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Bayer-Gegner Villarreal: Treffer, versenkt

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FC Villarreal: Yellow Submarine Fotos
AFP

Leverkusens Europa-League-Gegner FC Villarreal ist das U-Boot unter den europäischen Spitzenklubs: Unauffällig und meist auf Tauchstation. Trotzdem hat der spanische Verein schon manchen Spitzenreiter abgeschossen.

Es wäre falsch, Roger Schmidt als einen Glücksbringer zu bezeichnen. Nach seiner Sperre durch den DFB hat der Trainer von Bayer Leverkusen zunächst zwei Niederlagen seiner Elf auf der Tribüne abgesessen. Danach ist er nach Spanien gereist und hat sich den kommenden Europa-League-Gegner von Bayer, den FC Villarreal (21.05 Uhr Kabel1, Liveticker SPIEGEL ONLINE), angeschaut. Die Spanier hatten zuvor 14 Spiele nicht verloren. Kaum tauchte Schmidt auf, unterlag das Team am Wochenende dem FC Las Palmas 0:1.

Eine ärgerliche wie unnötige Niederlage für das Team von Trainer Marcelino Garcia Toral. Aber nicht genug, um den bisher imposanten Eindruck der Saison nachhaltig zu trüben. Die Hinrunde war die beste, die der FC in der Primera División je gespielt hat. Nach 28 Partien steht Villarreal direkt hinter den großen Drei Barcelona, Atlético und Real Madrid auf dem vierten Tabellenplatz, der Abstand zu Rang fünf beträgt schon acht Punkte. Es hätte bislang nicht besser laufen können.

Vor vier Jahren stieg das Team noch aus der ersten Liga ab, danach arbeitete der Klub sich wieder nach oben. Jeweils Sechster in den beiden Vorsaisons, jetzt folgt der nächste Schritt.

Die Abwehr ist das Prunkstück des Teams

Dabei ist das Team vor allem dank der grundsoliden Defensive erfolgreich. Die Hälfte aller 28 Ligaspiele hat Villarreal ohne Gegentor überstanden, nur einmal kassierte die Elf von Toral mehr als zwei Treffer - und das war beim Überteam FC Barcelona, wofür mildernde Umstände gelten müssen. 19 Gegentreffer - nur Atlético Madrid ist mit zwölf Gegentoren noch defensivstärker. Logischerweise endete das Aufeinandertreffen der beiden Teams 0:0.

Villarreal ist eine hübsche, alte Stadt, das Mittelmeer liegt direkt vor der Tür, die berühmte große Schwester Valencia ist nicht weit entfernt, und dennoch definiert sich die Stadt vor allem über den Fußball. Gelb, die Vereinsfarbe des FC Villarreal, ist allgegenwärtig. Wenn es gilt, die Sehenswürdigkeiten der Stadt aufzuzählen, fällt selbst der Tourismusbehörde der Stadt außer dem Stadion El Madrigal nicht viel ein. In Villarreal, mit seinen nur 50.000 Einwohnern ist Fußball so existenziell wie in Kaiserslautern, Mönchengladbach oder Gelsenkirchen.

Es ist kein Zufall, dass sich dieser Klub den Spitznamen Submarino, das U-Boot, gegeben hat. Villarreal ist kein stolzer Luxusliner wie der FC Barcelona oder Real Madrid, der Verein schwimmt im europäischen Fußball sozusagen unter der Wasserlinie der öffentlichen Aufmerksamkeit, taucht ab und an auf und versenkt mal eben ein Spitzenteam wie den SSC Neapel in der Zwischenrunde der Europa League.

Stars sucht man hier vergeblich

Wie der Verein, so der Kader. Eine Ansammlung von hoch soliden, talentierten Spielern, aber einen großen Namen sucht man vergeblich. Der junge französische Torwart Alphonse Areola und seine spanischen Vorderleute Mario und Victor Ruiz stehen für die ausgezeichnete Defensive. Außerhalb der spanischen Liga sind sie aber nur Experten vertraut. Dasselbe gilt fürs Mittelfeld, wo die spanischen Anti- und Noch-nicht-Stars Bruno Soriano, Denis Suares und Samu Castillejo regieren.

In der Offensive baut Trainer Toral auf Cedric Bakambu aus dem Kongo und den ehemaligen Real-Stürmer Roberto Soldado. Dass Bakambu mit lediglich acht Saisontreffern die interne Torschützenliste anführt, sagt viel über die Prioritäten aus, die Toral setzt.

Der Trainer ist auch einer dieser Unauffälligen. Als Profi hat er für den Mittelklasseklub Sporting Gijon gekickt, als Trainer war er, allerdings ohne große Meriten, eine Saison lang beim FC Sevilla. Villarreal übernahm er 2013 als Zweitligist, führte den Klub direkt zurück in die Erstklassigkeit und danach zweimal in die Europa League.

Es gab mal eine Zeit, da hat der FC Villarreal versucht, auch in Sachen Stars mit den Großen mitzuhalten. Vor zehn Jahren kickten Argentiniens Juan Riquelme und Uruguays Stürmerstar Diego Forlan für die Submarinos. Sportlich hatte sich das damals durchaus ausgezahlt. 2006 stieß Villarreal bis ins Halbfinale der Champions League vor und scheiterte erst am FC Arsenal, weil Jens Lehmann im Tor der Londoner in der 90. Minute des Rückspiels einen Elfmeter Riquelmes parierte. Aber irgendwann konnte der Klub den finanziellen Kraftakt nicht mehr bewältigen. Es folgten unruhige Jahre in der Liga mit dem Absturz 2012 auf Abstiegsplatz 18 als Tiefpunkt.

Der Klub hat daraus gelernt. Zwar bestimmt immer noch der Clan des millionenschweren Unternehmens Fernando Roig mit seinem Geld, was im Verein passiert, aber diesmal wirtschafte man "nachhaltig", wie Roig betont. Womit er auch deutlich macht, dass dies früher nicht geschah.

Zwischen der noch verbliebenen Europa-League-Konkurrenz aus Borussia Dortmund, FC Liverpool, Manchester United, FC Sevilla oder auch Bayer Leverkusen wirkt der FC Villarreal wie der kleine familiäre Verein, der kaum in der Lage sein dürfte, hier auf Augenhöhe mitzuwirken. Ein U-Boot ist dann am gefährlichsten, wenn man es nicht wahrnimmt.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Wirklich?
Ultras 10.03.2016
Versucht SPON hier allen Ernstes den FC Villarreal als Underdog gegenüber Clubs wie Leverkusen oder Liverpool hinzustellen? Villarreal ist nach Tottenham und Dortmund wahrscheinlich der größte Titelaspirant der diesjährigen Europaleague. Wie man so einen Verein kleiner schreiben kann als er ist, ist mir unbegreiflich, denn heute abend ist Villarreal der klare Favorit, Leverkusen geht hier als klarer Außenseiter ins Achtelfinale. Möglicherweise dient der Artikel aber auch dazu, dass man morgen wieder schreiben kann, dass die Werkself nicht in der Lage ist, auf europäischer Ebene gegen bezwingbare Gegner zu gewinnen.
2. Ud
klabeuter 10.03.2016
Die Mannschaft, gegen die am Wochenende verloren wurde, heißt UD Las Palmas. Nicht FC. Ich weiß, ist nicht so wichtig. Aber so viel Zeit sollte der Redakteur schon haben.
3. Gott wie ist das schön...
hkuehl 11.03.2016
Jonathan Tah habe ich als Baby auf dem Arm getragen und hätte nie gedacht, dass er seinen Verein verlässt, Hakan Calhanoglu hat den HSV in schwerster Stunde verraten und Rudi Völler ist ein ..... Jeder Verein, der gegen den Werksclub eines Chemie-Konzerns gewinnt, ist mein Freund !
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