FC Bundestag kontra AfD Rechtsaußen darf nicht mitspielen

Der AfD-Abgeordnete Sebastian Münzenmaier darf in der Fußballmannschaft des Deutschen Bundestags nicht mitkicken. Gegen den Rechts-Politiker läuft ein Verfahren wegen Körperverletzung.

AfD-Abgeordneter Sebastian Münzenmaier
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AfD-Abgeordneter Sebastian Münzenmaier


Fußball als Politikum: Der FC Bundestag hat die Teilnahme des AfD-Abgeordneten Sebastian Münzenmaier abgelehnt. Die Mitgliederversammlung sprach sich gegen eine Aufnahme des 28-Jährigen aus, der in der Vergangenheit in der Fanszene negativ aufgefallen war.

Über den Beitritt eines weiteren AfD-Mitglieds werde noch beraten, erklärte Marcus Weinberg (CDU). Drei AfD-Abgeordnete hätten den Sprung in den Kader geschafft. Das Team bestreitet ein Dutzend Spiele pro Jahr, einige für einen guten Zweck. Auch eine Partie gegen ein Flüchtlingsteam ist geplant.

Das Amtsgericht Mainz sah es 2017 als erwiesen an, dass sich Münzenmaier bei einem Angriff von Hooligans des 1. FC Kaiserslautern auf Anhänger von Mainz 05 der Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Er wurde zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Abgeordnete bestreitet den Vorfall und hat Berufung eingelegt. Seine Immunität als Abgeordneter ist, wie das in solchen Fällen üblich ist, vorläufig aufgehoben.

Für die Fußballer des Bundestags war das genug, seinen Aufnahmeantrag abzulehnen. Münzenmaiers Auftritt in der Fußballszene entspreche nicht dem Wertekanon der Fußballer, den die Versammlung auf ihrer Sitzung am Mittwoch in ihre Satzung aufnehmen ließ. "Dabei geht es um Weltoffenheit, Fairness, Toleranz", sagte Weinberg.

AfD-Abgeordneter als Vorsitzender im Sportausschuss?

Zunächst einmal habe jeder Abgeordnete ein Recht aufs Mitspielen, kein Talent soll dem FC Bundestag durch die Lappen gehen. "Wir schreiben vor einer neuen Legislaturperiode alle Parteien an, ob es interessierte Fußballspieler in ihren Reihen gibt. Das haben wir auch im Falle der AfD getan", sagte Weinberg.

Prompt hätten sich auch fünf Parlamentarier der AfD gemeldet, die das Team verstärken wollten. Dort gehören auch prominente Sportler zum Kader wie der frühere Turnweltmeister Eberhard Gienger (CDU). Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel (CDU) hat in seiner Zeit als Parlamentarier mitgespielt.

Münzenmaier übte scharfe Kritik an der Entscheidung. "Die vielgepriesene Toleranz der Altparteien zeigt sich wieder einmal von ihrer besten Seite. Ohne Gespräch oder jegliche Begründung verweigern die Altparteienpolitiker, die anscheinend lieber unter sich duschen möchten, das gemeinsame Fußballspiel", hieß es in einer Stellungnahme. Weinberg und seine "Konsorten" missbrauchten den FC Bundestag als "Propagandainstrument".

Schon im Vorfeld der Mitgliederversammlung hatte die Kandidatur der AfD-Fußballer für hitzige Debatten in der Kabine gesorgt. Generell gehen die Meinungen der Fraktionen über den Umgang mit den AfD-Abgeordneten derzeit weit auseinander, auch bei der Frage, ob ein AfD-Politiker die Leitung des Sportausschusses im Deutschen Bundestag übernehmen soll.

Beim FC Bundestag kursieren derzeit Ideen, die dazu führen, dass sich die AfD-Kicker zu rechtsstaatlichen Werten auch öffentlich bekennen müssen. So schlug der Grünen-Abgeordnete Dieter Janecek im Deutschlandfunk vor, die neue Mannschaft solle sich vor einem Schriftzug fotografieren lassen, der da lautet: "Für Flüchtlingshilfe und gegen Rassismus".

Der Linken-Abgeordnete Fabio de Masi bezog sich bei seinem Vorschlag in der "Süddeutschen Zeitung" auf das Zitat von AfD-Bundessprecher Alexander Gauland über Nationalspieler Jérôme Boateng. ("Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn.") Vielleicht, so de Masi, sollten sich alle Bewerber einem fußballerischen Eignungstest unterziehen, "unter Leitung von Jérôme Boateng."

aha/sid



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