Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt Die Trennung der Zwillinge

Sie stiegen zusammen in die Bundesliga auf und feierten dort mit ähnlichen Mitteln Erfolge: Ingolstadt und Darmstadt haben eine starke Hinrunde gespielt. Die zweite Saisonhälfte könnte sich für die Klubs jedoch unterschiedlich entwickeln.

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Fast die ganze Bundesliga scheint sich in der Winterpause in der Türkei zum Sonnenbaden getroffen zu haben. Wer was auf sich hält, ist nach Belek ins Trainingslager gefahren, wer noch etwas mehr auf sich hält - so wie Bayern und Dortmund -, sogar in die Wüste, nach Katar und Dubai. Der FC Ingolstadt hat sich für eine andere Rückrunden-Vorbereitung entschieden. Der Klub absolviert ein "Trainingslager dahoam", als Zerstreuung gab es keinen Pool-Aufenthalt, sondern Skifahren und Eishockey.

Der eine Aufsteiger stimmt sich mit Wintersport auf die zweite Bundesliga-Hälfte seiner Vereinsgeschichte ein, während der zweite Neuling, der SV Darmstadt 98, seine Vorbereitung im türkischen Antalya bestritt. Gute Laune herrscht bei beiden Klubs. Ingolstadt steht mit 20 Punkten auf Platz elf, Darmstadt hält mit zwei Punkten weniger einen respektablen 13. Tabellenrang. Beide Teams liegen klar über ihrem Soll. "Wir haben uns fast optimal geschlagen", sagte Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch dem Hessischen Rundfunk.

Aber es ist nicht nur der sportliche Erfolg: Beide Klubs haben neben einem robusten Zweikampfverhalten auch Kurioses und Verblüffendes in die Bundesliga getragen. Da ist etwa das Darmstädter Böllenfalltor: fast nur Stehplätze, nur eine Tribüne überdacht, spartanische Umkleideräume. Fußballcharme vergangener Zeiten. Hinzu kommt die Einlaufmusik "Die Sonne scheint", ein Leckerbissen für Freunde der gepflegten Stadionhymne. Und, natürlich, der aufsehenerregende Bart von Marco Sailer! Bei Ingolstadt reiben sich viele Fußballfans noch immer die Augen und fragen sich, wie man mit nur elf Toren so viele Punkte sammeln kann.

Darmstadt-Profi Sailer: Haarige Angelegenheit
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Darmstadt-Profi Sailer: Haarige Angelegenheit

Bei aller Freude: Gut gestartet sind schon viele Klubs in die Bundesliga. Die Aufstiegseuphorie, die Vorfreude auf Zweikämpfe mit Lewandowski, Götze, Hummels und Co., das Unterschätzt-Werden durch die anderen Klubs - das alles hilft enorm. Aber irgendwann sind die Neuen bekannt, das Establishment hört auf, sie nicht für voll zu nehmen, die Euphorie verfliegt nach zwei, drei Niederlagen in Folge. Und dann? "Es wird nicht leichter, die Mannschaften werden uns nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen", sagt Darmstadt-Linksverteidiger Fabian Holland der "Hessenschau".

Es gibt im Grunde zwei Entwicklungsmöglichkeiten, die sich an den Beispielen 1. FC Köln und Paderborn zeigen lassen: Die einen etablieren sich im Mittelfeld der Tabelle, wie es der FC nach dem Aufstieg 2014 getan hat. Die anderen verabschieden sich nach einem Jahr (wie Paderborn), spätestens aber nach der zweiten Saison wieder ins Fußball-Unterhaus. Welchen Weg werden Darmstadt und Ingolstadt gehen?

Auf den ersten Blick erscheinen beide Klubs ähnlich - von "Zwillingen" und "Brüdern" schrieben einige Zeitungen bereits. Beide Teams setzen auf harte Zweikämpfe: Die Ingolstädter greifen weiter vorne an, Darmstadt verbarrikadiert sich meist und kontert. Nicht selten wurde die Spielweise beider Teams als "eklig" bezeichnet. Darmstadts Trainer Dirk Schuster und Ingolstadts Coach Ralph Hasenhüttl können darüber nur lachen.

Ingolstadt-Trainer Hasenhüttl: 20 Punkte mit elf Toren
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Ingolstadt-Trainer Hasenhüttl: 20 Punkte mit elf Toren

Auf den zweiten Blick sind beide Teams jedoch sehr unterschiedlich. Während der Aufstieg des FC Ingolstadt zwar erst 2004 in der Bayernliga begann, dann aber im Hintergrund kontinuierlich vorangetrieben wurde, ist die Entwicklung des SV Darmstadt von zittrigen Ausschlägen geprägt: 2013 standen sie noch vor dem Abstieg in die vierte Liga, danach ging es explosionsartig bergauf. Der Verdacht liegt nahe, dass Darmstadt über den Möglichkeiten spielt. Ein festes Fundament sieht anders aus.

Was hat auch mit dem finanziellen Hintergrund zu tun hat. Bei Ingolstadt hält der Audi-Konzern 20 Prozent der Anteile an der Fußball-GmbH und tritt auch sonst als finanzstarker Partner auf, der etwa den Stadionneubau ermöglichte. Kurzfristig spielt die Finanzstärke oft keine so große Rolle, doch auf lange Sicht ist es anders. Das ist auch 98-Trainer Schuster bewusst: "Ich beneide ihn (Hasenhüttl) etwas um die infrastrukturellen Möglichkeiten in Ingolstadt. Das ist im Vergleich eine Liga höher als bei uns", sagte er mal der "Sport Bild".

Der finanzielle Unterschied zeigt sich auch in der Winterpause: Ingolstadt kaufte den paraguayischen Stürmer Dario Lezcano für die klubinterne Rekordsumme von 2,5 Millionen Euro, Darmstadt will hingegen wieder bis kurz vor Transferschluss warten. Man müsse auf jeden Euro schauen, deshalb sei man ein Schnäppchenjäger, sagt Darmstadt-Präsident Rüdiger Fritsch dem HR: "Die Bienen stechen bekanntlich am Ende."

Die Entwicklung in der Rückrunde könnte für beide Klubs also schnell in unterschiedliche Richtungen gehen. Zumal der Start in die zweite Saisonhälfte für Darmstadt ungleich härter wird: Unter den ersten sieben Gegnern sind Schalke, Leverkusen, Bayern und Dortmund, Ingolstadt hat als Hochkaräter auf Sicht lediglich den BVB und den in dieser Saison schwächelnden VfL Wolfsburg vor der Brust.

Ingolstadts Rekordzugang Lezcano: 2,5 Millionen Euro für mehr Tore
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Ingolstadts Rekordzugang Lezcano: 2,5 Millionen Euro für mehr Tore

Das 3:1 im ersten Aufsteiger-Duell in der Bundesliga-Hinrunde war schon ein Fingerzeig zu den unterschiedlichen Kräfteverhältnissen. Und es ist gut möglich, dass der Abstand der beiden Klubs am 30. Spieltag, wenn es zum erneuten Aufeinandertreffen der "Zwillinge" kommt, noch deutlich größer sein wird.

Dann könnte Ingolstadt neben dem 1. FC Köln im Mittelfeld stehen. Und Darmstadt auf dem Weg sein, das nächste Paderborn zu werden.

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insgesamt 7 Beiträge
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unglaublich2014 18.01.2016
1. Da die Sportabteilung des Spiegels sehr oft ...
... ein guter Kontraindikator ist, sollten die Lilien noch Hoffnung haben! Denn letztere stirbt zuletzt. Wie auch Rüdiger Fritsch es ausdrückt: Die Rechnung wird am Ende gemacht. Auf dass die Lilien im Frühjahr weiterhin blühen!
romaval 18.01.2016
2. Was für ein sinnfreier
Artikel. Wenn ich schon das Wort " könnte " lese denke ich daß da jemand einen Platz ausfüllen wollte.
aurichter 18.01.2016
3. Ganz so unwahrscheinlich
ist das Szenario jedoch nicht, auch wenn die beiden Anfangs Kommentare dies so hinstellen wollen. Darmstadt hat über die gesamte Hinrunde nahezu am Limit gespielt und diese Körner werden zum Ende hin fehlen. Beispiele dafür gibt es zuhauf und dies wird sich auch in dieser Saison wieder einmal bestätigen. Bei allem Respekt gerade für Darmstadt, aber es fehlt auch an Ersatz bei Verletzungsproblemen, da sieht es bei Ingolstadt schon anders aus, wobei ja durchaus nicht gesagt ist, daß die teuren Zukäufe auch sportlich einschlagen. Also abwarten, aber rosig sieht anders aus. Aber der effzeh könnte als Beispiel gut herhalten, schon bemerkenswert was S. und S. dort erreicht haben.
muellerthomas 18.01.2016
4.
"Die Trennung der Zwillinge. Sie stiegen zusammen in die Bundesliga auf und feierten dort mit ähnlichen Mitteln Erfolge" Ähnliche Mittel? Der Spielstil der beiden Teams ist doch völlig anders. Darmstadt spielt durchaus erfolgreich einen Fußball wie aus den 1990er oder gar 1980er Jahren, Ingolstadt dagegen modernen Fußball nur eben mit begrenzten Mitteln.
_derhenne 18.01.2016
5.
Diese "Zwillinge" unterscheiden sich lediglich in der Spielweise, im finanziellen Fundament (und den Möglichkeiten) sowie der kurz- wie langfristigen Historie. Ansonsten ist alles gleich. Merkt ihr eigentlich noch irgendwas?
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