Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ärger auf Schalke: "Ständig Feuer"

Von

Schalke-Sportchef Heldt (l.), Trainer Breitenreiter: Bunter Zirkus der Schrägheiten Zur Großansicht
DPA

Schalke-Sportchef Heldt (l.), Trainer Breitenreiter: Bunter Zirkus der Schrägheiten

Schalke hat den Rückrundenstart verpatzt, zuletzt schien es, als stünde Trainer Breitenreiter vor dem Aus. Sportdirektor Heldt springt ihm zur Seite. Der Klub braucht einen Trainer, der keine Angst hat, wirklich etwas zu ändern.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.

Wer zu Wochenbeginn die Internetseite des FC Schalke 04 aufrief, dem sprang ein markantes Wortpaar ins Auge. "Völliger Schwachsinn!", stand da über einem Artikel, und für all jene Beobachter, die den Revierklub als bunten Zirkus der Schrägheiten betrachten, muss das ziemlich lustig ausgesehen haben.

Zuvor hatte der Schalke-Spezialist des Sportsenders Sky in einem als Kommentar gekennzeichneten Lagebericht erzählt, dass Trainer André Breitenreiter "zwischenmenschlich arge Probleme" habe. "Intern gibt es massive Kritik, und die zieht sich durch alle Bereiche des Vereins", hatte der Reporter vermeldet und den Eindruck vermittelt, als sei der Trainer eigentlich nicht mehr haltbar. Quellen nannte der Sender nicht.

Manager Horst Heldt konterte umgehend: Solche Mutmaßungen seien - eben - "völliger Schwachsinn", und Torhüter Ralf Fährmann äußerte sich bei Instagram so: "Da kann man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen! (...) Einfach irgendwelche Behauptungen aufzustellen, die völlig an der Realität vorbeidriften..... Lasst uns doch mal über Monate ruhig arbeiten, ohne ständig Feuer zu legen."

Irgendjemand ist immer unzufrieden

Tatsächlich lässt sich in Momenten des sportlichen Misserfolgs immer jemand finden, der unzufrieden ist. Die Frage ist nur, was daraus gemacht wird. "Wenn man Trainer ist, hat man viel Verantwortung, man muss harte Entscheidungen treffen, es ist ein Stück weit normal, dass die nicht jedem gefallen", sagt Heldt. Aber auf Schalke entstehen auf diesem Nährboden ungewöhnlich schnell Gerüchte, die man sich auf unterschiedlichsten Ebenen zuraunt, bis sie sich zu einer neuen Chaosmeldung verdichtet haben.

Hinzu kommt: Trainer werden in Gelsenkirchen besonders kritisch, mitunter sogar argwöhnisch beobachtet. Jede Schwäche, jede verbale Ungenauigkeit wird akribisch seziert. Und ein selbstbewusster Coach, wie André Breitenreiter einer ist, der nicht auf alles und jeden Rücksicht nimmt, hat besonders wenig Kredit. Dass er Konflikte mitunter etwas sensibler lösen könnte, ist gut möglich, auffallend ist jedoch: Fast alle Trainer, die auf Schalke wirklich etwas ändern wollen, bekommen Probleme. Und das kann wohl kaum alleine an ihnen liegen.

Schalke ist nicht nur wegen seiner Größe, seiner leidenschaftlichen Anhänger und seines unberechenbaren Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies ein schwieriger Arbeitsplatz für Übungsleiter. Wer hier Dinge verbessern will, stößt auf Widerstände. Und sobald der Erfolg ausbleibt, auch auf Feindseligkeit.

In Gladbach wurden Favres Eigenheiten lange ertragen

Das ist derzeit der Fall: Der sportliche Fortschritt verläuft schleppend, zuletzt gab es eine 1:3-Niederlage gegen Werder Bremen. Nun scheinen sich die Kritiker im Verein hervorzuwagen. Bei den Fans hatte Breitenreiter für Verwirrung gesorgt, als er das Duell mit dem BVB im vergangenen November als "Bonusspiel" bezeichnete. Auf Schalke verbreitet sich in solchen Momenten der Eindruck, dass Verantwortliche von außerhalb kein Gespür für das ganz besondere Wesen dieses Fußballstandortes haben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum es so kompliziert ist, den FC Schalke zu modernisieren.

Heldt, dem nicht das beste Verhältnis zu Breitenreiter nachgesagt wird, scheint das verstanden zu haben. Er weiß mittlerweile, dass dieser Klub einen Trainer braucht, der keine Angst hat, auch mal Leuten weh zu tun. Jedenfalls sagt er, er wolle "einen Trainer, der von sich überzeugt ist". Es mache "keinen Sinn, einen Ja-Sager in vorderster Front zu haben". Breitenreiter führe die Mannschaft "ganz hervorragend". Doch trotz dieser Worte steht Breitenreiter nun im Scheinwerferlicht und muss sich gegen die Kritiker wehren.

Andere Vereine haben hingegen eine gewisse Fähigkeiten darin entwickelt, Trainer zu führen und coachen. Die Mitarbeiter von Borussia Mönchengladbach haben beispielsweise jahrelang kunstvoll die Eigenheiten von Lucien Favre moderiert und auch ertragen. Die Fraktion der Lästerer und Nörgler auf Schalke, die zum Teil auch aus Journalisten besteht, verhindert das.

Es wird spannend, wie Christian Heidel, der Manager, der im kommenden Sommer Horst Heldt beerben wird, in diesem Umfeld zurechtkommt, in dem ja auch noch Tönnies unterwegs ist. Der Aufsichtsratschef war am Ärger dieser Woche ausnahmsweise einmal unbeteiligt, wobei der Patriarch am Samstag von einem angeblichen Werben um die Innenverteidiger Kevin Wimmer ( Tottenham Hotspur) und Anthony Brooks (Hertha BSC Berlin) berichtete. "Bei Wimmer und Brooks sind wir in intensiven Gesprächen", hatte Tönnies gesagt.

Das war nicht nur erstaunlich, weil solche Verhandlungen gar nicht in sein Ressort fallen, sondern auch, weil es ihm zuvor eine ganze Hinrunde lang gelungen war, das Tagesgeschäft nicht durch irgendwelche seltsamen Störmanöver zu belasten. Heldt erwiderte, Tönnies habe da "eine gute Nebelkerze losgelassen".

Die hat sich aber längst in den Wirren um den Trainer verflüchtigt.

Zusammengefasst: Der FC Schalke kommt auch unter Trainer André Breitenreiter nicht zur Ruhe. Die anfängliche Euphorie ist längst verflogen. Gerüchte, wonach das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern zerrüttet sei, wurden von Sportchef Horst Heldt dementiert. Dennoch steht der 42-Jährige enorm unter Druck. Auch die Fans scheinen mittlerweile die Geduld mit ihm verloren zu haben.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
userama09 26.01.2016
Schalke hat am 10.03.15 4:3 bei Real Madrid gewonnen. Das wird noch gefeiert. Der FC Pomade ruht sich halt auf seinen Erfolgen aus, gern auch etwas länger.
2. Ruhe wäre gut!
dr.joe.66 26.01.2016
Zitat von userama09Schalke hat am 10.03.15 4:3 bei Real Madrid gewonnen. Das wird noch gefeiert. Der FC Pomade ruht sich halt auf seinen Erfolgen aus, gern auch etwas länger.
bezieht sich das "09" im Nick auf die Lüdenscheider? Aber geschenkt. Schalke hat eine lange Tradition an eitlen und selbstsüchtigen Führungspersönlichkeiten. Leider. Wir Fans wünschen uns schon lange etwas anderes. Aber Wurstfabrikanten hören nicht immer auf ihre Fans - nicht nur auf Schalke... Ideal wäre ein Team mit wirtschaftlichem Sachverstand, Manager-Sachverstand, Fußball-Sachverstand. Dazu ein charismatischer Trainer. Und die dann mal in Ruhe arbeiten lassen. Die Lüdenscheider sind 2008 fast abgestiegen und waren de facto pleite. Dann kamen Watzke und Klopp. Der Rest ist Geschichte. Sowas ähnliches hätte ich gerne in königsblau...
3.
skeptikerjörg 26.01.2016
Mit ein Grund, weshalb Schalke seit 1958 von einer weiteren Meisterschaft träumt. Ein ziemlich unprofessionell geführter Verein, in dem nur die Tagesaktualität zählt, ohne Vision und ohne strategische Planung.
4. Der Mythos lebt
roithamer 26.01.2016
und verhindert jeden Erfolg. Schalke sollte endlich mal den Fußball in den Mittelpunkt rücken und alle buntschillernden Personen, ob Aufsichtsräte oder Fans, nach Hause schicken.
5.
politik-nein-danke 26.01.2016
Zitat von dr.joe.66bezieht sich das "09" im Nick auf die Lüdenscheider? Aber geschenkt. Schalke hat eine lange Tradition an eitlen und selbstsüchtigen Führungspersönlichkeiten. Leider. Wir Fans wünschen uns schon lange etwas anderes. Aber Wurstfabrikanten hören nicht immer auf ihre Fans - nicht nur auf Schalke... Ideal wäre ein Team mit wirtschaftlichem Sachverstand, Manager-Sachverstand, Fußball-Sachverstand. Dazu ein charismatischer Trainer. Und die dann mal in Ruhe arbeiten lassen. Die Lüdenscheider sind 2008 fast abgestiegen und waren de facto pleite. Dann kamen Watzke und Klopp. Der Rest ist Geschichte. Sowas ähnliches hätte ich gerne in königsblau...
Ich dachte immer der Aufsichtsrat wird von der Mitgliederversammlung gewählt? Warum wählt man denn solche Leute die nicht auf einen hören?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Das große Bilderrätsel

Fotostrecke
Millionen für Spieler: Die teuersten Bundesliga-Transfers

Themenseiten Fußball
Tabellen


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: