Schalkes Remis in Köln Zu viel Augenhöhe

Der FC Schalke will wieder in den Europapokal. Das 1:1 beim 1. FC Köln hat aber gezeigt, was für eine extreme Leistungsdichte den Mittelbau der Bundesliga prägt. Rang sechs wird für S04 immer unwahrscheinlicher.

Aus Köln berichtet


Immer wieder war lautes Gelächter zu hören. Schalkes Benedikt Höwedes war dem Kölner Jonas Hector begegnet, die beiden kennen sich aus der Nationalmannschaft. Und nun amüsierten sie sich prächtig, nachdem ihre Klubs den 21. Bundesliga-Spieltag mit einem sehenswerten 1:1 abgeschlossen hatten.

Einige Berichterstatter fanden die gute Laune etwas befremdlich, schließlich hätten beide Spieler sich auch über zwei verlorene Punkte ärgern können. Köln verpasste den Sprung auf Platz fünf, S04 hätte den Rückstand auf den Sechsten Hertha BSC auf sechs Punkte verkürzen können.

Eigentlich ärgerte sich niemand im Nachgang dieses Unentschiedens. "Insgesamt haben wir hier sehr stabil gespielt, mit einer sehr guten Spielanlage", sagte Höwedes. Und Peter Stöger lobte seine Mannschaft für ein "richtig gutes Spiel", er sei "sehr zufrieden mit der Performance", erklärte der Kölner Trainer.

Natürlich hätten die Schalker gewinnen können, sie waren in der Schlussphase besser, wirkten trotz Europapokaleinsatz am Donnerstag am Ende frischer und hatten in der zweiten Halbzeit drei, vier gute Chancen, dem frühen Tor von Alessandro Schöpf einen zweiten Treffer hinzuzufügen. Andererseits wäre Kölns Dominique Heintz in der Nachspielzeit beinahe noch das Siegtor für den FC geglückt. Insgesamt war das Ergebnis gerecht, denn irgendwie wirkten an diesem Abend beide Mannschaften zu stabil, um zu verlieren.

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Bundesliga: Turbulent begonnen, stark nachgelassen

"Es war fast alles ausgeglichen, außer die Anzahl der großen Chancen, da waren wir ein ganzes Stück vorne", sagte der Schalker Manager Christian Heidel. Dafür haben die Kölner mit Anthony Modeste den neben den Superstars Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang großartigsten Torjäger der Liga. "Wenn wir den auf unserer Seite hätten, dann stünden wir weiter vorne, da liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Mannschaften aktuell", lautete die Analyse des Schalker Trainers Markus Weinzierl, nachdem Modeste mal wieder ein Weltklassetor geschossen hatte.

Aus 20 Metern gelang dem Torjäger ein atemberaubender Flachschuss mit der Innenseite, wuchtig, präzise, technisch hochwertig. Und dieses Tor wurde besonders ausgiebig gefeiert, weil Modeste sich schon früh im Spiel an der Schulter verletzt hatte. Er bekam Schmerzmittel, konnte den Arm kaum bewegen und führte fast eine halbe Stunde lang keinen echten Zweikampf. "Ich habe gesehen, dass er nicht hundertprozentig einsatzfähig ist, weiß aber auch, was für ein wichtiger Faktor er für uns ist", beschrieb Peter Stöger die Gründe dafür, den offenkundig leidenden Stürmer nicht auszuwechseln. Es hat sich gelohnt. Die Schalker freuen sich derweil über "eine Entwicklung", wie Heidel erklärte. "Das war das zweite Auswärtsspiel nach München, in dem wir ungeschlagen geblieben sind, es ist einfach schwer, gegen uns Chancen rauszuspielen."

Alle können sich gegenseitig schlagen

Dennoch besteht für die Schalker weiterhin die akute Gefahr, aufgrund des miesen Saisonstarts und der Schwächephase vor der Winterpause in der kommenden Saison an keinem internationalen Wettbewerb teilzunehmen. Die Situation zwischen Rang vier und Platz 13 ist kompliziert wie selten, weil es in dieser Region eigentlich überhaupt keine Krisenklubs mehr gibt. Hoffenheim, Frankfurt, Hertha, Köln oder Freiburg stehen sämtlich besser da als erwartet. Leverkusen, Schalke, ja sogar der HSV erfreuen sich am Gefühl eines deutlichen Aufschwungs. Und selbst Mainz oder Augsburg sind nicht wirklich unzufrieden mit der Saison. All diese Mannschaften können sich jederzeit gegenseitig schlagen, das macht es für Schalke so schwer, den Rückstand aufzuholen.

Kritiker trugen angesichts dieser Problematik auch in Köln die These vor, dass der ambitionierte Klub so ein starkes Spiel eigentlich mal gewinnen müsse, um einen Schritt weiterzukommen. Man kann das so sehen, aber auch Heidels Replik auf derlei Überlegungen war überzeugend: "Man muss auch mal sagen, dass da ein Gegner mitgespielt hat, der es sehr, sehr gut macht, der seit April kein Heimspiel verloren hat. Das waren zwei Mannschaften auf Augenhöhe."

Im Moment kann man sogar von einem ganzen Tabellensegment sprechen, das sich irgendwie auf Augenhöhe begegnet. Entscheidend wird im Kampf um die Europapokalplätze daher nicht unbedingt sein, wer wie gut spielt. Den Ausschlag darüber, wer auch am Ende lacht, könnten Nuancen geben, Zufälle, kleine Schiedsrichterentscheidungen. Oder einfach nur Glück und Pech, so wie bei Modestes 1:1, das aus einer Abseitsposition fiel.



insgesamt 7 Beiträge
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hofre 20.02.2017
1.
Im Gegensatz zu Schalke, hat der effzee mit einem frühzeitigen Klassenerhalt, sein Saisonziel erreicht. Alles andere ist eine nette Zugabe.
keep 20.02.2017
2. Interessante Saison...
Schalke steht bei 26 Punkten, der Rückstand auf die internationalen Fleischtöpfeplätze beträgt aktuell ca. 9-11 Punkte, ok, in der EL gibts weniger Fleisch, das ist eher der Magerwettbewerb, wenn es um die Einnahmen geht. Auffällig ist jedenfalls, dass Hertha, Hoffenheim, der FC und meine Eintracht in der gesamten Saison konstant zwischen Platz 3-6 stehen. Das ist stark! Die eine oder andere Schwächephase ist einkalkuliert, denn keiner dieser Clubs ist per se eine "Spitzenmannschaft". Für Schalke und Gladbach wird es schwer, da noch irgendwie ranzukommen, weil die da oben nicht einfach aufhören werden zu punkten. Einzig Leverkusen würde - Konstanz vorausgesetzt - da noch eingreifen.
leroyrs 20.02.2017
3.
Der FC ist unerfahrener und wahrscheinlich auch nicht so stark besetzt wie die Schalker. Wenn Risse, Lehmann, Timo Horn und Rudnevs fehlen, dann wird es bei einem Team wie dem FC auch mal schnell eng. Ich will nicht behaupten, dass man dann gegen Schalke gewonnen hätte, aber man hätte vielleicht noch etwas stabiler gestanden. Ohne Modeste sähe es aber in Kölle wirklich schlecht aus.
hallo??? 20.02.2017
4. die qualität mag in der buli fehlen, der meister feststehen...
aber unterhalb von den ersten 3 sorgt jene mangelnde qualität für seltene ausgeglichenheit. gewinnt man mal 3-4 spiele am stück ist immer noch europa möglich. wobei ein verpassen nicht das schlechteste für schalke sein muss. die gegner sind über weite strecken uninteressant, wenns interessant wird ist man idr eh schon raus.
go-west 20.02.2017
5. Gegen Schalke
darf Köln eigentlich nicht verlieren. So eine Mannschaft sollte für die Kölner eigentlich zu knacken sein, Was zeigt, daß noch einiges zu tun bleibt.
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