Liverpool-Gala gegen Manchester City Was jetzt noch zur Spitzenmannschaft fehlt

Die Traumvorstellung des FC Liverpool gegen Tabellenführer Manchester City war eine Verheißung. Sie hat gezeigt, was für den Klub möglich ist - wenn er seine Transfereinnahmen klug investiert.

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Von , Manchester


Kurz vor Schluss schwenkte die Kamera auf Liverpools Trainer Jürgen Klopp. Sein Haar war zerzaust, was zu gleichen Teilen am rüden Klima in Englands Nordwesten und am wilden Verlauf der Partie gegen Manchester City gelegen haben dürfte. In seinem Gesicht war ein Lächeln zu sehen, das Zufriedenheit ausdrückte - und vielleicht auch ein bisschen Vorfreude.

Seine Mannschaft fügte dem bislang in einer eigenen Liga spielenden Spitzenreiter beim 4:3 an der Anfield Road die erste Niederlage der Saison zu. Zum ersten Mal seit dem 1:2 beim FC Chelsea Anfang April des vergangenen Jahres ging das Team von Josep Guardiola als Verlierer aus einem Spiel in der Premier League vom Feld.

Für City ist das Ende der Unantastbarkeit kein Drama. Die Mannschaft hat immer noch 15 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Manchester United, der an diesem Montag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Stoke den Spieltag abschließt. Für Liverpool hat der Sieg allerdings große Bedeutung. Er zeugt davon, wozu die Mannschaft schon jetzt fähig ist - und was in Zukunft möglich sein könnte, wenn der Klub das frisch eingenommene Geld klug investiert.

Der FC Liverpool hat gerade seinen vielleicht besten Spieler verkauft. Für offenbar 160 Millionen Euro wechselte Philippe Coutinho zum FC Barcelona. Was auf den ersten Blick wie ein herber Verlust aussieht, ist eher ein guter Handel für Liverpool. "Als Barcelona rief, gab es keine Chance, ihn zu halten. Liverpool konnte nur den Abschied verzögern und bekam einen fantastischen Preis", schrieb Graeme Souness, der Kapitän von Liverpools legendärer Mannschaft der frühen Achtzigerjahre, in der "Sunday Times".

Philippe Coutinho und Jürgen Klopp gehen getrennte Wege
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Philippe Coutinho und Jürgen Klopp gehen getrennte Wege

Der Sieg gegen City zeigte, dass Klopps Team nicht auf Coutinho angewiesen ist. Die Offensive ist auch ohne ihn stark genug mit Sadio Mané, dem ehemaligen Hoffenheimer Roberto Firmino und Afrikas Fußballer des Jahres Mohamed Salah, um die Abwehr des bislang makellosen Tabellenführers durcheinander zu wirbeln. Alle drei verbliebenen Mitglieder von Liverpools "Fab Four" trafen beim Sieg gegen City. Klopp bezeichnete den Erfolg als "wichtiges Statement", als angemessene Reaktion auf Coutinhos Weggang.

Die Probleme der Mannschaft liegen in der Defensive. Das war gegen Guardiolas Team wieder einmal zu beobachten. Beim zwischenzeitlichen 1:1 durch den deutschen Nationalspieler Leroy Sané verschätzte sich zuerst der 20 Jahre junge Verteidiger Joe Gomez, dann ließ Loris Karius den Ball ins kurze Eck passieren.

Der frühere Mainzer löste Stammtorwart Simon Mignolet ab, mit einer guten Leistung könnte er sich dauerhaft den Status als Nummer eins sichern, hatte Klopp vor dem Spiel gesagt. Doch falls Karius auch gegen den Tabellenletzten Swansea am Samstag wieder das Startrecht bekommt, dann wohl vor allem deshalb, weil die Partie gegen City mit einem Sieg endete, nicht wegen seiner eigenen Leistung. Neben seinem Fehler beim ersten Gegentor wirkte Karius bei Flanken zögerlich und gab seinen Vorderleuten zu selten Sicherheit.

In der Schlussphase brach Liverpool zusammen, wie schon oft in dieser Saison, zuletzt beim 3:3 beim FC Arsenal kurz vor Weihnachten, als das Team eine 2:0-Führung verspielte. Gegen City musste die Mannschaft wegen Nachlässigkeiten in der Abwehr zwei späte Tore durch Bernardo Silva und Ilkay Gündogan verkraften und brachte den Sieg auf den letzten Zentimetern des Spiels unnötig in Gefahr.

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4:3-Erfolg gegen Manchester City: Angriff der Reds

Die Partie deutete an, dass der FC Liverpool ein echte Spitzenmannschaft sein kann, in Zukunft vielleicht sogar ein Kandidat auf den Titel - wenn er die Millionen aus dem Coutinho-Verkauf nutzt, um die Mannschaft an neuralgischen Punkten zu stärken.

Der Klub braucht einen Torwart von internationaler Klasse. Und auch wenn die Verpflichtung von Leipzigs Mittelfeldmann Naby Keïta zur neuen Saison schon abgemacht ist, besteht in der Zentrale weiter Handlungsbedarf. Gesucht wird ein Profi, der nicht nur durch seine fußballerischen Qualitäten auffällt, sondern auch imstande ist, die Mannschaft mitzureißen und sie unbeschadet durch Situationen wie die Schlussphase gegen City zu manövrieren.

Liverpools Besitzer, die Fenway Sports Group aus den USA, hat die Problemzonen in der Mannschaft erkannt und ist bereit, viel Geld auszugeben, um die Mängel zu beheben. Das hat die Verpflichtung des gegen City verletzt fehlenden Innenverteidigers Virgil Van Dijk vom FC Southampton für angeblich 84 Millionen Euro gezeigt.

Klopps Lächeln kurz vor Schluss war nachvollziehbar. Er hat gute Gründe, mit der Gegenwart zufrieden zu sein - und sich auf die Zukunft zu freuen.

FC Liverpool - Manchester City 4:3 (1:1)
1:0 (9.) Oxlade-Chamberlain
1:1 (40.) Sané
2:1 (59.) Firmino
3:1 (61.) Mané
4:1 (68.) Salah
4:2 (84.) B. Silva
4:3 (90.+2) Gündogan
Liverpool: Karius - Gomez, Matip, Lovren, Robertson - Can (79. Milner), Wijnaldum - Oxlade-Chamberlain, Salah (88. Lallana), Mané (90.+4 Klavan) - Firmino.
Manchester: Ederson - Walker, Stones, Otamendi, Delph (31. Danilo) - De Bruyne, Fernandinho, Gündogan - Sterling (71. Bernardo Silva), Agüero, Sané.
Schiedsrichter: Marriner
Gelbe Karten: Firmino, Milner - Fernandinho, Otamendi, Sterling
Zuschauer: 53.258



insgesamt 2 Beiträge
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uweleg 15.01.2018
1. Wow... Liverpool kloppt City weg
Das war gestern ein sehr intensives Spiel, was durchaus von Fehlern einzelner Spieler geprägt war. Dennoch viel Einsatz gesehen, super Tore und das erste Mal in dieser Saison hatte ich dad Gefühl das City gewöhnlich aussah.
UnitedEurope 15.01.2018
2.
Liverpool hat einfach die schlechteste Defensive. Das war schon immer der Makel an Klopps Taktik, sie müssen immer mehr Tore schießen als sie bekommen, anstatt welche zu verhindern. Das bietet zwar Spektakel, aber die Defensive gewinnt Meisterschaften.
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