Bayerns neue Dominanz: Motivation durch Rotation
Konzentriert und selbstbewusst - im Duell mit Schalke 04 war der FC Bayern die klar bessere Mannschaft. Es scheint, als sei der Rekordmeister auf dem besten Weg, seine alte Vorherrschaft zurückzugewinnen. Dabei setzt Trainer Jupp Heynckes auf ein einfaches Mittel: Druck.
Thomas Müller ist sicherlich eine der auffälligsten Erscheinungen der bisherigen Bundesligasaison. Doch an diesem Samstagnachmittag, um kurz nach halb fünf, war der Angreifer des FC Bayern sichtlich unzufrieden mit seiner Fußballwelt. Es stand 0:0 im Spiel des Rekordmeisters beim FC Schalke, und gerade war Müller wieder ein Ball vom Fuß über die Seitenlinie gesprungen. "Ich habe mich gefühlt wie in der Kreisklasse", gab er angesichts der technischen Probleme nach der Partie zu. Doch auf dem Platz grübelte er nicht lange über seine Unzulänglichkeiten nach. Er machte einfach weiter. Und wurde tatsächlich noch zum Helden dieses Spiels.
Souverän gewannen die Bayern auf Schalke 2:0 - eben dank Müller. Er bereitete den ersten Treffer von Toni Kroos vor (55. Minute), bevor er den zweiten nach einem beeindruckenden Solo selbst erzielte (58.). "Thomas spielt eine überragende Saison", sagte Jupp Heynckes, und als jemand fragte, ob er daran gedacht habe, Müller aus dem Spiel zu nehmen, erwiderte der Trainer empört: "Keine Sekunde!" Müller sei unberechenbar, laufstark, sehr engagiert. "Dafür ist er in der zweiten Halbzeit belohnt worden", sagte Heynckes.
Aber nicht nur Müller, der mit je vier Treffern und Vorlagen sowohl die Torjägerliste als auch die Scorerliste anführt, durfte sich nach dem erneuten Erfolg ein wenig selbst feiern. Das ganze Bayern-Team hat sich nach dem titellosen Vorjahr weiterentwickelt. "Wir haben schon vor dem Spiel gesagt, dass der FC Bayern in dieser Saison ganz anders spielt", sagte Schalkes Trainer Huub Stevens. Diese Einschätzung habe sich bestätigt. Bis auf eine Viertelstunde vor der Halbzeit, als Schalke eine Menge Druck erzeugte, waren die Bayern die klar bessere Mannschaft.
Sie spielten ausbalanciert und konzentriert, vor allem aber strahlten sie wieder dieses imposante Selbstvertrauen aus, das während der vergangenen Jahrzehnte zahllose Gegner zur Kapitulation bewegte. "Wir müssen jetzt mit genau dieser Einstellung weitermachen", sagte Heynckes. Der Trainer hält die deutlich erhöhte Breite seines Kaders für den entscheidenden Entwicklungsfaktor.
Er mag recht haben: Wenn ein Spieler wie Javier Martínez, teuerster Transfer in der Münchner Vereinsgeschichte, keine Garantie erhält, 90 Minuten durchzuspielen, dann scheint das den gesamten Kader anzutreiben. "Man spürt immer Druck und das ist größtenteils motivierend", sagte Müller. Natürlich sei auch der Nationalspieler ein potentielles Opfer der Rotation - "aber den Verein an sich bringt das vorwärts".
Schalke fehlt es an Konstanz
Heynckes Plan geht offenbar auf. Der Trainer glaubt, dass vor allem Kroos, der zuletzt mehrfach im Offensivzentrum brillierte, vom Druck im Kader profitiert. "Toni ist für mich der ideale Spieler auf dieser Position, aber er muss immer mal wieder daran erinnert werden, dass es nicht reicht, den Ball zu streicheln", sagt Heynckes.
Ähnliche Appelle wird in den kommenden Tagen auch Schalkes Trainer Stevens an seine Spieler richten, denn in der zweiten Halbzeit gaben sie sich einem bedenklichen Fatalismus hin. "Dass wir nach dem ersten Gegentreffer die Köpfe hängenließen, hat mir gar nicht gefallen", sagte er. Am Dienstag hatte Schalke in der Champions League gegen Olympiakos Piräus überzeugt - und nun diese Vorstellung.
Guten Leistungen wie gegen Piräus oder Bayern in den 15 Minuten vor der Pause stehen schwächere Phasen gegenüber. "Wir wollen alle Gas geben, und ich glaube, das haben wir auch schon gezeigt in dieser Saison", sagte Lewis Holtby. Das hat der Club - doch es fehlt die Konstanz.
Sportdirektor Horst Heldt sprach sogar von "selbst zugefügten Wunden", die es jetzt zu lecken gelte, schließlich seien den Gegentoren eigene Fehler vorausgegangen. Es mag ein schwacher Trost sein, dass nicht nur die Probleme im Schalker Spiel zu den Treffern der Bayern führten: Der Rekordmeister hat einmal mehr stichhaltige Indizien für die These abgeliefert, dass er dabei ist, seine einstmals so gefürchtete Dominanz wiederzuentdecken.
Schalke 04 - Bayern München 0:2 (0:0)
0:1 Toni Kroos (55.)
0:2 Thomas Müller (58.)
Schalke: Unnerstall - Höwedes, Kyriakos Papadopoulos, Matip, Fuchs - Neustädter - Farfán, Jones (78. Höger), Holtby (62. Barnetta), Draxler (63. Afellay) - Huntelaar
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Luiz Gustavo, Schweinsteiger (89. Timoschtschuk) - Thomas Müller, Toni Kroos, Robben (84. Shaqiri) - Mandzukic (70. Martinez)
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Fuchs, Matip / -
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- Samstag, 22.09.2012 – 21:22 Uhr
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