst", versicherte Müller.

Locker, leicht und lässig: Der Bayern-Profi agierte so, wie man es eigentlich von seinen Nebenleuten gewohnt ist. Mal bot sich Müller als Doppelpass-Partner an, mal kam er mit viel Tempo aus der Tiefe. Müller machte das Bayern-Spiel ungemein variabel. Sobald er am Ball war, herrschte in Frankfurts Defensive Gefahr. Die Eintracht-Abwehr hatte das zu spät erkannt. Sie bewachte zunächst die Superstars Robert Lewandowski, Mario Götze und Franck Ribéry. Müller nutzte immer wieder die dadurch entstandenen Räume. Bei allen drei Treffern kam er im Strafraum frei zum Abschluss.

Müller an der Spitze der Scorerwertung

"Ich denke, dass wir von der Spielanlage her noch mal einen kleinen Schritt nach vorne gemacht haben", sagte Müller. Im zweiten Jahr unter Josep Guardiola sei die Mannschaft besser eingespielt. Jeder wisse, wie der Trainer denkt und was er verlangt. "Egal, wer auf welcher Position beginnt, ist uns allen klar, was für Aufgaben zu erfüllen sind", sagte Müller.

Er selbst avanciert dabei zum Schlüsselspieler in der Offensive. Mit sechs Treffern steht Müller gemeinsam mit vier weiteren Spielern (darunter Götze) auf Platz eins der Torjägerliste. Dazu kommen fünf Vorlagen, die meisten aller Bayern-Profis. Mit diesen beiden Werten ist Müller Erster der Scorerwertung. Formtief nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels? Nicht bei Müller.

Weil er derzeit so brilliert, spürt auch Robert Lewandowski weniger Druck. In der Sommerpause war der Pole von Borussia Dortmund zum FC Bayern gewechselt. Der Ausnahmestürmer soll die Münchner im Angriff noch besser machen. Aber: Bislang zeigt Lewandowski - trotz fünf erzielter Bundesliga-Tore - noch nicht konstant seine Fähigkeiten, die ihn beim BVB so ausgezeichnet hatten. Als er völlig frei vor Frankfurts Torwart Felix Wiedwald an den Ball kam, missglückte ihm die Annahme - die Chance war vertan. In der 68. Minute wurde er ausgewechselt.

Die Bayern gewinnen ein Spiel nach dem anderen

Von Müller gab es dennoch Aufmunterung. Als Lewandowski bereits auf der Bank saß, zeigte ihm sein Teamkollege vom Spielfeld aus den Daumen. Als wolle er sagen: Weiter geht's, heute treffe ich, morgen bist du wieder dran.

Überhaupt scheinen die Bayern momentan resistent gegen schlechte Stimmung oder Krisen. In der Liga führen sie mit 27 Punkten einsam die Tabelle an, in der Champions League haben sie sich vorzeitig für das Achtelfinale qualifiziert und im DFB-Pokal sind sie ebenfalls noch dabei. Keine schlechte Grundlage für eine erfolgreiche Saison - und dennoch gibt es ein paar Aspekte zu verbessern.

"Unsere Standards müssen besser kommen und auch in der Chancenverwertung können wir noch effektiver werden", sagte Jérôme Boateng. Der Abwehrspieler wollte auch die drei Tore seines Mitspielers nicht überbewerten: "Wir haben uns für Thomas gefreut, aber gefeiert wird erst, wenn wir Deutscher Meister sind."

Bis dahin bleibt genügend Zeit für Müller, um seinen Jubeltanz zu optimieren. Das kann er sogar vor den Spielen proben: Im Stadion in Frankfurt drehten die Bayern die Musikboxen in ihrer Kabine derart auf, dass der Popsong "I Follow Rivers" von Lykke Li bestens zu hören war.

Eintracht Frankfurt - Bayern München 0:4 (0:1)
0:1 Thomas Müller (22.)
0:2 Thomas Müller (64.)
0:3 Thomas Müller (67.)
0:4 Shaqiri (86.)
Frankfurt: Wiedwald - Chandler, Russ, Anderson, Oczipka - Hasebe (90. Ignjovski), Medojevic - Aigner (82. Piazon), Seferovic - Stendera (67. Kittel), Meier
München: Neuer - Rafinha, J. Boateng, Dante, Bernat - Alonso - Lahm (72. Rode), Götze - Ribéry (76. Shaqiri) - Lewandowski (68. Robben), Thomas Müller
Schiedsrichter: Meyer
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Chandler, Aigner (3) - Ribéry

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Warum sieht Müller eigentlich immer aus ...
westerwäller 08.11.2014
... als hätte man ihn nachts um 4:00 Uhr aus dem Bett geholt ?
2. wenn du hübsche...
spon-facebook-10000065148 08.11.2014
spieler sehen möchtest,dann kann ich dir den HSV empfehlen...super frisuren,tolle tattoos und extravagante Kleidung => okay,am fußballerischen hakt es ein wenig
3. Darum:
klogschieter 08.11.2014
Weil neunundneunzigkommaperiodeneun Prozent aller anderen Fußballprofis jede Menge Zeit darauf verwenden, ganz genau diesen Eindruck zu vermeiden.
4. Man sollte sich irgendwann
Shelly 08.11.2014
Zitat von westerwäller... als hätte man ihn nachts um 4:00 Uhr aus dem Bett geholt ?
mal dran gewöhnen, dass etwa 7 Milliarden Menschen anders aussehen, als man selbst.
5. Darum
jueho47 08.11.2014
Weil er umgerechnet einmal pro Woche einen kompletten Marathon läuft?
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