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Radmann über DFB-Millionenzusage: "Wir wollten uns Jack Warner vom Hals halten"

OK-Vizepräsident Radmann: "Versucht, Warner zu beruhigen" Zur Großansicht
Bongarts/Getty Images

OK-Vizepräsident Radmann: "Versucht, Warner zu beruhigen"

Der DFB machte Ex-Fifa-Vize Warner vor der Vergabe der WM 2006 eine Millionenzusage. Einen Bestechungsversuch weist der Beckenbauer-Vertraute Fedor Radmann nun erneut zurück. Er nennt es "Beruhigungsvertrag".

Der frühere OK-Vizepräsident Fedor Radmann stuft eine Abmachung zwischen den Machern der Fußball-WM 2006 und dem lebenslang gesperrten Funktionär Jack Warner kurz vor der Turnier-Vergabe als "eine Art Beruhigungsvertrag" ein.

"Wir wollten uns Jack Warner damals quasi vom Hals halten. Uns war klar, dass er nicht für uns stimmen wird. Er wollte entweder für Südafrika oder für England stimmen. Aber wir wollten ihn so kurz vor der Vergabe auch nicht als Feind haben", sagte der 71-Jährige der Zeitung "Die Welt".

Das "Beckenbauer-Dokument", ein auf den 2. Juli 2000 (vier Tage vor der WM-Vergabe) datierter Entwurf, war in den Archiven des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aufgetaucht. Es wurde von WM-Organisationschef Franz Beckenbauer für die deutsche und dem früheren Fifa-Vize Warner (Trinidad/Tobago) für die andere Seite unterschrieben. Das Dokument, das dem SPIEGEL vorlag, war ein Grund für den Rücktritt des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach.

Die erheblichen Zusagen an Warner, unter anderem über 1000 WM-Tickets der teuersten Kategorie, legen zumindest die Option eines Stimmenkaufs vor der WM-Vergabe nahe. Von der DFB-Interimsführung um die Präsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch wird das Dokument als Bestechungsversuch gewertet.

Radmann erklärte, in den letzten Tagen vor der WM-Vergabe könne es "schon zu einer Art Beruhigungsvertrag" gekommen sein. "Jack Warner war Vize-Präsident der Fifa, er war ein wichtiger Mann und unglaublich einflussreich, alle haben ihn umschwärmt. Wir wollten einfach nicht, dass er gegen uns arbeitet. Deswegen haben wir vielleicht versucht, ihn zu beruhigen", sagte der engste Vertraute Beckenbauers.

Als Bestechungsversuch will Radmann das Vorgehen nicht verstanden wissen: "Ich sage immer noch ganz klar: Wir haben niemanden bestochen." Deutschland habe die beste Bewerbung eingereicht: "Alles andere ist dummes Zeug."

Das Beckenbauer-Dokument ist nach jetzigem Kenntnisstand nicht in die Tat umgesetzt worden.

mon/sid

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insgesamt 32 Beiträge
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    Seite 1    
1. beruhigungsvertrag
pr-watch 11.02.2016
schon jetzt ein heiße Kandidat für das Wort des Jahres
2. Beruhigungsvertrag ?
stefanbodensee 11.02.2016
So kann man sich Bestechung auch schön reden - grauenhaft, wie sich diese korrupten Fußball-Fuzzis in die eigene Tasche lügen ....
3. Lächerliche Ausrede
bauigel 11.02.2016
Das ist die zweitlächerlichste Ausrede hinter der von der AfD "bin auf der Maus ausgerutscht".....
4. Realitätsfremd
keinblattvormmund 11.02.2016
Das kurzerhand als "Beruhigungsvertrag" zu deklarieren und es somit als unproblematisch zu sehen, zeigt, wie abgehoben und realitätsfremd dieser korrupte Laden ist. Und ganz abgesehen davon, was im juristischen Sinne verboten und erlaubt ist: Haben deren Eltern ihnen nicht beigebracht, dass man bestimmte Sachen einfach nicht "macht"? So im Hinblick auf "sportliches Verhalten"?
5. Ich finde es lustig
neill1983 11.02.2016
Wie Menschen keinen Rückgrat haben können und es einfach beim Namen nennen - und zwar Bestechung. Er macht etwas was ich will und ich gebe ihm dafür was er will (oder gleichwertiges) - beste Bewerbung abgegeben - ist klar. Aber das ist ja eh klar das es in den westlichen Ländern seit Jahren so läuft und in Russland Türkei China und Co wird es Bestechung genannt und verurteilt. Was unterscheidet dies nun im Gegensatz zu den Oligarchen in Russland? Oder den Erdogan Anhängern in der Türkei die Geld geben damit sie über einen Sektor verfügen.
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