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Fifa-Blamage: Nur 7000 Tickets für WM-Gala verkauft

Von Pavo Prskalo und Steffen Gerth

Völlig überraschend hat die Fifa die WM-Eröffnungsgala abgesagt - offiziell heißt es, der Rasen mache Probleme. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden für die extrem teure Veranstaltung schlicht zu wenig Karten verkauft.

Hamburg - Wie Fifa-Pressesprecher Markus Siegler SPIEGEL ONLINE bestätigte, wurden bislang nur etwa 7000 Karten für die Gala verkauft - doch das Berliner Olympiastadion bietet 75.000 Zuschauer Platz. 25 Millionen Euro waren für die Show unter der künstlerischen Leitung des Österreichers André Heller veranschlagt. Zum festlichen WM-Auftakt am 7. Juni hätten internationale Stars wie Peter Gabriel auftreten sollen. Sportlich wird das Turnier am 9. Juni mit der Partie Deutschland gegen Costa Rica in München eröffnet.

Siegler will aber den schwer anlaufenden Ticketverkauf nicht als Grund für die Absage gelten lassen. "Wir waren nicht unzufrieden, die Verkaufskampagne hat noch gar nicht richtig begonnen", sagte Siegler SPIEGEL ONLINE.

Olypiastadion in Berlin: Tickets zwischen 100 und 750 Euro
DPA

Olypiastadion in Berlin: Tickets zwischen 100 und 750 Euro

Christian Schroeder zeigte sich überrascht, dass überhaupt so viele Karten für die Heller-Show verkauft worden seien. Der Abteilungsleiter Ticketing beim Berliner Großveranstalter Velomax bezeichnete das vorgeschriebene Prozedere des Kartenverkaufs gegenüber SPIEGEL ONLINE als "unglücklich". Daher habe sein Unternehmen kein Interesse am Angebot des offiziellen WM-Ticketmaklers CTS gehabt, eine der Berliner Verkaufsstellen für die Veranstaltung zu werden. Auch andere Berliner Agenturen hätten abgesagt.

Finanziell hätte sich die Kooperation überhaupt nicht gelohnt, sagt Schroeder. "Wir hätten nur zwei bis zweieinhalb Prozent Vorverkaufsgebühr verlangen können." Üblich sei eine Gebühr von etwa zehn Prozent. Zudem hätte der Kunde bei Velomax kein Ticket, sondern nur einen Optionsschein erlangen können, für den er wieder bei CTS eine Eintrittskarte erhalten hätte. "Das ist absolut einmalig", sagt Ticketprofi Schroeder.

Auch über die gesalzenen Preise für die Veranstaltung wundert sich der Berliner. So kostet bei ihm das teuerste Ticket für die Konzerte von Popstar Robbie Williams am 27. und 28. Juli im Olympiastadion 88 Euro. Die billigste Karte für die WM-Gala war 100 Euro teuer, dafür hätte man weit weg vom Rasen sitzen müssen. Für einen guten Platz hätte Schroeder bereits 432 Euro pro Karte verlangen sollen. Die besten Plätze sollten 750 Euro kosten.

Die Fifa hatte die Absage heute mit Rasenproblemen begründet. Ein "termingerechter Abbau der aufwendigen Bühnen und Veranstaltungstechnik sowie ein darauf folgender Einbau eines neuen Rasens, der ab 12. Juni in perfekter Spielqualität zur Verfügung stehen müsste", wäre nicht "ohne erhebliche Risiken" möglich gewesen. Am 13. Juni spielt Weltmeister Brasilien in Berlin gegen Kroatien.

Beim Rasenverleger, der niederländischen Firma Hendriks Graszoden, reagierte man überrascht auf die Entscheidung der Fifa. "Mich wundert die Absage, ich wurde von der Fifa nicht informiert", sagte Firmenchef John Hendriks SPIEGEL ONLINE. Der Rasenprofi, der bereits unter anderem die Spielfläche im Madrider Stadion Santiago Bernabeu und der Ajaxarena in Amsterdam verlegt hat, sieht im Faktor Zeit kein Hindernis. "Für mich wäre es kein Problem gewesen, den Rasen rechtzeitig zu verlegen. Wenn wir morgens um fünf Uhr anfangen, ist der Platz abends um zehn Uhr fertig", so Hendriks. Auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit hat kein Verständnis für die Absage: "Der Rasen wäre austauschbar gewesen, so dass die Bespielbarkeit gewährleistet wäre."

Der Fifa waren diese Garantien aber nicht genug. "Es gab ein zu hohes Restrisiko. Was wenn ein Jahrhundertregen runterkommt?", sagte Siegler. "Lieber jetzt ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende."

Fedor Radmann, der Kulturbeauftragte des WM-OK, bedauerte die Absage der WM-Eröffnungsgala. "Ich bin tief überzeugt davon, dass diese Veranstaltung die spannendste und Aufsehen erregendste nach dem Krieg in Deutschland geworden wäre", sagte der wegen der Absage "sehr trauriger" Radmann.

Derweil bietet sich München als Ersatzort für die Gala an. Die bayerische Landeshauptstadt sei "selbstverständlich bereit", entweder durch eine Ausweitung der Münchner Eröffnungsfeier oder durch ein gesondertes Fest im Olympiastadion behilflich zu sein, erklärte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Allerdings hat Siegler dieses Angebot schon abgelehnt. "Wir gehen nicht an einen anderen Ort, das ist ausgeschlossen", so der Fifa-Pressesprecher. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, will nach eigenen Worten der FiFa anbieten, ein Eröffnungsfest am Brandenburger Tor zu veranstalten. Man müsse jetzt aus der Situation gemeinsam das Beste machen, sagte der SPD-Politiker dem "Tagesspiegel".

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