Zehn Millionen Euro Reisekosten Urteil dokumentiert Fehlverhalten von Ex-Fifa-Generalsekretär Valcke

Privatflüge, Luxusreisen, Mitorganisation von Schwarzmarkt-Ticketdeals - der Sportgerichtshof Cas legt in einer 76-seitigen Urteilsbegründung das Finanzgebaren des ehemaligen Fifa-Funktionärs Jérôme Valcke offen.

Jérôme Valcke
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Jérôme Valcke


Der Sportgerichtshof Cas hat nach der gescheiterten Berufung des ehemaligen Fifa-Generalsekretärs Jérôme Valcke die Urteilsbegründung publiziert. Daraus geht hervor, dass der Franzose nicht nur einen Schwarzmarkt-Ticketdeal vor der WM 2014 mitorganisiert, sondern auch Extrakosten von 11,7 Millionen Dollar (9,95 Millionen Euro) für Privatflüge und Luxusreisen auf Kosten des Fußball-Weltverbandes verursacht hat. Zudem habe Valcke seinem Sohn durch Insiderwissen zu einem Vertrag mit WM-Bezug in Höhe von rund 600.000 Euro verholfen.

Die Fifa hatte Valcke 2016 für zehn Jahre gesperrt und mit einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Franken (88.700 Euro) belegt. Dagegen hatte der 57-Jährige vor dem Sportgerichtshof Einspruch erhoben. Die Schweizer Justiz ermittelt unabhängig vom Urteil der Sportrichter weiter gegen ihn.

Valcke hatte vor den Cas-Richtern als Grund für die enorm hohen Kosten unter anderem Privatflüge für sich, seine Familie und ein Kindermädchen zur WM-Qualifikationsauslosung nach St. Petersburg im Juli 2015 angegeben. Fifa-Präsident Joseph Blatter soll ihm dazu geraten haben, um der Gefahr einer Verhaftung zu entgehen. Wenige Wochen zuvor waren im Zuge der Ermittlungen der US-Justiz mehrere Fifa-Funktionäre in Zürich festgenommen worden.

Die Cas-Richter wiesen diese Erklärung als unzureichend für die Extrakosten zurück. Bereits im Jahr 2013 war Valcke per internem Fifa-Schreiben aufgefordert worden, "wann immer möglich kostensparende Alternativen" zu finden.

Valckes Berufung zum Generalsekretär unter Blatter im Jahr 2007 kam überraschend, da er ein Jahr zuvor durch einen juristisch anfechtbaren Sponsorendeal der Fifa einen Millionenschaden verursacht hatte.

tip/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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meresi 25.09.2018
1. Ein Wahnsinn
Jeder einfache Bürger würde schon sitzen bei solch ähnlichen Vergehen.
th.diebels 25.09.2018
2. Das ist nur
die "Spitze des Eisbergs" - alle anderen "Selbst"bediener liegen und leben noch ge- und beschützt gemütlich irgendwo auf der Welt herum !
zensurgegner2017 25.09.2018
3.
Und wieder einmal war es das Konstrukt Steueroase, dass überhaupt erst dazu geführt hatte Valcke ist wie nahezu jeder Funktionär in eine Position gerückt, in der man dank Steueroase nahezu Gottgleich mit Geldern umgehen konnte Diejenigen, die den Aufstieg ermöglichten waren diejenigen, die jahrzehnte davon profitiert haben, dass der Schweiz es egal gewesen ist, die der Verband mit dem Geld umgegangen ist, wie und ob versteuert wurde. Steueroasen und Steueroasengesetzgebungen ziehen immer Kriminelle an, das ist ein Naturgesetz Dass die schweizer Justitz nun ermittelt ist Zwang von Außen, auch von den USA, aber es ist dennoch nur Augenwischerei, schließlich hat die Schweiz das Gesetz so abgewandelt, dass im Profisport Korruption nahezu nicht mehr strafbar ist. Ganz Explizit wurde das so durch den Gesetzgeber in der Schweiz so geregelt Und deswegen sitzen weiterhin 4/5 aller für den westlichen Weltsport bedeutenden Verbände in der Schweiz, weil man dahin prima nahezu steuerfrei Gelder verschieben kann, und weil man als Funktionär nahezu Sonnenköniggleich die Lieben straffrei leistungslos versorgen kann Posten werden vergeben nach Verschiegenheit, nicht nach Kompetenz
hevopi 25.09.2018
4. Fifa?
Es hat sich doch herumgesprochen, dass diese Organisation von seltsamen Verhaltensweisen ihrer Funktionäre lebt und Kohle ohne Ende verballert. Langsam bezweifle ich, dass endlich mal Ordnung geschaffen wird und die Abstauber zur Rechenschaft gezogen werden.
sh.stefan.heitmann 25.09.2018
5. und jeder der nur einen cent für Fussbal ausgibt...
... sein es trikots, eintritt oder pay TV, ja selbst jemand der es im öffentlichen schaut (denn die haben dafür gezahlt) unterstützt das System und darf garnicht den Mund aufmachen. Fussball boykottieren oder klappe halten!
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