Drei Thesen zur Bundesliga Schalke fehlt ein Plan B

Domenico Tedesco hatte gegen die Hertha viele taktische Formationen parat, aber keine echte Idee. Pál Dárdai gewinnt das Trainerduell auf Schalke - und in Leipzig wünscht man sich, es wäre schon 2019.

Domenico Tedesco
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1. Tedescos Schalke braucht einen Plan B

Dass Schalkes Fans trotz Platz zwei im vergangenen Jahr nicht durch Offensivspektakel verwöhnt wurden, ist bekannt. Eher ging und geht es bei S04 unter Trainer Domenico Tedesco darum, aus einer klaren defensiven Ordnung heraus und mit viel Geduld den Gegner zu lähmen und dann - mit schnellem Umschaltspiel - effektiv zuzuschlagen.

Zu Beginn dieser Spielzeit ist von einer stabilen Grundordnung und einem Erfolg versprechenden Plan aber bisher nichts zu sehen. Gegen Hertha war es erschreckend mit anzusehen, wie Schalke im Aufbau agierte. Auch taktische Umstellungen Tedescos (erst 4-3-3, dann 3-5-2, später 4-2-3-1) änderten daran wenig. Sie sorgten eher dafür, dass sein Team von Minute zu Minute überforderter wirkte. Planlos eben.

Amine Harit
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Nach dem Abgang Leon Goretzkas fehlt der Taktgeber im Zentrum, im Mittelfeld mangelt es an der nötigen Balance. Dazu kommt, dass Schalke noch dabei ist, die Neuzugänge Sané, Uth und Serdar ins Teamgefüge einzupassen. Nur: Dass in der Bundesliga keine Zeit für Experimente bleibt, wissen die Schalker noch gut aus der Fehlstart-Saison 2016/2017, als gleich die ersten fünf Partien in Folge verloren gingen. Schalke braucht schnell einen Plan, der von Tedesco kommen und auf das vorhandene Material passen muss.

2. Digestif nach destruktiv: Dárdais Hertha ist variabler als gedacht

Pál Dárdai hat im deutschen Fußball nicht den besten Ruf. Das mag an seiner destruktiven Spielweise liegen, an seiner Gabe, schier jedes Spiel kaputt und unansehnlich machen zu können. Aber auch Dárdai entwickelt sich weiter. Ließ er in den vergangenen Jahren konsequent sein 4-4-2 oder 4-2-3-1 spielen, versucht er es in dieser Saison mit einer Dreierkette. So weit, so erfolgreich. Was aber, wenn sich einer der zentralen Spieler in diesem Konstrukt verletzt? Diese Beobachtung konnte man im Spiel gegen Schalke 04 nach der Auswechslung von Karim Rekik machen. Hertha stellte auf ein 4-3-3 um - und wirkte nach wie vor stabil. Sie sind taktisch variabler geworden, der moderne Fußball scheint eingekehrt in der Hauptstadt.

Dárdai setzt aber gleichzeitig auf altbackene Kniffe: Gegen Schalke war es die Personalie Ondrej Duda. Der Mittelfeldspieler ist eigentlich einer der kreativsten Köpfe im Berliner Ensemble, hatte gegen Schalke aber einen zentralen Auftrag: Sebastian Rudy in Manndeckung nehmen. Und wie gut er das tat, zeigte sich allerspätestens in der 50. Minute, als Schalkes Trainer Domenico Tedesco Rudy nach nur 19 Ballaktionen erlöste und auswechselte.

Zu sagen, Rudy hätte in dem Spiel keine Rolle gespielt, wäre untertrieben. Die Hauptrolle spielte dagegen Duda. Denn neben seiner Kernkompetenz als Rudys Schatten schoss er kurzerhand auch noch das 1:0, war in fast jedem Berliner Konter der zentrale Anspielpunkt - und sorgte mit seinem sehenswerten Freistoß für die Entscheidung in der Schlussminute. Es war der Verdauungsschnaps nach einem nicht sonderlich schön anzusehenden Bundesligaspiel. Dárdais Plan ist aufgegangen.

3. Nagelsmann kommt ein Jahr zu spät

Es gab Zeiten, da wurde Leipzigs Trainer Ralf Rangnick als Fußballprofessor gepriesen. Als einer, der taktisch in anderen Sphären schwebt, dessen Spielidee innovativ und erfolgreich zugleich ist. Diese Zeiten sind spätestens nach dem 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf vorbei. Leipzigs 4-2-2-2 oder 4-2-4, wie man auch nennen mag, scheint in die Jahre gekommen zu sein. Das musste im vergangenen Jahr bereits Ralph Hasenhüttl schmerzhaft erfahren, in dem ihm nämlich mitgeteilt wurde, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Hasenhüttl trat zurück, Rangnick übernahm seinen Platz auf der Trainerbank. Die Spielidee blieb jedoch dieselbe, denn auch vorher hatte Rangnick im Hintergrund die Fäden gezogen.

Ralf Rangnick
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Ralf Rangnick

Zugegeben: Rangnicks Rückkehr auf den Trainerstuhl war nicht ganz freiwillig. Ein Jahr muss noch überbrückt werden, ehe Wunschtrainer Julian Nagelsmann bereitsteht. Ein verlorenes Jahr, wie es scheint. Denn: zu Hause gegen einen Aufsteiger nur remis zu spielen, das kann passieren. Gegen einen Aufsteiger zu Hause aber die schlechtere Mannschaft zu sein, das widerspricht dem Anspruch von RB Leipzig. Rangnicks Spielidee scheint ausgelutscht. Trainerfüchse wie Friedhelm Funkel hatten genug Zeit, das Leipziger Spiel zu durchdringen. Diese schmerzhafte Erfahrung muss Rangnick jetzt machen, erst in der vergangenen Saison mit Hasenhüttl - und jetzt am eigenen Leib. Nagelsmann bringt frischen Wind. Aber eben erst nächste Saison.



insgesamt 6 Beiträge
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kraijjj 03.09.2018
1. Schalke vs Hertha
"Es war der Verdauungsschnaps nach einem nicht sonderlich schön anzusehenden Bundesligaspiel" Ich finde ja, diese Meinung hat der Autor mal wieder fast exklusiv für sich. Klar, bei Hertha ist man wohlwollende Einschätzungen hier eh nicht gerade gewohnt aber ich fand Herthas Spiel im Ganzen ganz gut anzuschauen.
prince62 03.09.2018
2. Wer beste Chancen versemmelt, bei dem steht dann die Null
Na ja, so schlimm ist es ja auch nicht gewesen, gestern ABend in der ARD-Zusammenfassung wurden doch eine ganze Menge hochkarätiger Chancen der Schalker gezeigt, die Berliner versemmelten allerdings ebenfalls einige hochkarätige Chancen, da kann der junge Trainer auch nichts machen, die Schalker waren ja deutlich überlegen, da Berlin nur auf Konter aus war, aber wenn die Stürmer - Uth, Burgstaller - keine auch noch so klare Chancen verwerten, dann steht halt die Null, oder muß der Trainer jetzt auch noch die Tore machen. Allerdings geht auf Schalke jetzt wohl schon die Panik langsam los, die haben wohl mehr erwartet als den 2. Platz im letzten Jahr bzw. zumindest die Wiederholung, jetzt wieder auswärts und dann die Bayern zu Hause, kann also auch nach 4 bzw. 5 Spieltagen auf dem Punktekonto die Null stehen und was dann?
tomlex27 03.09.2018
3. Gelsenkirchener Grottenkicker
Andere Teams haben dazu gelernt, Schalke nichts. Es ist einfach für die anderen Teams sich auf die Schalker Spielweise einzustellen. Hinten reinstellen, nichts zulassen und vorne half/ hilft der liebe Gott- so wie damals so jetzt auch. Zurecht wurde in der vergangenen Saison auf die spielerischen Unzulänglichkeiten im Mittelfeld hingewiesen. Der zweite Platz war ja eh ein Witz und zeigte nur, wie schwach die Bundesliga vergangene Saison aufgestellt war. Man darf hoffen, dass sich das in diesem Jahr ändern wird. Der Schalker Fussball der vergangenen Saison war einfach nur unansehlich, in dieser Saison wird dieses Nichtskönnen hoffentlich von den Gegnern bestraft. Sollte einfach sein, es hat sich bei Schalke ja nichts verändert.
payblack 03.09.2018
4. Keine Entwicklung, keine Konstanz in der Liga absehbar - schade!
Es ist erst der zweite Spieltag, aber es scheint schon wieder Ernüchterung einzutreten. Während die Bayern scheinbar immer noch "hungrig" sind findet andernorts keine Entwicklung statt. Leverkusen - schwach, Gladbach - kann froh sein über ein Unentschieden bei überlegenen Augsburgern, Schalke, ohne Fortune und ziemlich planlos, Dortmund stolpert in Hannover, Leipzig kommt nicht in Tritt. Es ist ja auch groß in Mode, den Ballbesitzfußball zu geißeln und als langweilig/ineffektiv zu deklarieren, siehe DFB und FCB. Wenn ich aber jetzt wieder sehe und es auch nach Statistiken ablesbar ist, dass eine Mannschaft wie der BVB lieber 96 den Ball überlässt, finde ich das grenzwertig. Diese Komfortzone und die Floskeln "schnelles Umschaltspiel, Nadelstiche setzen" sind einfach nervig. Warum nicht mal das Selbstbewusstsein, mit dem Ball den Gegner das Spiel aufzuzwingen, wenn man doch das bessere Team hat? An Bayerns Stelle hätte ich mal am 31.ten Spieltag der letzten Saison einfach so aus Spaß mal ein Spiel gespielt, wie es die Gegner der Bayern sonst tun. Dem Gegner den Ball überlassen und nur auf Konter setzen. Dann hätten die Leute mal gesehen, wie langweilig so ein Fußball ist, wenn zwei ihn spielen. Wenn in der Liga nun zwei Drittel der Teams eher auf einer destruktiven Spielweise aufbauen, dann mal gute Nacht. Da kann man fast nur auf den Konzeptfußball von Teams wie Leipzig und Hoffenheim hoffen.
-volver- 03.09.2018
5. ...
Wie soll den diese schalker truppe in der cl zurechtkommen? International wirds wohl wieder ein desaster für die bundesliga. Tedesco ist wohl doch nicht so der überflieger als trainer.
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