Schalke-Talent Sané Tore statt Worte

Drittes Tor in einer Woche: Leroy Sané schoss Schalke zum Sieg gegen den HSV - und steht stellvertretend für den Aufschwung der Gelsenkirchener. Öffentlichen Rummel um den 19-Jährigen will der Klub aber vermeiden.

Schalke-Stürmer Sané: Drei Tore in einer Woche
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Schalke-Stürmer Sané: Drei Tore in einer Woche

Aus Hamburg berichtet


Plötzlich war der Weg frei für Leroy Sané. Mit dem Ball am Fuß zog er in Richtung Tor, die Fans des Hamburger SV schlugen die Hände über dem Kopf zusammen in Erwartung des Gegentreffers, der Anhang des FC Schalke 04 machte sich zum Torschrei bereit. Doch Sané legte sich den Ball zu weit vor, Hamburgs Torwart Jaroslav Drobny konnte dazwischengehen. Die Chance war vertan.

Die Schalker Verantwortlichen waren im Nachhinein froh über diese Szene aus der 22. Minute, über Sanés Missgeschick vor dem Tor, das zeigte, dass es noch ein weiter Weg zum Superstar ist für den 19 Jahre jungen Offensivmann. "Da sieht man, dass er sich noch entwickeln muss", sagte Sportchef Horst Heldt. Der Klub will verhindern, dass Sané in den Himmel gehoben wird vom emotionalen Schalker Umfeld. Dass er mit Hoffnungen und Erwartungen überladen wird wie Julian Draxler, der vor wenigen Wochen zum VfL Wolfsburg geflüchtet ist, auch weil es dort ruhiger zugeht als in Gelsenkirchen.

Es wird nicht einfach werden, den Rummel um Sané zu bremsen, denn er war gegen Hamburg trotz seiner vergebenen Chance zum Mann des Spiels geworden mit seinem Treffer in der 60. Minute, der den Schalkern zum 1:0-Sieg genügte. Wieder war Sané alleine auf Torwart Drobny zugestürmt, doch diesmal hatte er die Ruhe bewahrt, diesmal gehorchte ihm der Ball. Der Schalker umkurvte Hamburgs Schlussmann und schob den Ball ins Netz zu seinem dritten Bundesliga-Tor in sechs Tagen. Sané hatte schon am Wochenende zuvor das Spiel gegen Stuttgart entschieden, und er hatte unter der Woche gegen Frankfurt in der Nachspielzeit zum 2:0-Endstand getroffen mit einem bemerkenswert eigensinnigen Solo.

Ein- und wieder ausgewechselt

In Hamburg kam Sané in der sechsten Minute für den verletzten Marco Höger ins Spiel und wurde zum auffälligsten Mann auf dem Rasen, nicht nur wegen seines Treffers. Er versetzte die Verteidigung des HSV konstant in Alarmbereitschaft mit seinen Tempoläufen über den rechten Flügel, mit seinem Zug zum Tor und den sorgsam eingestreuten Kunststücken. In der 37. Minute bog Sané in die Mitte ab und prüfte Hamburgs Torwart Drobny mit einem scharfen Aufsetzer aus 20 Metern. Kurz nach seinem Treffer bereitete er eine Chance von Max Meyer mit der Hacke vor.

Trainer André Breitenreiter lobte auch Sanés Einsatz in der Defensive, schließlich tun sich junge Freigeister oft schwer mit der Drecksarbeit im Rückwärtsgang. In der 90. Minute kehrte Sané dorthin zurück, woher er gekommen war: auf die Ersatzbank. Breitenreiter wies darauf hin, dass es sich bei der Auswechselung des Eingewechselten keinesfalls um eine Strafmaßnahme gehandelt habe. Sané sei einfach erschöpft gewesen.

Vermutlich hätte der Mann des Abends dennoch die Kraft gehabt, ein paar Worte zu seiner Leistung zu sagen, bevor er im Mannschaftsbus verschwand. Doch die Schalker Verantwortlichen hatten eine Interview-Sperre für Sané verhängt, im Einvernehmen mit dem Spieler, wie es heißt. Sané soll behutsam aufgebaut werden, auf dem Platz und daneben. Er soll mit Toren glänzen, nicht mit Worten.

Verwandelte Schalker auf Platz drei

Der 19-Jährige symbolisiert den Schalker Aufschwung, der von mehreren jungen Spielern geprägt wird. Von Spielern wie Leon Goretzka und Meyer, beide 20, und dem 22 Jahre alten Johannes Geis, der zu dieser Saison aus Mainz gekommen ist. "Dass sie Potenzial haben, zeigen sie eindeutig", sagte Breitenreiter: "Aber sie sollen auch mit dieser Unbekümmertheit auf den Platz gehen. Dann werden wir viel Freude mit ihnen haben."

Freude bereitet die neue Saison den Schalkern schon jetzt: Sie sind so gut gestartet wie noch nie seit Einführung der Dreipunkte-Regel und stehen auf dem dritten Platz, hinter dem FC Bayern und Borussia Dortmund und schon vier Punkte vor dem VfL Wolfsburg. Der Neuaufbau mit Breitenreiter, der im Sommer Roberto Di Matteo als Trainer abgelöst hatte, ist vielversprechend angelaufen. "Die Entwicklung ist für mich nicht überraschend, weil wir eine gute Mannschaft haben", sagte Breitenreiter: "Aber es ist sehr erfreulich, dass sie mit Siegen gekrönt ist."

Gegen Ende der Partie in Hamburg stellten Schalkes Fans die Zulassung des HSV für die oberste Spielklasse infrage: "Erste Liga, keiner weiß warum!", sangen sie, dabei kennen sie den Grund am besten. Nur dank eines 2:0-Sieges gegen lust- und leblose Schalker hatten die Hamburger am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison den Abstieg verhindert.

Hamburger SV - Schalke 04 0:1 (0:0)
0:1 Sané (60.)
Hamburg: Drobny - Diekmeier, Djourou, Spahic, Ostrzolek - Ekdal (76. Schipplock), Diaz - Gregoritsch (62. Ilicevic), Holtby (70. Nicolai Müller), Hunt - Lasogga.
Schalke: Fährmann - Junior Caicara, Joel Matip, Neustädter, Aogo - Höger (6. Leroy Sané, 90. Höwedes), Geis - Goretzka, Meyer (73. Höjbjerg), Choupo-Moting - Di Santo.
Zuschauer: 53.192
Gelbe Karten: Djourou (2) - Geis, Neustädter, Fährmann
Bes. Vorkommnis: Schiedsrichter Drees scheidet verletzt aus - der Vierte Offizielle Marco Fritz (Korb) übernimmt (56.)

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aurichter 27.09.2015
1. Merkwürdiges Fazit
zum durchaus interessanten Spiel und nur durch das Spiel des jungen und sehr guten Sanè ging diese Partie zugunsten der "Knappen" aus, wie Recht doch Neuer schon damals hatte !! Hätte Labbadia sinnvoll reagiert, dann hätte er Lassoga ausgewechselt und selbst einen kleinen Flitzer im Sturm gebracht - siehe Körpermaße. Ein Remis wäre imho auch Leistungsgerecht gewesen. Mit Sanè hat S04 neben MM und Goretzka u.a. aber wirklich Rohdiamanten im Kader. Heldt rechnet sicher schon wieder Ablösesummen hoch, die dann evtll. in zwei/drei Jahren die Kasse füllen sollen.
sternenforscher 29.09.2015
2. Unsinn
@Ausrichter; Sind Sie HSV-Fan oder haben das Spiel gar nicht gesehen? Schalke war deutlich überlegen und der HSV hatte nicht eine herausgespielte Torchance. Der Sieg war verdient, nichts anderes.
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