Remis zwischen Liverpool und ManCity Respekt

Weil Manchester City in der Vorsaison in Liverpool unterging, wählte Trainer Pep Guardiola eine vorsichtige Herangehensweise. Das torlose Unentschieden zeigte: Englands Titelkampf wird spannend.

Guardiola gratuliert Salah, Salah gratuliert Guardiola
REUTERS

Guardiola gratuliert Salah, Salah gratuliert Guardiola

Aus Liverpool berichtet


Am Ende eines intensiven aber torlosen Nachmittags war die Anfield Road ein Ort der Harmonie. Das Publikum spendete den Mannschaften des FC Liverpool und von Manchester City Applaus, als sie den Rasen verließen. Jürgen Klopp herzte nicht nur die eigenen Spieler, sondern umarmte auf dem Weg in die Kabine auch Bernardo Silva, John Stones und Kyle Walker, alle Profis des Gegners.

Als Klopp und sein Trainerkollege Pep Guardiola im angenehm beheizten Presseraum das Unentschieden im Spitzenspiel der Premier League zwischen Meister City und Herausforderer Liverpool besprachen, machten sie dem Gegner reihenweise Komplimente. "An der Anfield Road ist es so schwer. Jeder wusste, was uns hier erwartet", sagte Guardiola. "Es ist eine unglaubliche Herausforderung, gegen City zu spielen. Beide Mannschaften hatten großen Respekt voreinander", sagte Klopp.

Gegenseitiger Respekt - das ist der Schlüssel, um dieses 0:0 zu erklären.

In der vergangenen Saison bedeutete Liverpool gegen City: Spektakel und Tore. An der Anfield Road überrollte Klopps Gegenpressing-Maschine den Gegner gleich doppelt. Es gab ein 4:3 in der Liga, nach zwischenzeitlichem 4:1, und ein 3:0 im Viertelfinale der Champions League. Beide Male profitierte Liverpool von der offensiven Ausrichtung des Gegners. Beide Male festigte Klopp seinen Ruf als einziger Trainer des Planeten, der ein Rezept gegen Guardiola hat.

Klopp und Guardiola im Austausch
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Klopp und Guardiola im Austausch

Manchester City ist überragend Meister geworden - dank eines dominanten Stils mit hoch stehender Abwehr; fiel im direkten Aufeinandertreffen allerdings Klopps Überfall-Fußball zum Opfer. Das wollte Guardiola diesmal unbedingt vermeiden. Er hat aus der Vergangenheit gelernt. Im Wissen um die Konterstärke des Gegners spielte seine Mannschaft zurückhaltender als sonst, nahm bewusst das Tempo aus der Partie und achtete darauf, Liverpool keinen Platz zu lassen.

"Wenn es ein offenes Spiel an der Anfield Road ist, hast du keine Chance, nicht ein Prozent. Dafür ist Liverpool zu gut. Es ist die beste Mannschaft der Welt im Umschalten von der Abwehr in den Angriff", sagte Guardiola und erklärte so den ungewohnten defensiven Auftritt seines Teams.

Er klang wie der Trainer eines Außenseiters, der froh darüber war, kein Debakel erlitten zu haben. Und in der Tat konnte er mit dem Ergebnis gut leben. "Wir haben einen Punkt geholt. Das ist in Ordnung", sagte Guardiola, obwohl seine Mannschaft kurz vor dem Ende die Chance zum Sieg hatte. Liverpools Verteidiger Virgil Van Dijk hatte den eingewechselten Leroy Sané gefoult, es gab Elfmeter. Rekord-Einkauf Riyad Mahrez (kam vor der Saison für knapp 70 Millionen Euro aus Leicester) trat an - und drosch den Ball weit übers Tor, in Richtung Schottland.

Fehlschuss von Mahrez
AFP

Fehlschuss von Mahrez

Stimmungstechnisch war das der Höhepunkt an der Anfield Road. Die heimischen Fans bejubelten den Fehlschuss wie einen eigenen Treffer. Wegen fehlender Torchancen mussten sich die Zuschauer an anderen Aktionen erfreuen, an den Grätschen von Liverpools kroatischem Verteidiger Dejan Lovren, an Manchester Citys Ballverlusten im Aufbauspiel - oder eben am verschossenen Strafstoß. Die Partie hatte kaum Höhepunkte, trotzdem war sie durchaus unterhaltsam, vor allem in Liverpools starker Anfangsphase und in der umkämpften zweiten Hälfte.

Das Unentschieden hat bestätigt, dass die Aussichten auf ein spannendes Titelrennen in der Premier League in dieser Saison gut sind. Nach acht Spieltagen sind Manchester City, Liverpool und auch der FC Chelsea noch ungeschlagen. Die drei Mannschaften belegen punktgleich die Plätze eins bis drei. Dahinter folgen mit zwei Zählern Rückstand der FC Arsenal und Tottenham Hotspur. Aktuell deutet wenig auf die klaren Verhältnisse des Vorjahres, als City mit 19 Punkten vor dem Lokalrivalen United Meister wurde.

"Ich wusste schon vorher, dass es intensiv wird", sagte Klopp über das Gedränge an der Spitze und gab an, zufrieden zu sein mit dem bisherigen Verlauf der Spielzeit: "Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt 20 Punkte haben, hätte ich gesagt: das kaufe ich." Im vergangenen Jahr hatten die Reds nach acht Spieltagen nur 13 Punkte - und am Ende lag das Team als Vierter 25 Punkte hinter City zurück.

FC Liverpool - Manchester City 0:0
Liverpool:
Alisson - Gomez, Lovren, van Dijk, Robertson - Wijnaldum, Henderson, Milner (29. Keita) - Salah, Firmino (72. Sturridge), Mané
Manchester: Ederson - Walker, Stones, Laporte, Mendy - Fernandinho - Mahrez, Bernardo Silva, David Silva, Stering (76. Sané) - Agüero (66. Jesus)
Schiedsrichter: Atkinson
Gelbe Karten: Wijnaldum - Mendy, Bernardo Silva, Agüero
Zuschauer: 52.117

insgesamt 2 Beiträge
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golfstrom1 26.01.2016
1. Englische Meisterschaft
Ich erwarte ein extrem langes und enges Rennen um die englische Meisterschaft. Liverpool scheint in diesem Jahr defensiv deutlich stärker zu sein als letztes Jahr. Das könnte den entscheidenden Impuls bringen diese Saison noch erfolgreicher zu sein. Nach vorne ist Liverpool immer für Tore gut und sie sind diese Saison noch mehr in der Lage qualitativ schlechter besetzte Teams auch problemlos zu besiegen. Das war vor allem in der letzten Hinrunde noch das Problem. Ich erwarte, dass dieses Jahr Jürgen Klopp mit seinen Liverpoolern das Rennen macht. Ich glaube sie sind am hungrigsten, weil die allermeisten Liverpooler Spieler noch nie diesen Titel gewinnen konnten. Dazu hat Klopp den Kader in der Breite deutlich besser aufgestellt, sodass er mehr noch als die vergangenen Jahre in der Lage sein wird durch Wechsel Impulse setzen zu können.
meresi 08.10.2018
2. Der Druck ist groß
Viele erwarten die Poodles am Ende der Saison an der Spitze. Das könnte gefährlich werden. Die Angst das erwartete Ergebnis nicht zu erreichen könnte zu Verkrampfungen führen. Es geht schließlich nicht nur um die Meisterschaft, auch die CL ist ein Titel den die Reds gerne einsacken würden. Nach all den Jahren der dürftigen Ergebnisse. Aber wie sagen die Amis so schön : we trust in Klopp, oder so ähnlich
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