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19. Februar 2013, 13:20 Uhr

Revolution im Weltfußball

Torlinientechnik kommt bei WM 2014 zum Einsatz

Premiere in Brasilien: Die Fifa will bei der Fußball-WM 2014 erstmals bei einem großen Weltturnier die Torlinientechnik nutzen, um Fehlentscheidungen zu verhindern. In jedem Stadion wird das System installiert, erklärt Verbandschef Blatter. In Europa ist die Technik umstritten.

Hamburg - Die Fifa hat sich entschlossen: Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien wird die Torlinientechnik erstmals bei einem WM-Turnier eingesetzt. Das hat der Präsident des Weltfußballverbands, Joseph Blatter, am Dienstag bekanntgegeben.

Die Technik war zuvor bei der kleinen Club-WM Ende des vergangenen Jahres getestet worden. Die Resultate haben die Fifa offenbar überzeugt - obwohl es keine umstrittene Situation gab, wo die Technik hätte eingesetzt werden müssen. In der Vergangenheit hatte es immer wieder heftig diskutierte Entscheidungen der Schiedsrichter gegeben, ob ein Ball tatsächlich im Tor war oder nicht. So war den Engländern im WM-Achtelfinale 2010 gegen Deutschland ein reguläres Tor nicht anerkannt worden.

Nach dem Test bei der Vereins-WM soll die neue Technik auch beim Confederations Cup in diesem Sommer angewendet werden. Eine Entscheidung, welche Technik den Zuschlag bekommt, soll Anfang April fallen. Zwei Anbieter sind bisher lizenziert worden. Da das Lizenzierungsverfahren derzeit läuft, können sich weitere Interessenten bewerben, erklärte die Fifa.

In den europäischen Wettbewerben scheint die baldige Einführung des Hilfsmittels ausgeschlossen. "Ich war immer gegen den Einsatz von Technik im Fußball. Deshalb wird es in den europäischen Wettbewerben keine Torlinientechnologie geben", hatte Uefa-Präsident Michel Platini gesagt. Auch finanzielle Gründe spielten dabei eine Rolle.

Platini empfiehlt stattdessen eine gute Brille

"Wenn ich die Technik in der Champions League und Europa League einführe, kostet mich das jetzt 32 Millionen Euro für 78 Stadien. In fünf Jahren kostet es dann 54 Millionen", so Platini. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte sich gegen die Pläne von Fifa-Präsident Blatter gestellt und eine Einführung der Torlinientechnik zur Saison 2013/14 ausgeschlossen.

Allerdings gehen die Meinungen immer noch auseinander. Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß ist beispielsweise ein Befürworter der technischen Hilfe. "Wenn das funktioniert, bin ich dafür. Es ist die einzige technische Neuerung, die ich akzeptiere. Ich bin total gegen technische Hilfsmittel bei Abseits- oder Elfmeterentscheidungen", hatte Hoeneß dem Fernsehsender "Sky" gesagt.

Hoeneß sprach sich gleichzeitig gegen den Einsatz der Torlinien-Technik in unteren Spielklassen aus: "Ich würde die Technik nur in der Bundesliga oder Champions League einsetzen. Eine Einführung in der C-Klasse halte ich für schwachsinnig."

Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff sieht den erstmaligen Einsatz der Torlinien-Technologie bei der WM positiv. "Gegen ein funktionierendes System ist überhaupt nichts zu sagen. Das wird man als Sportler der Fairness wegen akzeptieren", sagte Bierhoff.

Uefa-Chef Platini plädiert nach wie vor für die auf europäischer Bühne seit 2009 eingesetzten zwei Torrichter als preiswerte Alternative. "Wenn der Torrichter einen Meter von der Linie entfernt ist und eine gute Brille trägt, dann kann er sehen, ob der Ball drin ist oder nicht", sagte der europäische Fußballboss.

aha/rtr/sid/dpa

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