Niederlage in Bremen Mit 23 Punkten steigt Schalke ab

Wie heißt es so schön? Schalkes Trainer Domenico Tedesco setzte ein Zeichen und warf drei Spieler aus dem Kader. Die Leistung seines Teams stimmte, trotzdem verlor S04 in Bremen. Der Druck wird noch größer.

Breel Embolo (l.) und Domenico Tedesco
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Breel Embolo (l.) und Domenico Tedesco

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Leistung oder Resultat? Vor dem Auftakt zum 25. Bundesliga-Spieltag waren sich die Schalke-nahen Medien einig: Das Spiel bei Werder Bremen sei die letzte Chance für Trainer Domenico Tedesco, die Trendwende einzuleiten. Nach einer über weite Strecken überzeugenden Leistung, die jedoch in einer Niederlage endete, wird in Gelsenkirchen über die Definition von Trendwende gerätselt werden. Der neue Sportvorstand Jochen Schneider sagte vor dem Spiel bei Eurosport: "Man kann es nicht immer am Ergebnis festmachen. Es muss eine Trendwende in unserer Leistung zu erkennen sein." Somit dürfte Tedesco gestärkt sein. Fakt ist aber auch: Der FC Schalke steht mit 23 Punkten auf dem 14. Tabellenplatz und braucht vermutlich noch bis zu zehn Punkte aus den verbleibenden neun Spielen, um nicht als Vizemeister der Vorsaison abzusteigen.

Das Ergebnis: Die Schalker führten ein paar Minuten, doch am Ende steht eine 2:4-Niederlage. Hier geht es zum Spielbericht.

Schalker Charakter: Die 0:4-Heimniederlage gegen Fortuna Düsseldorf am vergangenen Spieltag war eine Blamage der Schalker. Schneider, offiziell noch gar nicht im Amt, wollte nicht mit einer Entlassung starten und beließ Tedesco im Amt. Der rief im Laufe der Woche den Abstiegskampf auf Schalke aus - und strich Mark Uth, Hamza Mendyl und Amine Harit aus dem Kader. Nun zähle für Tedesco "in erster Linie der Charakter der Spieler". Für den häufig kritisierten Harit hat sein Rauswurf aber nichts mit eigener Disziplinlosigkeit zu tun:

Erste Hälfte: Auf den ersten Blick wirkte das anfängliche 5-4-1-System der Schalker sehr defensiv, doch das täuschte. Die Königsblauen, zeitweise auch mit Viererkette in der Abwehr, scheiterten zunächst mit drei Großchancen von Guido Burgstaller (6. Minute), Daniel Caligiuri (12.) und Matija Nastasic (20.) an Werder-Torhüter Jiri Pavlenka. Breel Embolo machte es in seinem ersten Startelfeinsatz seit November besser und traf zum 0:1 (26.). Im Abstiegskampf sind unangedeutete Gegentore jedoch keine Seltenheit, und so kam Bremen durch Milot Rashica zum Ausgleich (31.).

Aktiv oder passiv? Der Protest der Schalker hielt sich in Grenzen, aber der Ausgleich enthielt Diskussionsbedarf. Bei der Flanke von Max Kruse stand Claudio Pizarro nach Ansicht der TV-Wiederholungen minimal im Abseits. Der Peruaner berührte den Ball nicht, bewegte sich aber in die Richtung und griff so irritierend für den Gegenspieler ins Spiel ein. Das Tor hätte aberkannt werden müssen - es sei denn die kalibrierte Abseitslinie im Kölner Videobeweis-Bunker berechnete etwas anderes.

Foul oder nicht Foul? Kurz nach der Pause schritt der Video-Assistent dann ein, und diesmal fühlten sich die Schalker auch sichtbar benachteiligt. Nach einer Flanke von Rashica kam Kruse am Fünfmeterraum zu Fall. Das Spiel lief zunächst weiter, doch nach den ergebnislosen Fernschüssen von Davy Klaassen und Maximilian Eggestein schritt Schiedsrichter Martin Petersen zum Bildschirm am Spielfeldrand und entschied auf Elfmeter. Jeffrey Bruma könnte Kruse minimal berührt haben, was im vollen Tempo für einen Sturz reichen kann. Die Szene wirkte jedoch sehr unglücklich für die Schalker. Kruse war es egal, er verwandelte sicher zum 2:1 (51).

Zweite Hälfte: Nach dem Führungstreffer entwickelte sich ein offenes Spiel, weil die gegen Düsseldorf noch so ungefährlichen Schalker mit Embolo, Burgstaller und Steven Skrzybski weiter gut nach vorne spielten. Doch das Risiko zahlte sich nicht aus, nach einem sehenswerten Spielzug der Bremer traf Rashica zum 3:1 (73.) - ein nicht zu beanstandendes Tor. Embolo verkürzte nach einem Eckball per Kopf auf 2:3 (85.), in der Nachspielzeit stellte der eingewechselte Martin Harnik nach einem Konter aber den Endstand her (90.+4).

Erkenntnis des Spiels: In den vergangenen zehn Bundesliga-Jahren gab es dreimal zwei direkte Absteiger, die beide weniger als 30 Punkte hatten. Schalke braucht also Siege, spielt aber noch gegen alle vier in der Tabelle schlechter platzierten Mannschaften (Hannover, Nürnberg, Augsburg, Stuttgart). Dieses Spiel kann Hoffnung geben, doch Tedescos Maßnahmen müssen in den kommenden Wochen Ergebnisse bringen. Nun folgen erstmal Spiele bei Manchester City in der Champions League (Dienstag) und zu Hause gegen RB Leipzig. Und Werder? Die Bremer stehen vorerst auf Platz acht und hoffen wieder auf den Einzug in die Europa League.

Werder Bremen - FC Schalke 04 4:2 (1:1)
0:1 Embolo (26.)
1:1 Rashica (31.)
2:1 Kruse (51.)
3:1 Rashica (73.)
3:2 Embolo (85.)
4:2 Harnik (90.+4)
Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson - Bargfrede - M. Eggestein, Klaassen - Kruse (90. + 1 Möhwald) - Pizarro (67. Harnik), Rashica (84. Bartels)
Schalke: Nübel - Stambouli, Bruma, Nastasic - Caligiuri (87. Sané), McKennie, Bentaleb (74. Kutucu), Oczipka - Embolo, Skrzybski (79. Matondo) - Burgstaller
Schiedsrichter: Petersen
Gelbe Karten: M. Eggestein, Veljkovic / Bentaleb
Zuschauer: 42.100



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Americanet 08.03.2019
1.
Eine der besten Saisonleistungen, trotz des Ergebnisses. Ja, auch ein geschenkter Elfer für Bremen und ein Elfer auf der anderen Seite versagt, aber Ausreden hatten wir genug. Wenn Schalke diese Art Einsatz konstant abrufen kann, ist das Abstiegsgespenst schnell vertrieben.
bcpt8 09.03.2019
2.
Der Sieg mag um ein Tor zu hoch ausgefallen sein, dass Werder aber einen (hier: verdienten) Rückstand egalisiert und hinten raus noch zulegen kann, zeichnet die Mannschaft bisweilen ja auch gegen stärkere Gegner als Schalke aus. Wobei den Knappen im ersten Durchgang eine durchaus starke Antwort auf die beiden vorangegangen Debakel gelang: lange vermisste, entschlossene Körpersprache; schnelle und torgefährliche Vorstöße aus einer kompakten Abwehr um Stambouli heraus; den bis dahin suboptimal sortierten Gegner immer wieder am falschen Fuß erwischend und dessen recht uninspirierten Spielfluss effektiv hemmend. Allein, bis auf das folgerichtige Führungstor zu wenig Kapital aus den Angeboten des Gegners geschlagen, der durch Pavlenkas Paraden im Spiel gehalten wurde (wobei mir Embolos Treffer ins kurze Eck nach eleganter Ballmitnahme nicht unhaltbar schien). Und nach dem Rückstand eher schmeichelhaft zum postwendenden Ausgleich kam. Typischerweise durch Doppeltorschütze Rashica, der weit weniger umständlich als seine Mitspieler (Klaasen, Eggestein, Kruse) bei deren oft zu zögerlicher Entscheidungsfindung den Abschluss suchte. Ok, Bargfredes "Strahl" kurz vor der Pause knapp am Tor vorbei konnte sich ebenfalls sehen lassen. Nach Seitenwechsel ließ sich Schalke vom Rückstand durch Kruses Elfer zu sehr beeindrucken und überließ den spielerisch weiterhin nicht wirklich überzeugenden Bremern zunehmend das Feld beim fehpassgespickten Ballbesitzwechsel beider Teams ohne strukturiertes Spiel im Mittelfeld (mir kam die Berechtigung der Strafstoßentscheidung pro Kruse allerdings keineswegs eindeutiger vor als jene, die Strafraumaktion von Gebre Selassie gegen Burgstaller auf der anderen Seite nicht zu ahnden). Embolo rannte sich zunehmend eigensinnig fest und von Burgstaller war nun fast nichts mehr zu sehen außer dem "Ziehen" von Fouls. Publikumsliebling Pizarro wiederum spielte diesmal zwar von Beginn an, war aber zu oft weit außerhalb der gegnerischen Box am Wuseln und damit seiner eigentlichen Stärken beraubt. Außer beim Ausgleich, den er aus abseitsverdächtiger Position heraus aktiv begünstigte. Was auch Augustinsson tat mit seiner seltsam naiven Defensivhaltung gegen Embolos dadurch leicht gemachten Anschlusstreffer. Mit Harnik als Joker bewies Kohfeldt schließlich ein glückliches Händchen: Der Österreicher war sofort auf Betriebstemperatur und zeigte sowohl bei einem gefährlichen Kopfball als auch beim kaltschnäuzig platzierten 4:2-Treffer sehr brauchbare Stürmerqualitäten. Ja, für Schalke trotz Niederlage vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer auf Besserung aufgrund des bestandenen "Charaktertests" zumindest in den ersten 45 Min., bei Werder lebt die Chance auf eine EL-Teilnahme weiter. Beispielgebend für manch anderen BuLi-Trainer dann Kohfeldts auch kritische Analyse der eigenen Mannschafts- und faire Anerkennung der Gegnerleistung.
widower+2 09.03.2019
3. Nö!
Selbst wenn die Schalker keinen einzigen Punkt mehr holen sollten, was ich nicht glaube, werden sie zumindest nicht direkt absteigen. Für die Relegation würde es auch dann noch reichen.
hatschon 09.03.2019
4. Unfassbar
Wie die auf Schalke weitermachen.Hat denn noch keiner gemerkt das die Mannschaft zu Großen Teilen gegen den Trainer spielt? Da hilft nur noch Trainerwechsel aber sofort. Als nächstes kommt RB Leipzig.
pit.duerr 09.03.2019
5.
Zitat von hatschonWie die auf Schalke weitermachen.Hat denn noch keiner gemerkt das die Mannschaft zu Großen Teilen gegen den Trainer spielt? Da hilft nur noch Trainerwechsel aber sofort. Als nächstes kommt RB Leipzig.
Diese Vorgehensweise hat es beim 1. FC Kaiserslautern auch schon gegeben. Zuerst bringt ein Rehhagel diese Mannschaft in einem Jahr von der 2. Liga, zur Meisterschaft in der 1. Liga. Alle jubeln incl. Vorstand des Vereins. Dann kamen neue Spieler , einer hieß SFORZA und diese neuen Spieler begangen dann irgendwann gegen den Trainer zu sein. Zum Schluß wurde statt der Spieler, der hervorragende Trainer entlassen. Resultat der Geschichte: der 1.FCK, ehemals die roten Teufel aus der Pfalz, heute eher noch ein Schatten davon ,spielen heute in der 3. Liga, tendenziös noch weiter nach unten hinten. Viel Spaß ihr Schalker beim Trainer entlassen und willkommen auf dem Weg zur 3. Liga. Ist jetzt aber nur meine Meinung.
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