Fifa-Korruptionsaffäre Schweizer Staatsanwalt prüft weitere Hinweise auf Geldwäsche

Beinahe täglich bekommt die Schweizer Staatsanwaltschaft neue Hinweise auf Geldwäsche bei der Fifa. Bei den Ermittlungen geht es um die Vergabe der Weltmeisterschaften nach Katar und Russland.

Fifa-Logo: Staatsanwaltschaft prüft insgesamt 81 Geldwäsche-Verdachtsfälle
AFP

Fifa-Logo: Staatsanwaltschaft prüft insgesamt 81 Geldwäsche-Verdachtsfälle


Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat im Zuge ihrer Korruptionsermittlungen beim Fußball-Weltverband Fifa Hinweise auf 28 zusätzliche Verdachtsfälle von Geldwäsche erhalten. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde. Demnach untersuchen die Ermittler in direkter Verbindung mit den umstrittenen WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar nunmehr insgesamt 81 von den Schweizer Banken gemeldete Vorgänge. "Alle Hinweise stehen in Zusammenhang mit unseren Ermittlungen zu den Entscheidungen bei den WM-Vergaben", sagte Bundesanwaltschaftssprecher André Marty.

Am 17. Juni hatte der zuständige Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber mitgeteilt, dass 104 Bankverbindungen und 53 Fälle geprüft werden, bei denen Verdacht auf Geldwäsche besteht. Seitdem, erläuterte Marty, habe die Bundesanwaltschaft "beinahe täglich" neue Hinweise erhalten. Details zum finanziellen Rahmen der neuen Hinweise oder auch aller Fälle insgesamt machte Marty nicht.

Die Untersuchungen der Bundesanwaltschaft beruhen auf einer Anzeige der Fifa aus dem vergangenen Herbst gegen unbekannt. Das Verfahren war eine Reaktion auf den sogenannten Garcia-Report über die Abläufe der WM-Vergaben, der offiziell keine Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten gegeben haben soll und bis heute unveröffentlicht geblieben ist.

Die Schweizer Fahnder operieren zwar eigenständig, kooperieren allerdings mit der ebenfalls ermittelnden US-Justiz. Ende Mai hatte die Schweizer Polizei auf Antrag der US-Behörden vor dem Fifa-Kongress in Zürich zwei damalige Fifa-Vizepräsidenten und fünf weitere hochrangige Fußball-Funktionäre verhaftet.

Lauber hatte bereits Mitte Juni kein Zeitfenster für die Vorlage möglicher Ermittlungsergebnisse hinsichtlich manipulierter Vergaben nennen wollen. Der Staatsanwalt wollte auch nicht ausschließen, dass seine Fahnder ihre Untersuchungen womöglich auch erst nach Austragung der strittigen WM-Turniere abschließen könnten.

Ex-Vize Webb angeblich zur Auslieferung bereit

Unterdessen handelt es sich bei dem festgenommenen Fifa-Funktionär, der einer Auslieferung an die USA zugestimmt hat, offenbar um den früheren Vizepräsidenten Jeffrey Webb. Das berichtet Bloomberg. Demnach soll Webbs Anwalt Edward O'Callaghan mit den Ermittlern eine Vereinbarung getroffen haben, die auch eine Kooperation des früheren Chefs des Kontinentalverbandes Concacaf (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik) mit der Justiz beinhaltet.

O'Callaghan wollte den Bloomberg-Bericht der Zeitung "New York Times" zunächst nicht bestätigen. Die US-Staatsanwaltschaft reagierte bis Samstagmittag nicht auf entsprechende Medienanfragen.

Webb wird von der US-Justiz wie acht weitere Top-Funktionäre aus Gremien der Fifa, der Concacaf oder des Conmebol (Südamerika) und fünf Vermarkter wegen Verschwörung, Betrug, Bestechung und Geldwäsche angeklagt. Er wäre im Falle einer Bereitschaft zur Mitarbeit bei der Aufklärung ein wertvoller Zeuge.

cte/AFP



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loredemund 13.07.2015
1. Schau mer mal!
Es ist zu hoffen, das die dafür zuständigen Staatsanwälte der Schweiz und der USA keine Scheu davor haben, die Beteiligung der bayerischen, kaiserlichen Lichtgestalt und sonstiger in diesem Wirkungskreis agierenden Ehrenmännern aufzuklären. Die deutsche bzw. bayerische Justiz hat wahrscheinlich kein großes Interesse.
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