Vorname wie Liverpool-Hymne Fußballfan nennt seine Tochter Ynwa - You'll never walk alone

Ein norwegischer Fan des FC Liverpool hat seine Tochter nach der Fußball-Hymne "You'll never walk alone" benannt - sie heißt Ynwa. Ein Gespräch über einen ungewöhnlichen Namen.

Liverpool-Fan mit YNWA-Schal
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Liverpool-Fan mit YNWA-Schal

Ein Interview von , Manchester


SPIEGEL ONLINE: Herr Solheim, herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter. Sie haben ihr den Namen Ynwa gegeben, nach der Abkürzung des Lieds "You'll never walk alone". Bei allem Respekt: Sind Sie verrückt?

Solheim: Vielen Dank. Klar, das ist schon ein bisschen verrückt, das wissen wir. Aber bei uns in Norwegen ist Ynva ein ganz normaler Name. Viele Mädchen heißen so. Wir haben einfach nur einen Buchstaben geändert. Aus dem V wurde ein W. Der Name wird genauso gesprochen wie die normale Variante, nämlich Ün-wah.

Zur Person
  • Kent Solheim
    Kent Solheim und seine Freundin Carine, beide 29 Jahre alt, leben in Larvik im Süden Norwegens, rund 130 Kilometer von Oslo entfernt. Ihre Tochter Ynwa Sofie kam am 1. Januar zur Welt. Sie ist das erste Kind des Paares. Kent Solheim ist schon sein ganzes Leben Fan des FC Liverpool, war bislang aber nie im Stadion an der Anfield Road.

SPIEGEL ONLINE: Es war also kein Problem, Ihre Tochter unter dem Namen anzumelden?

Solheim: Nicht wirklich. Wir mussten einfach nur einen Grund angeben, warum der Name anders geschrieben werden sollte.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie gesagt?

Solheim: Wir haben gesagt, dass wir einen Namen wollten, den nicht jeder hat. Und natürlich, dass "You'll never walk alone" eine besondere Bedeutung für uns hat. Ich bin schon immer Liverpool-Fan. Außerdem gefällt mir die Aussage des Songs. Er handelt davon, dass man in schweren Zeiten nicht die Hoffnung verlieren soll, dass es immer weitergeht. Ich hatte in der Vergangenheit Depressionen. Das Lied hat mir in der Zeit sehr geholfen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie die Idee schon lange mit sich herum getragen?

Solheim: Ja, mir war immer klar, dass ich mein Kind gerne so nennen würde. Als wir wussten, dass wir eine Tochter bekommen, musste ich noch meine Freundin überzeugen. Sie interessiert sich überhaupt nicht für Fußball und war am Anfang nicht begeistert von der Idee. Sie wollte, dass unsere Tochter Ynva heißt, also mit V, ganz normal. Als ich ihr erklärt habe, was mir das Lied bedeutet, hat sie eingewilligt.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen Ihre Freunde zu dem ungewöhnlichen Namen Ihrer Tochter?

Solheim: Alle finden, dass der Name schön klingt. Auch meine Freunde, die Fans von Everton oder von Manchester United sind, mögen ihn.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich überlegt, was es für Ihre Tochter später bedeuten könnte, dass sie nach einer Fußball-Hymne benannt ist?

Solheim: Klar, haben wir. Aber wie gesagt: Ynva ist ein ganz normaler Name. Man hört den Unterschied nicht. Außerdem geben die Leute in Norwegen ihren Kindern ohnehin gern Namen mit einer besonderen Bedeutung. Das ist ein richtiger Trend. Es gibt zum Beispiel Kinder, die nach Tinder benannt werden.

SPIEGEL ONLINE: Nach der Dating-App?

Solheim: Genau. Die weibliche Form ist Tindra, die männliche Form ist Tinder. Ich habe allerdings noch von niemandem gehört, der seine Tochter nach "You'll never walk alone" benannt hat.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie, wenn Ihre Tochter den Namen nicht mag?

Solheim: Die Möglichkeit besteht natürlich immer. Aber das wäre kein Problem. Sie hat einen Doppelnamen. Sie heißt Ynwa Sofie. Zur Not kann sie sich immer noch Sofie nennen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Und was passiert, wenn sie kein Liverpool-Fan wird, sondern Fan von Manchester United?

Solheim: Dann bin ich der Erste, der ihr ein United-Trikot kauft. Da werde ich sie unterstützen. Das ist doch klar. Aber so lange sie klein ist und noch nicht selbst entscheiden kann, bekommt sie Liverpool-Sachen. Sie hat schon zwei Trikots, das aktuelle und das aus der Vorsaison.

SPIEGEL ONLINE: Dann sollte ja eigentlich nichts schief gehen.

Solheim: Das denke ich auch. Bei mir hat es auch funktioniert. Mein Vater hat mir mein erstes Liverpool-Trikot geschenkt, als ich drei Monate alt war. Für mich war immer klar, dass das mein Klub ist.



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
N-Zyan 06.02.2018
1. "Ynva" - You'll never valk alone?
Wohl eher Ynwa, oder? Bitte mal die Überschrift mit dem Text abgleichen. Danke!
tunafan 06.02.2018
2. Beknackt
Wenn der Papa lieber Liverpool Fan ist als Anhänger einer lokalen/regionalen Mannschaft in Norwegen, kann ich das kaum verstehen. Wenn er aber seine Tochter durch seine eigene, sehr persönliche Leidenschaft dazu zwingt, ihr Leben lang mit einem komplett beknackten Namen herumzulaufen, dann ist für mich eine Grenze überschritten, das ist für mich einfach nur dumm und rücksichtslos.
schwester arno 06.02.2018
3. Optional
Na ja, das kommt halt dabei raus, wenn Eltern (hier wohl eher ein Elternteil) meinen sich im Vornamen ihrer Kinder selbst verwirklichen zu müssen und dabei nicht mal ansatzweise kapieren, dass sie ihren Sprösslingen keinen Gefallen machen. Wenn es dann so ausgeht, wie in Neuseeland als die kleine Ex-"Talula does the Hula from Hawai" gegen ihre Eltern wegen des Vornames klagt und gewinnt, kann es auch für Eltern zu Problemen kommen. Zum Bespiel, dass man ihnen das Kind wegnimmt. Man kann sich auch durchaus fragen, ob dem Fussballfanatiker seine Mannschaft wichtiger ist als sein Kind, aber das muss er selbst wissen.
interstitial 06.02.2018
4. Naja
Eigentlich ist der name ganz schön, und die Änderung der Schreibweise um einen buchstaben nun wirklich kein Ding. Wenns einem an sich schönen namen noch eine familiengeschichtliche Nebenbedeutung gibt, ist doch toll. Nur gut, dass das Mädchen nicht in Morrowind aufwachsen muss... ^^ ;-) https://www.urbandictionary.com/define.php?term=n'wah
Atheist_Crusader 06.02.2018
5.
Zitat von schwester arnoNa ja, das kommt halt dabei raus, wenn Eltern (hier wohl eher ein Elternteil) meinen sich im Vornamen ihrer Kinder selbst verwirklichen zu müssen und dabei nicht mal ansatzweise kapieren, dass sie ihren Sprösslingen keinen Gefallen machen. Wenn es dann so ausgeht, wie in Neuseeland als die kleine Ex-"Talula does the Hula from Hawai" gegen ihre Eltern wegen des Vornames klagt und gewinnt, kann es auch für Eltern zu Problemen kommen. Zum Bespiel, dass man ihnen das Kind wegnimmt. Man kann sich auch durchaus fragen, ob dem Fussballfanatiker seine Mannschaft wichtiger ist als sein Kind, aber das muss er selbst wissen.
Grundsätzlich geben ich Ihnen Recht: ein Kind ist weder Spielzeug noch Lifestyle-Artikel noch Eigentum - sondern eine Verantwortung. Und Eltern die das anders sehen sollten keine Kinder erziehen dürfen. Aber dies ist eines von den Bereichen wo es sinnvoll ist Einzelfälle zu prüfen. Da wäre zum Beispiel die Frage der Aussprache. Ich mag mich irren, aber "Ynwa" scheint mir phonetisch nicht so weit von im skandinavischen (und auch um deutschen) Raum gebräuchlichen Namen wie "Inga" entfernt zu sein. Das scheint mir nicht etwas zu sein das dem Kind zwingend das Leben ruinieren würde. Aber wie gesagt: das sollten Leute die da mehr von verstehen beurteilen. Natürlich, gänzlich unproblematisch sind solche "kreativen" Namen niemals. Wer als Arbeitgeber so etwas in einer Bewerbung vorliegen hat, wird (wohl nicht ganz zu Unrecht) ein bildungsfernes Elternhaus vermuten und sich lieber den 300 anderen Bewerbern widmen.
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