Auftritt in Hamburg Magath ist schachmatt

Felix Magath war in Hamburg, um über Schach zu sprechen. Betont gelassen erklärte er, warum er nicht Trainer beim HSV wird. Doch das tagelange Hin und Her hat nicht nur den Krisenclub beschädigt - auch Magath hat ein großes Imageproblem.

Von , Hamburg


"Es gibt Situationen, in denen man entscheiden muss, auch, wenn es schwierig ist. Es ist besser, als gar keine Entscheidung zu treffen." Diese Aussage kam am Donnerstagabend nicht von Felix Magath, sondern von einem Schachtrainer. Sie gefiel dem Mann, der eine Woche lang als neuer Coach des Hamburger SV gehandelt wurde, aber offenbar so gut, dass er sich ein Lächeln nicht verkneifen konnte.

Magath war in Hamburg, um über Schach zu diskutieren. Unter dem Motto "Schach macht schlau" sprach er darüber, was Kinder und Jugendliche durch das Brettspiel fürs Leben lernen können. Die eingangs zitierten Sätze passten aber ebenso gut zur Situation beim HSV. Zu einem Verein, der seit knapp einer Woche mit einer Entscheidung kämpft: Für oder gegen Trainer Bert van Mawijk? Für oder gegen den eigenen Vorstand? Für oder gegen Felix Magath?

Beim HSV spielt offenbar niemand Schach, und falls doch, dann sehr schlecht. Magath hingegen, ein leidenschaftlicher Schachspieler, traf am Donnerstag eine Entscheidung: gegen ein Engagement beim HSV. Das hatte er kurz vor der Veranstaltung in Hamburg auf seiner Facebook-Seite bekanntgegeben.

"Ich habe mich die ganze Woche für den HSV bereitgehalten"

So kam es, dass die kleine Schach-Debatte Dutzende Journalisten aus dem ganzen Land anlockte. Alle wollten von Magath persönlich hören, warum es nicht geklappt hat mit dem HSV. Und Magath enttäuschte die Erwartungen nicht.

"Beim HSV ist der Vorstand gegen mich, es gab im Aufsichtsrat Gegenstimmen, und die Initiative HSVplus war nicht auf meiner Seite", sagte Magath. An ihm selbst, das will er deutlich machen, ist die Zusammenarbeit nicht gescheitert. "Ich habe mich die ganze Woche für den HSV bereitgehalten", so Magath. "Es hätte wunderbar gepasst, für mich und für den Verein."

Nebenbei bestätigte er, was in den vergangenen Tagen kolportiert worden war: In der vergangenen Woche - noch vor dem 0:3 gegen Hertha BSC - habe er sich in Hamburg mit Mitgliedern des HSV-Aufsichtsrats getroffen. Auch in den Tagen danach habe er in regem Kontakt zu Teilen des Kontrollgremiums gestanden. Doch nachdem selbst nach der Pokalpleite gegen den FC Bayern im Aufsichtsrat keine Zweidrittelmehrheit für Magath zustande kam, zog der nun die Notbremse.

"Wenn etwas nicht vorangeht, dann muss man auch mal einen Haken dahinter machen", sagte Magath. Doch seine demonstrativ zur Schau getragene Gelassenheit konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur der HSV ein Problem hat, sondern auch sein Beinahe-Trainer.

Magath profitierte lange Zeit von einem Image, das im Wesentlichen zwei Aspekte miteinander verbindet. Da ist zum einen "Quälix", ein Trainer, der seine Spieler mit Medizinbällen malträtiert und keine Rücksicht auf Einzelschicksale nimmt - egal ob es um die Meisterschaft geht oder gegen den Abstieg. Es ist ein Schleifer-Image, das in Zeiten flacher Hierarchien und kumpeliger Konzepttrainer überholt wirkt.

Magath wird mittlerweile mehr gefürchtet als geachtet

Das war jahrelang kein Problem für Magath, denn gleichzeitig galt er als undurchschaubarer Stratege. Einer, dem man nur genug Macht geben muss, bis er auch aus einer grauen Maus wie dem VfL Wolfsburg einen Deutschen Meister macht. Der in seiner Freizeit Schach spielt und bei Pressekonferenzen erst mal an seiner Teetasse nippt, bevor er Fragen der Journalisten beantwortet. Hoch geachtet und ein bisschen gefürchtet - so gefällt sich Magath.

Sein Problem: Mittlerweile wird er mehr gefürchtet als geachtet. Das gilt nicht nur bei den Spielern, die auch beim HSV angeblich alles andere als begeistert waren von der möglichen Verpflichtung Magaths. Es gilt auch bei den Vereinsbossen. Das Bild von Magath als großem Strategen hat gelitten. Seit seinem Scheitern bei Schalke und bei seinem zweiten Engagement in Wolfsburg gilt Magath als einer, der in erster Linie viel Macht fordert und für viel Geld neue Spieler kauft - ohne dabei zwangsläufig erfolgreich zu sein.

Nun will sich nicht einmal der Hamburger SV auf das Wagnis Magath einlassen. Ein Verein, bei dem in den vergangenen Tagen wegen der verzweifelten sportlichen Lage die Sehnsucht nach einer starken Führungskraft groß war. Zudem wird Magath wegen seiner glorreichen Zeit als Spieler beim HSV bis heute in Hamburg verehrt, von vielen Fans und vor allem von HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne.

Dass es trotzdem Menschen gab, die ein Engagement Magaths beim HSV mit aller Kraft verhindern wollten, sollte ihm zu denken geben. Es scheint, als habe der Schachspieler Felix Magath die Kontrolle über sein Spiel verloren. Und das liegt nicht nur am Chaos beim HSV.



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Seite 1
gekreuzigt 14.02.2014
1. Diese Selbstinszenierung
bringt Magath fast schon auf das Niveau eines Matthäus. Ich warte schon auf die entsprechende Dokusoap.
HerrZlich 14.02.2014
2. Recherchieren
Wer solche Artikel vom Stapel lässt, sollte sich etwas etwas mehr Mühe geben seinen Beruf anständig auszuüben.Natürlich hatte Magath auch Misserfolge aber unbestritten sind auch die Erfolge, gerade hinsichtlich der Vermeidung von Abstiegen. Magath hat Nürnberg, Frankfurt, Stuttgart und Wolfsburg vor dem Abstieg bewahrt. War Deutscher Meister mit Bayern und Wolfsburg. Er hat Schalkes als nicht konkurrenzfähig eingestufte Mannschaft auf den zweiten Platz der Bundesliga geführt und hat sie in die Champions League sowie ins Halbfinale des DFB-Pokals geführt. Aber auf Spon lese ich dann"Das Bild von Magath als großem Strategen hat gelitten." Scheint her als hätte die Recherche und die Objektivität des Autors gelitten.
UlliK 14.02.2014
3. Zu Magath fällt mir nur ...
... Bert Brecht ein: "Am Grunde der Moldau wandern die Steine es liegen drei Kaiser begraben in Prag. Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine. Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag."
buerger2013 14.02.2014
4. Ob
Zitat von sysopDPAFelix Magath war in Hamburg, um über Schach zu sprechen. Betont gelassen erklärte er, warum er nicht Trainer beim HSV wird. Doch das tagelange Hin und Her hat nicht nur den Krisenclub beschädigt - auch Magath hat ein großes Imageproblem. http://www.spiegel.de/sport/fussball/felix-magath-in-hamburg-der-schachspieler-hat-ein-imageproblem-a-953425.html
Herr Magath die Lösung gewesen wäre, weiss ich nicht. Als Fan klammert man sich in so dramatischen Situationen an jeden Strohhalm. Wenn ich allerdings höre, dass als Alternative zu Van Marveigh ein Herr Slomka im Gespräch ist, fällt mir nur ein: die nächste Schlaftablette.
senta1958 14.02.2014
5. optional
Sehr spekulativer Artikel. Alleine die Tatsache, dass Teile des Aufsichtsrates an sowohl Vorstand als auch Trainer/ Sportdirektor festhalten wollten, machte doch ein Engagement Magaths unmöglich. Dass Magath Einfluss verlangte, damit nicht jeder hineinredet ist doch nachvollziehbar. Letztendlich wäre es bei einem Scheitern ja Magath gewesen, der zur Verantwortung gezogen würde und nicht die, die vielleicht gestört hätten. Solange man in Hamburg nicht bereit ist, auf Pfründe sprich Aufsichtsratspöstchen, zu verzichten und man sich dringend notwendigen Strukturen verschliesst, wird sich dort nichts ändern. Ob man in Liga II seinen Verbindlichkeiten nachkommen kann ist doch mehr als zweifelhaft. Hier droht dann sogar Insolvenz. So treibt man sehenden Auges ins Verderben. Bedauerlich.
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