Olympia 2012 Ex-Fifa-Funktionär spionierte für das FBI

Er hat mehrere Millionen Dollar veruntreut und Steuern hinterzogen: Um dem Gefängnis zu entgehen, arbeitet der Ex-Fifa-Funktionär Charles Blazer mit dem FBI zusammen. Bei Olympia 2012 spionierte er mehrere ehemalige Kollegen aus.

Ex-Fifa-Funktionär Blazer: Seit 2011 kooperiert er mit US-Behörden
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Ex-Fifa-Funktionär Blazer: Seit 2011 kooperiert er mit US-Behörden


Mit Spannung wartet die Fußballwelt auf einen Zwischenbericht der Fifa-Ethikkommission zur Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 (Russland) und 2022 (Katar). Mitte November will der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert ein erstes Papier vorlegen. Zwei Monate lang hat er den Bericht studiert, den ihm der US-Ermittler Michael Garcia übermittelt hat.

Juristen und Fifa-Funktionäre, die zum Teil selbst betroffen sind, streiten erbittert darüber, ob der Garcia-Report veröffentlicht werden soll - und wenn ja, in welchem Umfang. Die Diskussionen darüber, ob die gigantische Korruption in der Fifa aufgeklärt werden kann, bekommen jetzt neuen Stoff: Denn nachdem in den USA schon seit drei Jahren die Steuerbehörde IRS und die Bundespolizei FBI in Sachen Fußballkorruption ermitteln, hat sich nun auch das Serious Fraud Office (SFO) eingeschaltet, die britische Strafverfolgungsbehörde für schwere Delikte.

SFO-Direktor David Green hat dem konservativen Abgeordneten Damian Collins, der sich seit Jahren um Aufklärung der Vorgänge in der Fifa bemüht, schriftlich mitgeteilt, dass seine Behörde die Entwicklungen sehr genau beobachte. Man sah bisher aber keinen Ansatz für eigene Ermittlungen, weil die SFO nur bei Vorgängen innerhalb Großbritanniens tätig werden kann. Der Umstand allein, dass England mit seiner WM-Bewerbung 2018 Russland unterlag und danach bei parlamentarischen Anhörungen Funktionäre wie der ehemalige FA-Präsident Lord David Triesman und journalistische Enthüller von der "Sunday Times" Indizien und Belege für Korruption vorbrachten, reichte bislang nicht aus.

Gespräche mit hochrangigen Fifa-Funktionären aufgezeichnet

Am vergangenen Wochenende präsentierte die Zeitung "New York Daily News" in einer Titelgeschichte einige neue Fakten. Es geht um den langjährigen Fifa-Vorstand Chuck Blazer aus den USA, der seit 2011 mit den Bundesagenten kooperiert, um einer Haftstrafe zu entgehen. In dieser Sache wurde bereits eine Grand Jury einberufen, was sich im Sportbusiness schon mehrfach als hilfreich erwiesen hat, etwa bei der Aufklärung der Dopingsysteme Balco und Armstrong.

Im Auftrag von FBI und IRS war Chuck Blazer im Sommer 2012 während der Olympischen Sommerspiele in London tätig, enthüllten die "New York Daily News". Er hat dort im May Fair Hotel, einer beliebten Fifa-Absteige, Gespräche mit hochrangigen Fußballfunktionären geführt - und alles mit einem Mikrofon aufgezeichnet, das die Agenten in einem Schlüsselanhänger versteckten.

Unklar bleibt, wie viele der 44 Zielpersonen, darunter auch Fifa-Präsident Joseph Blatter, Blazer getroffen hat. Eingeladen hatte er unter anderem die Russen Alexej Sorokin, den Chef des WM-Organisationskomitees 2018, Anton Baranow, einen Sekretär des russischen Sportministers und Fifa-Exekutivmitglieds Witali Mutko und Witali Logwin, ein Vertrauter des Oligarchen und reichsten Russen Alisher Usmanow. Die britische Betrugsbehörde SFO soll sich gerade für diese Gespräche mit den Russen interessieren. Der Unterhaus-Abgeordnete Collins forderte SFO-Direktor Green in der BBC und via Twitter zum Handeln auf.

Blazer hat mindestens 15 Millionen Dollar veruntreut

Charles Gordon "Chuck" Blazer, Spitzname "Mr. Ten Percent", zählte mehr als zwei Jahrzehnte zu den mächtigsten Fußballfunktionären der Welt. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Jack Austin Warner zweigte er viele Millionen Dollar aus dem Fußballgeschäft ab.

21 Jahre lang haben Warner, 71, aus Trinidad und Tobago und Blazer, 69, den nordamerikanischen Kontinentalverband Concacaf als Präsident und Generalsekretär geführt. Beide gehörten dem Fifa-Exekutivkomitee an, Warner war zudem 15 Jahre Vizepräsident der Fifa.

Als sie sich ab dem Jahr 2010, rund um die von Korruption überschatteten WM-Vergaben an Russland und Katar, aber zerstritten, begann ihr Abstieg. Beide lieferten Material an Medien und an Polizeibehörden. Beide wurden der Korruption überführt. Warner trat 2011 nach 28 Jahren aus dem Fifa-Exekutivkomitee zurück, wurde nie belangt und blieb in seiner Heimat weiter als Politiker aktiv. Sein Sohn Daryan wurde allerdings schon Ende 2011 in Miami von Bundesagenten festgesetzt und versucht seither, als Kronzeuge einer Gefängnisstrafe unter anderem wegen Geldwäsche zu entgehen.

Blazer unterzieht sich derzeit einer Darmkrebs-Therapie. Blazer hat die WM-Bewerbung der USA 2022 unterstützt und nach der Niederlage gegen Katar (8:14 Stimmen) sofort lautstark die Machenschaften des WM-Gastgebers 2022 kritisiert. Manche bezeichnen Blazer seither fälschlicherweise als Whistleblower.

Doch klar ist: Die Öffentlichkeit verdankt der Feindschaft von Warner und Blazer aufschlussreiche Einblicke in die Abgründe des Weltfußballs. In ein flächendeckendes System der Korruption, von dem am Ende stets ein Mann profitierte: Joseph Blatter. Auf Fifa-Kongressen konnte der Schweizer sich dank Warner und Blazer immer auf die 35 Concacaf-Stimmen verlassen.



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Kenntauer 04.11.2014
1. Stasi 2.0
Die Besserwessis.
rus13 04.11.2014
2.
Zitat von KenntauerDie Besserwessis.
Ach quatsch ist doch alles Demokratie und zu unserem Besten. Die Geheimdienste sind einfach nur pervers...
speedy 04.11.2014
3. Whistleblower aha!!!
Das ist ein Unrechts Staat,die USA.Wer mit zwerierlei Maß misst und denn einen Snowden unerbittlich jagt,der muss sich Staatswillkür vorwerfen lassen.Blazer darf sogar weiter als Politiker arbeiten obwohl er korrupt ist,wenn das ein Rechtsstaat ist bin ich Schneewitchen.Unsere Journalisten und Medienmogule sind nur noch Lachnummern die wohlfeil ihren Verlegen in den Allerwertesten kriechen und die Weltsicht der Elitärenkreise auch den untersten in den Kopf hämmern wollen.Es wird nicht gelingen!!!
raber 04.11.2014
4. Gigantische Fifa-Korruption
Hoffentlich kommen jetzt handfeste Beweise raus und diese altgedienten Korruptions-Vervielfacher werden angezeigt und bestraft werden. Alle wissen, dass es bei der Fifa eine "gigantische Korruption" gbt und nichts geschieht. Diese Herren Blazer und Warner hätten natürlich auch schon längst im Knast hocken müssen.
leon2680 04.11.2014
5.
guter Mann, hilft Korruption aufzudecken.
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