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Premier-League-Klub Southampton: Geldschränke voll, Spieler weg

Von und (Grafik)

Spieler verkaufen, die eigene Kasse füllen: So weit ist das Transfer-Gebahren des FC Southampton ganz normal. Das Problem: Der Verein gab fast seine komplette Elf ab. Und jetzt?

Ausverkauf beim FC Southampton: Volle Kasse, leeres Spielfeld Fotos
Getty Images

SPIEGEL ONLINE Fußball
Das Foto zeigt einen ordentlich gemähten Fußball-Rasen. Links hat jemand Bälle bereitgelegt, im Vordergrund ist ein Quadrat aus blauen Hütchen aufgebaut, ein kleines und ein großes Tor stehen bereit. Ronald Koeman, der Trainer des englischen Erstligisten FC Southampton, hat das Foto geschossen und über Twitter verbreitet. Dazu hat er einen Satz geschrieben: "Ready for Training!"

Der Beitrag dürfte als bitterer Scherz zu verstehen sein. Spieler sind auf Koemans Foto nämlich nicht zu sehen - das passt zur Situation des FC Southampton, der in der aktuellen Transferperiode eine beispiellose Abwanderungswelle erlebt.

In der vergangenen Saison war der Klub die Überraschung der Premier League, wurde im zweiten Jahr nach dem Aufstieg Achter. Jetzt wird dem Verein der unerwartete Erfolg zum Verhängnis. Denn die finanzstarken Spitzenteams haben erkannt, dass in Southampton begabte Spieler zu haben sind, und sie bedienen sich gnadenlos. Der FC Liverpool nahm dem Klub von der Südküste gleich drei Spieler ab: Adam Lallana für 31 Millionen, Dejan Lovren für 25 Millionen und Rickie Lambert für 5,5 Millionen Euro.

Manchester United zahlte für den 19 Jahre alten Linksverteidiger Luke Shaw 37,5 Millionen; der gleichaltrige Rechtsverteidiger Calum Chambers wechselte für 20 Millionen zum FC Arsenal. Tottenham Hotspur holte Trainer Mauricio Pochettino, Koemans Vorgänger, und ist an zwei weiteren Spielern interessiert.

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FC Southampton: Fünf Stammspieler und der Trainer sind weg

Die Premier League investiert seit über einem Jahrzehnt mehr Geld in Transfers als jede andere Liga in Europa, und diesmal fließt ein beachtlicher Teil dieses Geldes nach Southampton: Rund 120 Millionen Euro hat der Verein kassiert. Ein Mittelklasseklub steht im Zentrum des Transfergeschehens der finanzstärksten Liga.

Der Verein könnte darauf gut verzichten. Denn er hat ein Problem: Die Geldschränke sind voll, dafür ist fast eine ganze erste Elf weg (siehe Grafik). Die Leistungsträger der vergangenen Saison spielen künftig um die Meisterschaft mit, für den FC Southampton dürfte es unmöglich werden, den Erfolg der abgelaufenen Spielzeit nur annähernd zu wiederholen.

Der Verein verkauft nicht aus Geldnot. Zwar muss der Klub laut dem "Guardian" knapp 28 Millionen Euro aus vergangenen Transfergeschäften nachzahlen, außerdem wurde der Umbau des Trainingsgeländes deutlich teurer als geplant. Doch nach den Worten von Präsident Ralph Krueger sollen diese Kosten nicht durch Transfers gedeckt werden. Auch will der Verein den Verdacht zerstreuen, dass Klubbesitzerin Katharina Liebherr, die den FC Southampton 2010 nach dem Tod ihres Vaters geerbt hat, durch die Verkäufe abkassieren will.

Im Klub wird gewitzelt: Warum nicht Bale zurückholen?

Der Verein kann wenig dagegen tun, dass die Spitzenklubs der Premier League den Kader plündern. Spieler wie Adam Lallana, Shaw oder Chambers wären nur mit deutlich aufgebesserten Gehältern zu halten gewesen. Das hätte sich der FC Southampton nicht leisten können. Und wohl auch nicht leisten dürfen. Denn das von der Uefa installierte Financial Fairplay (FFP) verlangt, dass Vereine kostendeckend arbeiten. Kleine Klubs wie Southampton können deshalb nur kleine Sprünge machen.

"Durch das FFP soll die Elite an ihrem Platz bleiben und Mannschaften wie Southampton außen vor", schreibt der "Mirror". Tatsächlich zeigt der Fall des Klubs von der Südküste beispielhaft, warum es schwer ist, in den Kreis der Top-Teams in England einzubrechen, wenn man nicht gerade einen Roman Abramowitsch hat wie der FC Chelsea oder einen Scheich Mansour wie Manchester City.

Southamptons Trainer Koeman muss sich keine Sorgen machen, in der neuen Saison eine spielfähige Elf auf den Platz zu bekommen. Der Kader ist groß, hoffnungsvolle Talente stehen bereit. Und der Verein bemüht sich, die eingenommenen Millionen in neue Spieler zu investieren. Für Dusan Tadic vom FC Twente und Graziano Pellè von Koemans ehemaligem Klub Feyenoord gab der Verein über 20 Millionen aus. Außerdem kommt Ryan Bertrand auf Leihbasis vom FC Chelsea.

Weitere Transfers stocken allerdings. Denn die Verhandlungspartner wissen, dass der FC Southampton kräftig verdient hat - und rufen deshalb hohe Preise auf. Im Verein kursiert der Witz, dass man einfach Gareth Bale zurückholen könnte. Der Waliser kommt aus dem Nachwuchs des Klubs und ist mittlerweile der teuerste Spieler der Welt. Für fast 100 Millionen Euro wechselte er vor einem Jahr zu Real Madrid. Dieses Geld hätte der FC Southampton jetzt auch.

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1. Freude am Aufbau einer Mannschaft
Kenntauer 02.08.2014
"Southamptons Trainer Koemann muss sich keine Sorgen machen, in der neuen Saison eine spielfähige Elf auf den Platz zu bekommen. Der Kader ist groß, hoffnungsvolle Talente stehen bereit. " Also was soll der reisserische Artikel. Der macht so weiter wie Rehhagel. Junge Spieler ausbilden (das soll eine Trainer!) einsetzen und verkaufen. Damals hat Werder Bremen mit Spielerverkäufen mehr Geld verdient als mit Einnahmen aus Ticketverkauf! Aber dafür muss man eben ein gutes Händchen und ein noch besseres Näschen für Talente haben. Und einen Vorstand, der langfristige Arbeit erlaubt, weil der selbst Ahnung von Fussball hat.
2. Bale
FX922 02.08.2014
dann sollten die ja auch abkassiert haben beim Wechsel von bale. 'ausbildungsentschädigung', wechselt ein Spieler den verband
3. Glückwunsch, FC Southampton
lorenzcarla 02.08.2014
120 Millionen in der Kasse: Prima. Hier mein Tipp an Frau Liebherr, die den Club "geerbt" hat: Holt Euch einen Coach wie Tuchel - den könnt Ihr sofort haben. Oder bedient Euch mit fairer Ablöse in Braunschweig, Heidenheim, Paderborn. Tuchel steht in Mainz noch ein Jahr unter (unbezahltem!) Vertrag. Tuchel oder die anderen Coaches basteln Euch innerhalb von zwei Monaten eine hochmotivierte mannschaftlich überzeugende Kämpferelf, die Euch in die Nähe von Everton, Tottenham bringt. Die Fans werden Euch tragen. Dies ist eine Nachricht aus dem Bergischen Land (mitten in Europa gelegen !) an Frau Liebherr. Namen
4. Hoffenheim und Freiburg
Niewana 02.08.2014
sind bspw. auch Ausbilder für die Bundesliga. Einmal eine erfolgreiche Saison, und schon sind die besten Spieler weg.
5. herr tuchel,
stevie76 02.08.2014
Zitat von lorenzcarla120 Millionen in der Kasse: Prima. Hier mein Tipp an Frau Liebherr, die den Club "geerbt" hat: Holt Euch einen Coach wie Tuchel - den könnt Ihr sofort haben. Oder bedient Euch mit fairer Ablöse in Braunschweig, Heidenheim, Paderborn. Tuchel steht in Mainz noch ein Jahr unter (unbezahltem!) Vertrag. Tuchel oder die anderen Coaches basteln Euch innerhalb von zwei Monaten eine hochmotivierte mannschaftlich überzeugende Kämpferelf, die Euch in die Nähe von Everton, Tottenham bringt. Die Fans werden Euch tragen. Dies ist eine Nachricht aus dem Bergischen Land (mitten in Europa gelegen !) an Frau Liebherr. Namen
warum posten sie hier unter falschem namen?
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