Aufsteiger Ingolstadt Drei Tore - zehn Punkte

Der FC Ingolstadt hat in dieser Saison bisher dreimal auswärts gespielt - und dreimal gewonnen. Das ist in der Bundesliga-Geschichte noch keinem anderen Aufsteiger gelungen. Das Geheimnis der Ingolstädter: Sie bleiben cool.

FCI-Trainer Hasenhüttl: Kopffußball des Aufsteigers
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FCI-Trainer Hasenhüttl: Kopffußball des Aufsteigers

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Wenn man nach fünf Spielen nur drei Treffer erzielt hat, ist das für einen Aufsteiger normalerweise das sichere Indiz dafür, dass die Bundesliga für diesen Verein wohl doch eine Nummer zu groß ist. Wenn man aber gleichzeitig mit diesen drei Toren als Neuling dreimal auswärts gewinnt, dann ist das Bundesligarekord. Der FC Ingolstadt ist bislang dermaßen effizient, dass er mit einem negativen Torverhältnis auf Platz fünf der Tabelle steht.

1:0 in Mainz, 1:0 in Augsburg, jetzt 1:0 in Bremen - mehr kann man aus wenig nicht machen. In Mainz erzielte Lukas Hinterseer das Siegtor, in Augsburg traf Mathew Leckie, jetzt in Bremen verwandelte Moritz Hartmann einen Foulelfmeter in der Nachspielzeit kühl zum Sieg.

Ein starker Saisonauftakt ist für einen Aufsteiger nichts ungewöhnliches. Auch andere Teams sind mit Hurra in die Bundesliga gestartet und waren am Ende dann doch dort, wo man sie von jeher vermutet hat: Im Tabellenkeller. Der SC Paderborn hat das zuletzt noch leidvoll erfahren.

Trotzdem könnte es gut passieren, dass dem FC Ingolstadt ein solches Schicksal nicht widerfährt. Normalerweise leben Neulinge von der Anfangseuphorie, von dem Schub des geschafften Aufstiegs, von dem Rauschgefühl, gegen die Bayern spielen zu können statt gegen 1860, getragen zudem von einem enthusiastischen Heimpublikum. Aber die Elf von Trainer Ralph Hasenhüttl geht das Abenteuer Bundesliga anders an: kontrolliert, reif, fast rational.

Auf der Basis einer sicheren Defensive

Abwarten, ohne sich zu verstecken, kompakt stehen, ohne sich einzumauern, die Defensive betonen, ohne den Angriff zu vergessen - es ist klar und nachvollziehbar, wo die Priorität des Teams als Aufsteiger zu liegen hat: Es geht um einen sicheren Abwehrverbund, aber auf dieser Basis setzt der FCI seine Offensivaktionen, und damit hat er den Gegnern bisher weh getan. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass wir noch ein Tor kassieren könnten", sagte Vorstandschef Peter Jackwerth nach der Partie in Bremen. Und der Eindruck hat ihn nicht getäuscht.

Heimspiel gegen Dortmund: Bisher der einzige Rückschlag
AP/dpa

Heimspiel gegen Dortmund: Bisher der einzige Rückschlag

Es ist kein Zufall, dass die bislang einzige Niederlage dieser Spielzeit dann kassiert wurde, als die Elf ihre Grundhaltung aufgab. Als man gegen Borussia Dortmund beim ersten Saison-Heimspiel in Rückstand geriet, versuchte, gegenzuhalten und dann von den Routiniers des BVB ausgespielt wurde. 0:4 gegen Dortmund - da haben viele gedacht, so geht es dahin in dieser Spielzeit. Aber das Team hat sich danach sofort wieder gefangen und zurückgefunden zu seiner Ratio.

In der zweiten Liga hat das Team seine technische Überlegenheit ausgespielt, aber auch da bestach die Mannschaft schon durch ein mündiges taktisches Verständnis, durch die Fähigkeit, sich auf Gegner einzustellen. Ein Verdienst von Hasenhüttl: Man darf nicht vergessen, dass er den FCI 2013 als 15. der Zweitligatabelle übernommen hat. Ingolstadt war, Audi als Großsponsor ungeachtet, ein Klub, den keiner mit großen Titelambitionen verbunden hatte, eine Mannschaft aus dem Bauch der 2. Liga.

Seitdem ist es nur voran gegangen. Und wenn der Trainer nach dem Erfolg in Bremen sagt: "Das ist sensationell", dann ist das als Adjektiv wahrscheinlich nicht einmal übertrieben. Beim FCI spielen Profis wie die beiden früheren Tobias Levels oder Mathew Leckie, Spieler, die in der Bundesliga keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben und jetzt bei Ingolstadt ihre zweite Chance nutzen. Torwart Ramazan Özcan wurde bei 1899 Hoffenheim mehr oder weniger ausgemustert. In Bremen war der Österreicher der überragende Rückhalt.

Nun daheim gegen den Hamburger SV, danach in Köln, dann gegen Frankfurt und in Stuttgart - das sind Spiele, die nicht danach schreien, dass die Erfolgsserie des FC Ingolstadt in den kommenden Wochen zwingend zu Ende geht. Und aufs Tabellenende hat der Neuling mit seinen drei Treffern schon zehn Punkte Vorsprung. Die nimmt ihnen niemand. Der FC Ingolstadt steht derzeit da, wo Schlusslicht Borussia Mönchengladbach eigentlich stehen wollte.

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Big.m 19.09.2015
1. die össis
mittlerweile sehe ich die viel belächelten Österreicher in der Bundesliga als Impulsgeber! Alaba, Junusovic, Baumgartlinger, Hasenhütel der mit Ingolstadt wirklich gute Arbeit leistet!
Wolfgang Porcher 19.09.2015
2. fc Ingolstadt? oder Fc Audi?
wieso heißen die nicht FC Audi und Wolfsburg FC Volkswagen und Leverkusen FC Bayerchemie und Der FCB FC Addidas ? über Leipzig wird gehetzt, doch über diese fetten Sponsoren da herrscht Stille?!
spitzaufknoof 19.09.2015
3. Wer
live gesehen hat wie destruktiv die Audistädter heute aufgetreten sind, freut sich auf Gegner die Fußball spielen wollen bzw. können. Das war nur hässlich und von Werder richtig peinlich.
moe.dahool 19.09.2015
4. @ Wolfgang Porcher
Möglicherweise deshalb, weil sich das Sponsoring von Audi, zumindest im Vergleich mit vielen BuLi Vereinen, monetär ziemlich in Grenzen hält? Wer sich den Kader von Ingolstadt ansieht, kann sofort erkennen, dass sich der Erfolg nicht erkauft wurde. DAS macht den Unterschied.
singliketroubardix 19.09.2015
5. Schwierige Sache
Zitat von Wolfgang Porcherwieso heißen die nicht FC Audi und Wolfsburg FC Volkswagen und Leverkusen FC Bayerchemie und Der FCB FC Addidas ? über Leipzig wird gehetzt, doch über diese fetten Sponsoren da herrscht Stille?!
Das mit den Äpfeln und Birnen meine ich. Denn die vergleichen sie hier mal eben. Kennt man ja schon. Schauen wir mal: - der FC Ingolstadt entstand vor 11 Jahren durch die Fusion der Fußballabteilungen zweier anderer Ingolstädter Vereine - man meinte wohl gemeinsam stärker und erfolgreicher zu sein. Hat ja auch geklappt. 80,06 % der Anteile an der FC Ingolstadt Fußball GmbH besitzt der Verein. Die quattro GmbH als Tochterunternehmen von Audi besitzt nicht einmal 20%. - Bayer 04 wurde, wie der Name schon sagt, bereits 1904 gegründet. Die Fußballabsteilung separierte sich 1907 und spielte lange in 2., 3. und 4. Liga (die damals anders hießen). Das Bayerkreuz kam erstmals 1936 auf die Brust. BL-Fußball wird seit 1975 gespielt. Das Bayer als Stammunternehmen großen Einfluss hatte und hat ist nachvollziehbar. - der VfL Wolfsburg wurde 1945 als e.V. gegründet. Bereits 1970 wäre fast der Aufstieg in die 1 BL geglückt. Wie bei B04 ist die enge Beziehung zwischen VW und dem Verein ein verständlicher Grund für das Engagement des Unternehmens. - Adidas besitzt genau 8,33 % der Anteile am FC Bayern, bzw. an der GmbH, so wie auch Audi und Allianz. RB dagegen hat sich ein Kunstprodukt geschaffen. Es hat die Spieler und Lizenz eines Vereins übernommen, Scheinstrukturen dem Vereinsrecht angeglichen und das ganze als reines Marketingunternehmen aufgezogen. Und wie ja jetzt schon in der Formel 1 zu sehen wird das auch wieder aufhören. So ist das mit den Äpfeln und Birnen.
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