CL-Gastspiel in Madrid Bayern droht der Abwehr-Ausfall

Der FC Bayern geht mental angeschlagen ins Rückspiel gegen Real Madrid. Auch personell drohen Probleme. Was passiert, wenn mit Mats Hummels und Jérôme Boateng beide Innenverteidiger nicht auflaufen?

Joshua Kimmich
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Bayern-Präsident Uli Hoeneß will gar keine Diskussionen über die personellen Probleme seiner Mannschaft aufkommen lassen. "Egal, wer spielt, jeder wird sich reinknallen", sagte der 65-Jährige nach der Ankunft in Madrid. "Es kommt nicht auf Namen an."

Wenn die Bayern am Abend (20.45 Uhr High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) in der Champions League bei Titelverteidiger Real Madrid antreten, wird aber auch Hoeneß froh sein, wenn aus dem Trio der angeschlagenen Superstars nicht nur - wie von Trainer Carlo Ancelotti angekündigt - Stürmer Robert Lewandowski auf den Rasen zurückkehrt. Die Innenverteidiger Mats Hummels und Jérôme Boateng reisten mit nach Spanien und nahmen auch am Abschlusstraining teil. Ob sie zum Einsatz kommen, entscheidet sich trotzdem erst am Spieltag.

Was passiert, wenn Hummels und Boateng ausfallen?

Wird Mats Hummels rechtzeitig fit?
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Wird Mats Hummels rechtzeitig fit?

Für Ancelotti steht gegen sein ehemaliges Team viel auf dem Spiel. Der Italiener war im vergangenen Sommer nach drei perfektionistischen Jahren unter Pep Guardiola euphorisch empfangen worden, appellierte nach Anpassungsproblemen an die Geduld, seine Mannschaft müsse erst im Frühjahr Bestform erreichen. Ancelotti schien recht zu behalten. Bis zur 1:2-Niederlage im Hinspiel gegen Real wirkten die Münchner über Wochen wie ein selbstbewusstes Rennpferd, das aus Dank über eine etwas längere Leine jederzeit im Höchsttempo galoppieren konnte.

Doch eine Halbzeit mit einem Platzverweis und zwei Gegentoren scheint dieses Selbstvertrauen zerstört zu haben. Und so wirkt es wie Ironie, wenn Ancelottis Champions-League-Titel-Plan schon im Viertelfinale - eine Runde früher als dreimal unter Guardiola - scheitern oder er seine Personalprobleme in der Abwehr mit bewährten Ideen seines Vorgängers erfolgreich kompensieren sollte.

Gegen Leverkusen in der Bundesliga probte Ancelotti in der Schlussphase bereits den Ernstfall. In der 72. Minute wechselte er für den in Madrid gesperrt fehlenden Javi Martínez Philipp Lahm ein. Nicht, um den Kapitän in die Innenverteidigung zu stellen, Lahm gab lautstark ein Kommando an Joshua Kimmich weiter und so beendeten die Bayern das Spiel mit Kimmich und David Alaba im Abwehrzentrum.

So wird die Innenverteidigung ohne Boateng und Hummels auch in Madrid aussehen, Spekulationen über eine Verschiebung von Routinier Xabi Alonso oder einen Einsatz des Reservespielers Nicolas Feldhahn bleiben genau das: Spekulationen. Alonso ist für Reals Konterfußball zu langsam und Feldhahn wurde bisher noch nicht mal in der Bundesliga eingesetzt. Für Kimmich und Alaba spricht:

  • Erfahrung. Unter Guardiola spielte das Duo in der vergangenen Saison gegen Juventus und Benfica in der Innenverteidigung, Verletzungen und das fehlende Vertrauen in Medhi Benatia und Serdar Tasci sorgen auch für sechs gemeinsame Einsätze in der Bundesliga.
  • Schnelligkeit. Real wird nach dem Hinspielerfolg auf überfallartigen Konterfußball setzen. Kimmich und Alaba bringen die nötige Geschwindigkeit mit, um in Abwesenheit des verletzten Gareth Bale gegen Cristiano Ronaldo und Karim Benzema bestehen zu können.
  • Flexibilität. Beide haben auch schon mehrmals bewiesen, sich innerhalb kürzester Zeit gedanklich auf die neue Aufgabe einstellen zu können.

Anders als im Sturmzentrum, wo der fehlende Ersatz für Lewandowski Fragen zur Personalpolitik der Bayern nötig macht, ist die Kaderplanung in der Abwehr nicht das ursächliche Problem. Der im Winter zum FC Schalke verliehene Holger Badstuber würde Ancelotti zwar eine Option mehr bieten, aber die Verantwortlichen der Bayern schätzten die Fitness und Form des 28-Jährigen richtig ein.

Einzig bei der Bekämpfung von Reals zweiter großen Stärke neben dem von Toni Kroos und Luka Modric initiierten Umschaltspiel wäre Badstuber in Madrid eine Hilfe. Bei Standardsituationen wird Real mit Ronaldo, Benzema und vor allem mit Sergio Ramos einen extremen Vorteil genießen, dem Kimmich (1,76 Meter) und Alaba (1,80 Meter) wenig entgegensetzen können.

Der FC Bayern geht deshalb zum ersten Mal seit Jahren als Außenseiter in ein Viertelfinal-Rückspiel der Champions League.

insgesamt 62 Beiträge
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skeptikerjörg 18.04.2017
1. Egal, ob mit Hummels, Boateng oder ohne.
Die tatsächlichen Probleme der Bayern liegen nicht in der Innenverteidigung, sondern im defensiven Mittelfeld und in der allgemeinen Arbeit nach hinten. Das hat das Hinspiel überdeutlich gezeigt. Alonso,Thiago zu langsam und zu zweikampfschwach, Vidal oft zu ungestüm und ohne zu antizipieren, eine reine Kampfmaschiene. Robben, Ribery, Costa, egal wer spielt, arbeiten zu wenig nach hinten. Alles zusammen für zu hohem Druck auf die letzte Linie. Real stoppt man nicht am 16er, sondern an der Mittellinie. Wer Kroos und Modric dort nicht stellt, hat schlechte Karten.
olsen59 18.04.2017
2. Vielleicht ist es eben doch keine so gute Idee ....
..... die Bundesliga durch Aufkäufe der Leistungsträger anderer aufbegehrender Ligamannschaften nach Belieben zu beherrschen. Das könnte selbst einem Bayern-Fan irgendwann langweilig werden - und ein fehlender ernstzunehmender Wettkampf in der Liga rächt sich dann im internationalen Wettbewerb - seit Jahren schon läuft das so. Aber auf Einsicht der Halbgötter an der Säbener Straße ist nicht zu hoffen.
ge1234 18.04.2017
3. Na ja....
... ich sehe genau die Kaderplanung als Problem. Form und Fitness wären bei Badstuber mittlerweile wohl wieder hergestellt. Aber nur mit 3 richtigen Innenverteidigern eine komplette Rückrunde inkl. CL und DFB-Pokal spielen zu wollen ist schon sehr gewagt, ebenso wie die damalige mehr als blauäugige Aussage, "Lewandoski ist nie verletzt". Sollten die Bayern tatsächlich heute ausscheiden, so wären Rummenigge & Co. deshalb nicht ganz unbeteiligt. Wird allerdings nicht passieren, der FCB geht heute abend als Sieger vom Platz und zieht ins Halbfinale ein! Mia san mia!
Sal.Paradies 18.04.2017
4. Das ist doch Quark
"Es kommt nicht auf Namen an."! Hoeneß scheint auch langsam an Altersschwachsinn zu leiden. Wenn nicht nur Martinez, sondern auch noch das NM- Innenverteidiger-Duo Hummels/Boateng fehlen sollten, dann brennt im bajuwarischen Strafraum im Bernabeau die Luft! Natürlich sollte eine Top-Elf wie Bayern Ausfälle kompensieren können, aber nicht die gesamte Innenverteidigung und nicht im Halbfinale gegen den Titelverteidiger. Die spielen heute Abend noch nicht in Darmstadt oder Ingolstadt, sondern gegen eine die (nach Barca) zweitstärkste Sturmreihen in der ganzen Welt. Solche Ausfälle in so einem sensiblen Moment kann "keine" Mannschaft und schon gar nicht der FCB vollkommen kompensieren. Nein, liebe Freunde. Sollten Mats+Jerome fehlen, dann war es das heute in Madrid. Meine Meinung....
frietz 18.04.2017
5.
Zitat von olsen59..... die Bundesliga durch Aufkäufe der Leistungsträger anderer aufbegehrender Ligamannschaften nach Belieben zu beherrschen. Das könnte selbst einem Bayern-Fan irgendwann langweilig werden - und ein fehlender ernstzunehmender Wettkampf in der Liga rächt sich dann im internationalen Wettbewerb - seit Jahren schon läuft das so. Aber auf Einsicht der Halbgötter an der Säbener Straße ist nicht zu hoffen.
Sie schlagen also vor, die Bayern sollen sich nur noch Mittelmass holen, um die Bundesliga spannender und wettbewerbsfähiger zu machen, sich selbst zu schwächen, um dann im internationalen Wettbewerb wegen einer noch schwächeren Mannschaft als jetzt erfolgreicher zu sein. In welchem Universum funktioniert ein solches Vorgehen?
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