Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schüsse auf Fenerbahce-Bus: "Man wollte unsere Spieler töten"

DPA

Das Attentat auf den Mannschaftsbus von Fenerbahce Istanbul hat in der Türkei großes Entsetzen ausgelöst. Einer Boykottankündigung des Klubs folgte die Absage des kompletten nächsten Spieltags.

Der türkische Fußball-Erstligist Fenerbahce Istanbul hat das Attentat auf seinen Mannschaftsbus scharf verurteilt: "Der Fußball ist an seinem Ende angelangt und es ist Blut geflossen", heißt es in einem Statement des Klubs. Es handle sich nicht mehr um "gewohnte Gewalt von Fußballfans", sondern um einen Mordanschlag. "Man wollte unsere Spieler töten", sagte Fenerbahces Vizepräsident Mahmut Uslu in den türkischen Medien.

Nach dem 5:1-Auswärtssieg bei Caykur Rizespor wurde der Bus der Mannschaft auf dem Weg zum Flughafen Trabzon angegriffen. Bislang Unbekannte feuerten mit einer Schrotflinte auf das Fahrzeug. Der Fahrer wurde dabei verletzt und musste operiert werden. Es besteht jedoch keine Lebensgefahr. Die Spieler und Betreuer kamen mit einem Schrecken davon. "Wir hätten sterben können", sagte Fener-Spieler Mehmet Topal.

Nach abweichenden Medienberichten konnte entweder der verletzte Fahrer selbst oder das Sicherheitspersonal den Bus noch rechtzeitig stoppen. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, dass in einem Flussbett ein Jagdgewehr gefunden worden sei, bei dem es sich vermutlich um die Tatwaffe handele. Außerdem seien zwei Männer vorübergehend festgenommen, mittlerweile aber wieder freigelassen worden. Eine andere Agentur berichtete, dass die Staatsanwaltschaft Trabzon Anklage gegen Unbekannt wegen versuchten Mehrfachmordes erhoben habe.

Liga sagt kommenden Spieltag ab

Fenerbahce hatte direkt nach dem Vorfall ein Aussetzen der gesamten Süper Lig bis zur Aufklärung des Falls gefordert. Es handele sich um einen "organisierten und geplanten bewaffneten Angriff". Innenminister Sebahattin Öztürk erteilte der Forderung aber zunächst eine Absage: "Auch die eingetretene Situation rechtfertigt eine solche Maßnahme nicht."

Am Montag sagte der türkische Fußballverband dann den nächsten Spieltag am kommenden Wochenende ab. Zuvor hatte der Verein einen Spielboykott angekündigt: "Wir haben nicht die Absicht zu spielen, bis die Umstände des Anschlags geklärt sind", sagte Vorstandsmitglied Deniz Tolga Aytöre.

Den Ermittlern liegen - zumindest offiziell - noch keine Hinweise zu den Hintergründen der Tat vor. Womöglich steht das Attentat aber in Zusammenhang mit Fenerbahces Rolle im Manipulationsskandal von 2011. Damals war der Klub auf dem Weg zur Meisterschaft in Ergebnisabsprachen zu Lasten seines Erzrivalen Trabzonspor verwickelt. Bis heute fordern die Anhänger des Vereins den Titel für ihren Klub.

Trabzonspor verurteilte den Angriff und versprach Unterstützung bei den Untersuchungen. "Das ist eine Schande für unsere Stadt", zitierte die Zeitung "Hürriyet" Yakup Aslan, einen Vertreter des Vereins. Auch andere Vereine und die türkische Regierung verurteilten den Angriff. "Ein schwarzer Tag für den türkischen Fußball", kommentierte die Zeitung "Hürriyet".

mrr/sid/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: