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Guardiola vor Pokalfinale: Der Unbeirrbare

Von und Isaac Lluch

Pokal-Finale: Guardiolas Problemfälle Fotos
DPA

Das Finale des DFB-Pokals wird für den FC Bayern zum zentralen Spiel dieser Saison: Bei einem Sieg gegen den BVB wäre alles halb so schlimm, eine Niederlage würde erneute Fragen aufwerfen. Darauf hält Trainer Guardiola die Antworten aber schon bereit.

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Das elterliche Gespür für das Schicksal des eigenen Kindes ist erstaunlich. Es hält sogar an, wenn das Kind schon erwachsen ist und einer der erfolgreichsten Fußball-Trainer der Welt. Als man im vergangenen Jahr in München die Ankunft Josep Guardiolas erwartete wie die eines Propheten, hob Valenti Guardiola im fernen Santpedor alarmierend die Hand. Sein Sohn werde es nicht leicht haben, sagte Peps Vater, denn Jupp Heynckes hinterlasse ihm ein schweres Erbe bei den Bayern: eine fixe Mannschaft, die Deutsche Meisterschaft und Siege in Champions League und DFB-Pokal.

Damals schienen Valenti Guardiolas Mahnungen nicht mehr zu sein als väterliche Fürsorge, und nachdem der Sohn mit dem großen FC Bayern einen Erfolg nach dem nächsten gefeiert hatte, sogar noch früher als Heynckes Meister geworden war, waren sie vergessen.

Bis der FC Bayern anfing zu verlieren. Nach dem Halbfinal-Aus gegen Real Madrid fragten sich Beobachter, Journalisten und Fans: Kann Josep Guardiola Bayern?

Guardiola sei zu starr, zu festgefahren in seinem Verständnis von Fußball als reinem Ballbesitz-Spiel, wurde analysiert und kommentiert. Der FC Bayern unter ihm sei unflexibel und durchschaubar geworden, Veränderungen müssten her, und zwar dringend. Mancher spekulierte sogar über einen Rücktritt des Trainers.

Pokalfinale entscheidet über Bewertung der Saison

Aber der blieb ruhig. Guardiola sagte, er werde das Finale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund an diesem Samstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD und Sky) abwarten und sich dann mit dem Sportvorstand Matthias Sammer zusammensetzen, um die Bilanz dieser Saison zu ziehen. Der Trainer selbst machte diese eine Partie damit zum Dreh- und Angelpunkt seines ersten Jahres in München.

Gewinnt der FC Bayern, hat er immerhin vier von sechs Titeln geholt. Am Ende stünde dann kein überragendes, doch aber sehr annehmbares Ergebnis.

Verliert der FC Bayern, sieht alles anders aus. "Dann ist es keine gute Saison mehr", sagt Franck Ribéry, und es ist wahrscheinlich, dass seine Mannschaftskollegen, die Bayern-Fans und wohl auch die Vereinsspitze das ähnlich sehen. Guardiola weiß, dass dann die Rufe nach einem Radikalschnitt wieder unüberhörbar sein werden.

Doch er ist darauf vorbereitet, und er hat schon einen Plan. Dieser ist nicht das Abrücken von seiner Auffassung des Fußballs, für Guardiola gibt es nur diese eine richtige Form, das Spiel mit und nicht gegen den Ball. Sein Plan ist die Perfektionierung dieses Spiels.

"Nächstes Jahr werden wir mit meinen Ideen spielen", sagte Guardiola nach dem 0:4 gegen Madrid, "es gibt keine andere Lösung." Die schmerzhafte Niederlage habe ihn davon "noch mehr überzeugt". Kritiker verstanden die Worte als Beweis für die Sturheit Guardiolas. Dabei lassen sie auch eine ganz andere Interpretation zu: Die Bereitschaft, die Mannschaft so sehr zu verändern und neu zu fokussieren, dass sie dauerhaft erfolgreich wird.

Nicht die gleichen Fehler wie in Barcelona machen

Aus Guardiolas Umfeld ist zu hören, dass für die kommende Saison ein 3-4-3-System eine Option sein könnte - und dass der FC Bayern dafür im Sommer vier bis fünf neue Spieler verpflichten werde, neben den bereits sicheren Transfers von BVB-Stürmer Robert Lewandowski und Frankfurts Sebastian Rode. Dabei soll es sich weniger um Spieler für die allererste Reihe handeln als um solche, die den leicht müde wirkenden Starspielern wie Ribéry neuen Dampf machen und ihnen zugleich die drohende Selbstgefälligkeit nehmen.

Guardiola hat während seiner Zeit in Barcelona gelernt, wie wichtig interne Konkurrenz und kleine Erschütterungen des Kaders für ein nachhaltig hohes Leistungsniveau sind. Das hat er den Verantwortlichen im Verein deutlich gemacht; er warnte davor, dass nicht die gleichen Fehler passieren dürften wie in seinem letzten Jahr bei Barça, als der Vorstand dringend notwendige Personalentscheidungen nicht getroffen hatte. Damals verließ Guardiola den Verein.

Auch deshalb wird darüber spekuliert, ob einige Profis in der kommenden Saison für einen anderen Klub spielen könnten. Bei Diego Contento scheint das bereits sicher, und hinter dem Verbleib der Keeper Tom Starke und Lukas Raeder sowie von Mario Mandzukic stehen Fragezeichen. Denkbare Neuzugänge sind ein Ersatz-Torwart, ein Ersatz-Linksverteidiger und vor allem ein weiterer ballsicherer und umsichtiger Offensivspieler wie Thiago.

Bis diese da sind, übernimmt der gerne giftige Sportdirektor Sammer die Rolle des Impulsgebers und Antreibers. "Ich erwarte, dass eine Gruppe auf dem Platz steht, in der jeder Einzelne sagt: 'Ich sterbe für meinen Mitspieler'", forderte er vor dem Pokalfinale.

Sammer und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sollen dem Trainer im Hintergrund ihre volle Unterstützung bei der Umsetzung seiner Ideen zugesagt haben, doch auch sie wissen, dass ein Sieg gegen Dortmund allen die nötige Ruhe und den Freiraum verschaffen würde, um in der Sommerpause gemeinsam am großen Plan des Guardiola-Fußballs zu feilen. Eigentlich fangen sie in München damit erst jetzt so richtig an.

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1.
chavezding 16.05.2014
Guardiola braucht die richtigen Spieler, nicht Rechts Links Ballverteiler wie Schweinsteiger und Kroos. Thiago war erst der Anfang.
2. Die Bayern...
rosenblume 16.05.2014
Ich habe das Gefühl, dass ganz viele Bayern-Spieler die Schnauze vom Ticka-Tacka voll haben und endlich wieder Fußball spielen wollen. Was ist denn daran schön (Herr Lahm), wenn man sich den Ball stundenlang zuschiebt? Da muss man schon masochistisch veranlagt sein, um aus dieser Art Gähn-Fußball Befriedigung zu ziehen. Guardiola soll ruhig an seinem System festhalten. So langsam haben es ja alle durchschaut - und ohne Messi ist es eben nur die Hälfte wert. Nächstes Jahr werden die Bayern damit höchstens Dritter in der Liga, Super-Pep muss schon in der Winterpause gehen und Blut-und-Eisen-Sammer macht den Platzhalter für Tuchel. So sicher wie das Amen in der Kirche...
3.
Attila2009 16.05.2014
Wie kann man das nur an einem oder zwei Spielen festmachen ? Spiele ( besonders im KO System ) können immer verloren gehe, dazu reicht schon ein abgefälschter Ball. Oft hängt das an Millimetern, an Zufälle. Das Problem der Bayern ist nicht der Trainer und auch nicht die Systemfrage sondern die fehlende Fähgkeit zu erkennen das Niederlagen auch zum Fußball gehören. Dortmund spielt schön, spielt auch erfolgreich aber sie können eben auch verlieren ohne dass die Welt einstürzt. So zum Beispiel in Hamburg, ausgerechnet beim HSV. "Mund abwischen - weiter gehts ". Bei Bayern machen die wegen zwei ( oder drei ) verlorenen Spielen ein Theater wogegen der Komödienstadel alt aussieht. FC Hollywood eben. Guardiola ist kein Übermensch , er ist ein guter Trainer - mehr nicht und nun sollte man ihn in Ruhe mal 3 Jahre arbeiten lassen und nicht nach 3 verlorenen Spielen wieder herumhektikern.Heynkes hat auch seine Zeit gebraucht.
4. Sehr schön....
doc 123 16.05.2014
Zitat von rosenblumeIch habe das Gefühl, dass ganz viele Bayern-Spieler die Schnauze vom Ticka-Tacka voll haben und endlich wieder Fußball spielen wollen. Was ist denn daran schön (Herr Lahm), wenn man sich den Ball stundenlang zuschiebt? Da muss man schon masochistisch veranlagt sein, um aus dieser Art Gähn-Fußball Befriedigung zu ziehen. Guardiola soll ruhig an seinem System festhalten. So langsam haben es ja alle durchschaut - und ohne Messi ist es eben nur die Hälfte wert. Nächstes Jahr werden die Bayern damit höchstens Dritter in der Liga, Super-Pep muss schon in der Winterpause gehen und Blut-und-Eisen-Sammer macht den Platzhalter für Tuchel. So sicher wie das Amen in der Kirche...
Liest sich alles sehr gut, jedoch wage ich zu bezweifeln, dass G. bei der zu erwartenden hochkantigen Niederlage den Saisonbeginn als Trainer noch erlebt!
5.
HaioForler 16.05.2014
Zitat von rosenblumeIch habe das Gefühl, dass ganz viele Bayern-Spieler die Schnauze vom Ticka-Tacka voll haben und endlich wieder Fußball spielen wollen. Was ist denn daran schön (Herr Lahm), wenn man sich den Ball stundenlang zuschiebt? Da muss man schon masochistisch veranlagt sein, um aus dieser Art Gähn-Fußball Befriedigung zu ziehen. Guardiola soll ruhig an seinem System festhalten. So langsam haben es ja alle durchschaut - und ohne Messi ist es eben nur die Hälfte wert. Nächstes Jahr werden die Bayern damit höchstens Dritter in der Liga, Super-Pep muss schon in der Winterpause gehen und Blut-und-Eisen-Sammer macht den Platzhalter für Tuchel. So sicher wie das Amen in der Kirche...
Der macht's genau richtig. Das System ist auch richtig. Oder will man die letzten 7 Jahre von Barca in Frage stellen? Das geht auch ohne Messi, wie die anderen Torschützen gezeigt haben. Nur muß halt vorne im Sturm auch mal ein Killerpaß durchgestochen werden. Daran hatte es in den letzten 5 Wochen gemangelt. Gleich das system in Frage zu stellen, nur weil man gegen Real gewonnen hat, ist Unsinn. Vom Ballbesitzsystem auf Nichtballbesitzsystem umzuschalten, ist ebenfalls Unsinn. Und jedem, dem Tiki.Taka und gute Pässe nciht gefallen, kann ich nur raten: nimmt ihnen doch einfach den Ball ab. Wenn ihr denn könnt. Dann erledigt sich das Problem doch von ganz alleine
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