Umstrittener Fußball-Investor Die ominöse Macht des FC Valencia

Jahrelang entging der FC Valencia nur knapp der Insolvenz. Jetzt ist der Klub Europas Krösus - kein Verein hat bisher mehr Geld in neue Spieler investiert. Möglich macht das der Milliardär Lim. Aber welche Agenda hat der Mann aus Singapur wirklich?

Valencias Geldgeber Lim: 420 Millionen Euro für FC Valencia
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Valencias Geldgeber Lim: 420 Millionen Euro für FC Valencia

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Wohl nicht einmal Spaniens König Felipe hätten die Valencianer einen solchen Empfang beschert. Tausende Menschen kreischten, sie schwenkten stolz ihre Fahnen. Sicherheitsleute mussten die jubelnde Meute wieder hinter die Wellenbrecher drängen. Aber die Menge feierte an diesem Tag im Oktober 2014 keinen Popstar. Sie feierte ein Versprechen.

Peter Lim heißt der Mann, dem die Menschen in der spanischen Stadt zujubelten. Laut Medienberichten hatte der Investor aus Singapur vor zehn Monaten etwa 420 Millionen Euro für den hochverschuldeten spanischen Erstligisten bezahlt und die Liebe der Anhänger gleich mitgekauft. Die sehnten sich nach einem Retter wie Lim, auch wenn der vor allem wirtschaftliche Interessen verfolgt.

Viele Jahre musste der spanische Verein knausern. Im Jahr 2008 lag der Schuldenstand bei 650 Millionen Euro, Valencia war der höchstverschuldete Klub Spaniens. Die Gründe für die Fast-Pleite: zu teure Spieler, Spekulationen mit dem maroden Stadion während der Immobilienkrise und ausbleibender sportlicher Erfolg. Um die Kredite der Gläubiger tilgen zu können, veräußerte der sechsmalige spanische Meister seine hochveranlagten Talente und Publikumslieblinge, wie etwa den heutigen Welt- und Europameister David Silva. In sieben Jahren erwirtschafte der Schuldenklub allein durch Spielerverkäufe 110 Millionen Euro.

Champions-League-Finale 2001: Bayerns Giovane Élber gegen Amedeo Carboni
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Die letzten verbliebenen Geldgeber beruhigte das, nur die Fans träumten weiter vom Glanz vergangener Tage, als Valencia 2000 und 2001 im Finale der Champions League stand. "Der FC Valencia kann zum jetzigen Stand keinen einzigen Euro mehr bezahlen", sagte Klubpräsident Amadeo Salvio im Januar 2014. Trotz des jahrelangen Sparens und eines Schuldenerlasses einer Bank in Millionenhöhe drohte dem Verein endgültig der Konkurs. Vier Monate später kam Peter Lim. Mit seiner Kaufzusage bewahrte er den Klub vor dem finanziellen Kollaps.

Im Oktober unterschrieb er dann den Kaufvertrag. Und dank der Millionen des singapurischen Geschäftsmannes gehören die Spanier plötzlich zu den Superreichen des Kontinents. Mit 96,5 Millionen Euro Nettoausgaben bezahlte Valencia bisher mehr für neue Spieler als jeder andere Klub in Europa. Lim versprach bei seiner Übernahme Investitionen von mindestens 300 Millionen Euro. Und jetzt kauft der Asiate dem Ligavierten der vergangenen Saison Stars wie Álvaro Negredo.

Aber wer ist dieser Lim?

Nach Angaben der Zeitschrift "Forbes" gehört Lim, ein 61 Jahre alter Börseninvestor, mit einem Vermögen von rund zwei Milliarden Euro zu den 800 reichsten Menschen der Welt. Ist er ein weiterer Schwerreicher, der mit einem Fußballklub ein Spielzeug für sein Vermögen gefunden hat? Ein weiterer Roman Abramowitsch?

Für 30 Millionen Euro: Álvaro Negredo kommt von Manchester City
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Nein. Er will sein Geld nicht verprassen, er will es vermehren. Lim ist ein knallharter Geschäftsmann. Im Alter von 25 Jahren nannten ihn seine Kollegen an der Börse "King of the Remisiers", König der Vermittler von Wertpapieren. Der Sohn eines Fischhändlers finanzierte sich das Studium mit Aushilfsjobs als Taxifahrer, Kellner und Koch; seine Studentenbude teilte er mit zehn Mitbewohnern. Etwas zu verschenken hatte Lim noch nie. Später verdiente er Millionen als Broker und Teilhaber von Unternehmen.

Seine Praktiken wirken mitunter auch dubios. In Liverpool, bei den Glasgow Rangers oder Middlesbrough wollte man ihn trotz aller wirtschaftlichen Reize nicht haben. Der Singapurer kaufte mit seiner Firma Meriton Limited Holding Spielerrechte, um später von den Ablösesummen der Kicker zu profitieren. Diese als Third Party Ownership (TPO) bezeichnete Praxis hat die Fifa mittlerweile verboten. Das Geschäftsgebaren sei gegen die Menschenwürde und diene nicht den Interessen der Spieler, heißt es. Viele Vereinsbosse hielten Lim deshalb für einen unseriösen Geschäftspartner.

Immer und überall: Jorge Mendes. Gründer von Gestifute, der größten Spieleragentur
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Von TPO will er sich distanziert haben, das erklärt sein Sprecher. Der Asiate strebt jetzt mit anderen Mitteln nach Einfluss und Macht im Fußballbusiness. Erst vor einer Woche sicherte sich seine Firma Mint Media die Bildrechte von keinem Geringeren als Cristiano Ronaldo. Von der Zusammenarbeit mit CR7, der wertvollsten und populärsten Fußballmarke der Welt, verspricht sich der 61-Jährige Millioneneinnahmen in Asien. Und der dreimalige Weltfußballer Ronaldo hofft, dass durch den Deal mit dem gut vernetzten Geschäftsmann "die Marke Cristiano Ronaldo speziell in Asien auf ein neues Level gebracht werden kann". Ein lukrativer Deal für beide - Ronaldo nennt Lim nicht nur deshalb einen "guten Freund".

Ronaldos Berater Jorge Mendes, der mächtigste Spielervermittler der Welt, ist ebenfalls ein Vertrauter von Lim. Der Portugiese, der an Spielertransfers im Wert von einer Milliarde Pfund beteiligt gewesen sein soll, ist bekannt für ein ausgeklügeltes System: Oft transferiert er seine Spieler zu seinen Trainern; die Marktwerte für spätere Verkäufe steigen. Mit seinem Klienten José Mourinho perfektionierte er diese Praktik auf dessen Stationen bei Real Madrid und Chelsea London. Und jetzt scheint seine Freundschaft zu Lim zu einer ganz besonderen zu werden.

Die teuersten Zugänge des FC Valencia

Zugang Ablösesumme in Euro Ex-Verein
Álvaro Negredo 30 Millionen Manchester City
Rodrigo 30 Millionen Benfica Lissabon
André Gomes 15 Millionen Benfica Lissabon
João Cancelo 15 Millionen Benfica Lissabon
Santi Mina 10 Millionen Celta Vigo
Laut der spanischen Zeitschrift "Marca" vermittelte Mendes den Asiaten an Valencia. Zusammen verpflichteten sie vergangenes Jahr Trainer Nuno Espírto Santo - einen Klienten von Mendes. In diesem Sommer bediente sich Lim bei Mendes-Spielern, einige von ihnen kommen aus dessen Heimat Portugal.

Im Verein sichert der Asiate seine Macht, indem er Verbündete in Führungspositionen hievt. Statt des Spaniers Amadeo Salvo führt neuerdings die Asiatin Layhoon Chan den Erstligisten als Präsidentin an. Sie leitet sonst die Geschäfte von Mehrheitseigner Lim. Und als neuen Co-Trainer ließ er den ehemaligen englischen Nationalspieler Phil Neville zum 1. Juli verpflichten. Der ist Mitbesitzer von Salford City. Und natürlich gehört auch dieser Klub mehrheitlich: Peter Lim.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Nutzer ohne Namen 10.07.2015
1.
erst diese engen verbindungen in Führungspostionen diverser clubs, ermöglichen doch erst Spielmanipulationen. je nachdem welcher club gerade den Champions League titel besser gebrauchen kann. und ich ärgere mich ... wenn Wolfsburg demnächst in Ingolstadt 3 pkt mit nimmt ;)
-volver- 10.07.2015
2. :-)
Katastrophe! Der Profifußball wird immer ekelhafter. ich dachte PSG ist zumindest für eine dekade Frechheit genug! komisch dass Spieler wie negredo und silva ebenfalls von einem oligarchenclub kommen... bzw logisch. als Trost bleibt, dass diese Clubs, gemessen an ihren ausgaben, international verhältnismäßig wenig erreicht haben.
tennislehrer 10.07.2015
3. Die Triaden
müüsen doch irgendwo mit ihrem geld hin
benedetto089 10.07.2015
4.
"Der Portugiese, der durch Spielertransfers zum Milliardär geworden sein soll, ist bekannt für ein ausgeklügeltes System..." 1 Milliarde sind 1000 Millionen €. Wie man nur durch Spielertransfers Milliardär wird, soll mir mal bitte einer vorrechnen. So ein quatsch.
querollo 10.07.2015
5. Ehrlich?
Hier wundert sich jemand, dass es beim Profifussball zugeht, wie im Drogenhandel? Das ist ja süß!
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