Premier League Klopps Probleme beim FC Liverpool

Wenn ihn ein Kollege den "verweichlichten Deutschen" nennt, kann das Jürgen Klopp weglächeln. Der Trainer hat in Liverpool ganz andere Sorgen. Der erhoffte Einzug in die Champions League dürfte für die Reds schwierig werden.

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Jürgen Klopp erlebt mit dem FC Liverpool seit seinem Amtsantritt ein Auf und Ab. Es begann im Oktober mit drei Unentschieden. Dann folgte eine beeindruckende Siegesserie mit der negativen Ausnahme Crystal Palace. Doch im Dezember wollte mit drei sieglosen Spielen in der Premier League wenig gelingen, ehe die 1:0-Siege gegen Leicester City und Sunderland für einen versöhnlichen Jahresabschluss sorgten - auch wenn Sunderlands Trainer Sam Allardyce Klopp als "verweichlichten Deutschen" bezeichnete.

Aktuell stehen die Reds auf dem siebten Tabellenplatz, punktgleich mit Manchester United, aber fünf Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Und es geht rasant weiter, schon heute sind die Liverpooler bei West Ham United zu Gast (13.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Klopp sehnt sich Verschnaufpausen herbei - doch das ist nur eines von diversen Problemen, die den deutschen Trainer herausfordern.

Problem 1: Starke Belastung

Bis Anfang Februar, wenn das Rückspiel gegen Leicester ansteht, müssen die Reds vermutlich acht Pflichtspiele bestreiten. Nach West Ham folgen die beiden Ligapokal-Halbfinalpartien gegen Stoke City. Im FA Cup dürfte Viertligist Exeter City keine allzu hohe Hürde darstellen, Ende Januar folgt schon die nächste Runde. Und in der Premier League geht es gegen die Spitzenteams FC Arsenal und Manchester United. Zum Vergleich: Klopps Ex-Klub Borussia Dortmund kommt wegen der Winterpause in der gleichen Zeit auf zwei Pflichtspiele.

Problem 2: Taktische Veränderungen

Die hohe Belastung ist der Hauptgrund dafür, dass bei den Reds noch keine spielerische Entwicklung zu erkennen ist. Gegen dominante Teams wie Chelsea (3:1) oder Manchester City (4:1) funktionierten Klopps Pressing-Ideen schon gut, gegen defensive Gegner stößt Liverpool aber immer wieder an seine Grenzen. Bei Ballbesitz fehlen Kreativität und die nötigen Laufwege, die Reds kommen dann zu selten vor das gegnerische Tor.

Der Trainer lässt wahlweise im 4-2-3-1 oder im 4-3-3 spielen. Das war so erwartet worden, für andere Systeme bräuchte der 48-Jährige mehr Trainingszeit. Vor allem die Offensivspieler handeln für Klopps "Vollgasfußball" noch zu statisch, es wird zu häufig reagiert. Doch das wird sich so schnell nicht ändern.

Mithelfen könnte dem Coach immerhin bald eine echte Liverpool-Legende. Steven Gerrard, Beruf Vereins-Idol, soll auf Wunsch von Klopp das Trainerteam verstärken. "Ich habe mit Klopp gesprochen. Ich habe noch kein klares Angebot, aber der Klub hat mich wissen lassen, dass sie mich gerne wieder dort sehen würden", sagte der 35-Jährige dem "Daily Telegraph". Gerrard hatte die Reds im Sommer nach 17 Jahren und 710 Spielen verlassen, er steht nun bei Los Angeles Galaxy in den USA unter Vertrag. Bisher hat er allerdings noch keinen Trainerschein, von daher wird er wohl erst in der kommenden Spielzeit dazu stoßen.

Problem 3: Transfermarkt

Seit Klopp als Nachfolger von Brendan Rodgers verpflichtet wurde, gibt es beinahe täglich Transfergerüchte rund um den FC Liverpool. BVB-Profis, Bundesligaspieler, Torhüter, Abwehrspieler, Mittelfeldspieler - die Reds wurden in den vergangenen Wochen mit sehr vielen Profis in Verbindung gebracht.

Klopp selbst äußerte in einem BBC-Interview Zweifel am Sinn von Wintertransfers - ohne sie komplett auszuschließen. Er wisse, dass es erstens teuer werden könnte und es im Fußball zweitens keine Erfolgsgarantie gäbe.

Tatsächlich braucht Liverpool auf zwei Positionen dringend Verstärkung. Simon Mignolet ist auf der Linie ein hervorragender Torwart, in der Strafraumbeherrschung zeigt der Belgier aber seit Monaten große Schwächen. Des Trainers Wunschkandidat soll Timo Horn vom 1. FC Köln sein, der Bundesligist wird sich aber mit allen Mitteln gegen einen Verkauf wehren. Exzellente Torhüter sind in der Winterpause schwer zu bekommen.

Liverpools Torhüter Mignolet (2.v.r.): Probleme bei der Strafraumbeherrschung
DPA

Liverpools Torhüter Mignolet (2.v.r.): Probleme bei der Strafraumbeherrschung

Ähnliches gilt für die Innenverteidigung. Unter Klopp wechseln sich Dejan Lovren, Mamadou Sakho und Martin Skrtel ab. Keiner aus diesem Trio kann das Spiel aber so eröffnen, wie es für eine hoch verteidigende Mannschaft wie Liverpool wichtig wäre. Ein Transfer wäre deshalb sinnvoll, aber auch hier gibt der Markt im Winter wenig her.

Problem 4: Tottenhams Konstanz

Der FC Chelsea kommt in der Tabelle der Premier League auch unter Guus Hiddink nicht vom Fleck und Manchester United wartet seit sechs Spielen auf einen Sieg. Ideale Voraussetzungen für Liverpool, den Sprung in die Champions League zu schaffen. Aber neben Überraschungsteam Leicester City gibt es eine zweite Mannschaft, die den Reds im Weg stehen könnte.

Nach einem schwierigen Saisonstart haben die Spurs von den vergangenen 15 Partien in der Premier League nur eine verloren. Trainer Mauricio Pochettino hat die beste Abwehr der Liga geformt, formte aus den englischen Talenten Harry Kane, Eric Dier und Dele Alli Leistungsträger, und so wird Tottenham in englischen Medien schon zum Titelanwärter erhoben.

Über den FC Liverpool liest man so etwas derzeit nicht.



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Seite 1
DerUnvorstellbare 02.01.2016
1. Er wird das schon hinkriegen
Die Premier League war in den letzten Jahren ja sehr schwach was die Taktik anging... also auch die Trainer. Sogar einer wie Mourinho wird da mit gut bewertet. Klopp hat in sehr kurzer Zeit viel verändert, Liverpool spielt jetzt tatsächlich Fussball. Ich habe keine Zweifel dass er es in die CL schafft, die Frage ist ob er in den Titelkampf eingreifen kann, was momentan etwas unrealistisch aussieht da Arsenal und City früher oder später ihre Serien starten werden und schon jetzt einen gewissen Abstand haben.
Hank Hill 02.01.2016
2. Immer schön langsam
Die Saison ist noch lang, und Liverpool kann noch ein ganzes Stück weiter vorn landen. Die Liverpudlians lieben Klopp weil er einem toten Team Leben eingehaucht hat. Er holt aus den Spielern, die sein Vorgänger gekauft hat, viel mehr raus als Brenda. Dazu kommt, daß die Fans seinen Stil Fußball zu spielen lieben. Wenn Klopp in den nächsten 3 Jahren nur einen Titel holt ist er in Liverpool unsterblich. In der EPL Meister zu werden ist der schwerste Job in Europa. Die Liga ist viel ausgeglichener als in Deutschland oder Spanien. Und gegen die aggressiven englischen Medien ist die Presse in Deutschland regelrecht zahm.
Sal.Paradies 02.01.2016
3. Wessen Probleme?
Ich frage mich ganz ernsthaft, von "welchen" Problemen Hr.Krämer da eigentlich schwadroniert? Das es welche gibt, ist klar, ansonsten hätten die Reds ja Klopp nicht geholt. Und ja, auch auf den von Hr.Krämer besprochenen Positionen gibt es handlungsbedarf. Aber ein Kernproblem, von dem Hr.Krämer eigentlich alles ableitet = CL-Platz "gibt es nicht" !! Ausser Hr.Krämer denkt in Liverpool kein Mensch an die CL-Qualifikation, da steht Hr.Krämer so ziemlich alleine mit dieser Meinung. Wenn Klopp Liverpool auf den Rängen 5-7 stabilisiert, wäre dies ein erster richtiger/wichtiger Schritt. Nur mal zum Vergleich. Ein L.v.G steht mit einer selbst eingekauften Mega-Millionen-Truppe nur wenig besser als Liverpool da, einer Mannschaft, die Klopp fertig und erst vor wenigen Wochen übernommen hatte. Von der Milliardärs-Truppe "Chelsea" gleich gar nicht zu sprechen. Insofern ist, was die Arbeit von Klopp angeht, im Moment alles im grünen Bereich und Hr.Krämer sollte damit aufhören über "Probleme" zu sprechen, die er vorher selbst geschaffen hatte..... ;-)
sergioo 02.01.2016
4. Bitte den Ball flach halten...
Dieser Beitrag ist in etwa so wage wie eine Prognose zum Wetter im kommenden Sommer! Es ist grad mal die Hinrunde gespielt, Liverpool steht auf Platz 7 und der Trend zeigt eindeutig nach oben. Ausserdem ist die Belastung für alle Teams im genannten Zeitraum mehr oder weniger die Selbe. Viel Glück Kloppi!
-volver- 02.01.2016
5. :-)
dieser Coach von sunderland will wohl nicht wahrhaben, dass es vielleicht ein Trainer wie klopp sein wird, der den fussball in der premier league endlich voran bringt. Europäische Spitze sieht derzeit anders aus.
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