Fifa-Entscheidung Fußball-WM 2010 in Südafrika

Die erste Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent findet 2010 in Südafrika statt. Das Land erhielt heute Mittag in Zürich von der Fifa den Zuschlag. In Kapstadt, Johannesburg und anderen großen Städten Südafrikas zogen nach der Bekanntgabe der Entscheidung Tausende jubelnd durch die Straßen.


Jubel über den Fifa-Entscheid: Nelson Mandela feiert mit Familie und Freunden
AFP

Jubel über den Fifa-Entscheid: Nelson Mandela feiert mit Familie und Freunden

Zürich - Erstmals überhaupt findet damit eine WM-Endrunde auf dem afrikanischen Kontinent statt. Das 24-köpfige Exekutiv-Komitee des Weltverbandes Fifa sprach sich für die Republik am Kap der Guten Hoffnung aus. Gleich im ersten Wahlgang kamen die Südafrikaner auf die absolute Mehrheit und setzten sich mit 14:10 Stimmen gegen Herausforderer Marokko durch. Ägypten ging leer aus. Nachdem am Vortag Tunesien bereits seine Bewerbung zurückgezogen hatte, wurde Libyen am Samstag kurzfristig nicht zur Abstimmung zugelassen. Das Land verweigerte die Garantie, Israel im Falle der Qualifikation einreisen zu lassen.

Vor vier Jahren war Südafrika mit 11:12-Stimmen im Kampf um die WM-Endrunde 2006 knapp an Deutschland gescheitert. Südafrika gab den weiteren Mitbewerbern Marokko, Ägypten, und Libyen das Nachsehen. Tunesien hatte am Vortag seine Kandidatur zurückgezogen.

Begeisterung in Johannesburg: "Der Gewinner ist Afrika"
REUTERS

Begeisterung in Johannesburg: "Der Gewinner ist Afrika"

Nachdem Fifa-Chef Josef Blatter den versiegelten Umschlag geöffnet und die Entscheidung bekannt gegeben hatte, brach in der südafrikanischen Delegation lauter Jubel aus. Sichtlich bewegt reagierte auch der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der die Bewerbung angeführt hatte.

"Wir können alle Afrika applaudieren", sagte Blatter nach der Verkündung der Entscheidung, "der Gewinner ist der Fußball, der Gewinner ist Afrika." Auch Mandela jubelte: "Ich fühle mich wie ein junger Mann mit 15 Jahren. Es ist ein toller Tag für uns. Wir haben uns gegen hochklassige Konkurrenten durchgesetzt. Das war nicht einfach. Ich wünschen unseren Mitbewerbern, dass sie auch einmal so feiern können wie wir heute." Südafrikas Bewerbungs-Chef Danny Jordaan ergänzte: "Ich fühle mich viel besser als vor vier Jahren." Erzbischof Desmond Tutu und Mandela-Vorgänger F.W. de Klerk waren ebenso zur Unterstützung ihres Landes nach Zürich gereist.

Gratulation von Beckenbauer

Auch das deutsche Organisationskomitee für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat Südafrika gratuliert, das das Turnier vier Jahre später ausrichten darf. "Südafrika wird ein sehr guter Gastgeber sein", sagte OK-Präsident Franz Beckenbauer am Samstag in Zürich, "schon 2000, als wir uns nur sehr knapp gegen Südafrika hatten durchsetzen können, zeigte die Bewerbung, dass wir uns auf eine sehr herzliche und fröhliche Weltmeisterschaft freuen können."

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WM 2010: Südafrika jubelt über den Fifa-Zuschlag

In Südafrika brach nach Verkündigung des Ergebnisses große Freude aus. Präsident Thabo Mbeki, der die Bewerbung seines Landes noch am Freitag in Zürich vorgestellt hatte, ließ sich von seinen Landsleuten in der Hauptstadt Pretoria zu einem Freudentanz verleiten. Die Abstimmung aus Zürich wurde auf Großbildleinwänden im ganzen Land gezeigt, vor denen sich Tausende Menschen versammelt hatten. In Fußballstadien, an Straßenkreuzungen und anderen Versammlungsorten knallten Sekt- und Champagnerkorken.

Wirtschaftlicher Schub erwartet

Kinder in Kapstadt: Vorfreude auf die WM
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Kinder in Kapstadt: Vorfreude auf die WM

Zehn Jahre nach Einführung der Demokratie im einstigen Apartheid-Staat bedeutete die WM-Ausrichtung ein wichtiges Signal für die Wirtschaft. Mandela hatte eine Finanzspritze für Südafrika in Höhe von 340 Millionen Euro hochgerechnet und glaubt an die Schaffung von 150.000 neuen Arbeitsplätzen. "Es könnte für unser Land kein besseres Geschenk zum 10-jährigen Jubiläum geben, als die WM 2010 austragen zu dürfen", hatte Mandela schon zuvor geäußert.

Südafrika war von Beginn an als Favorit ins Rennen gegangen. Dennoch war die Enttäuschung besonders in Marokko groß. Auf die Frage eines Reporters, was er gegen sein Land habe, sagte Blatter: "Die Fifa ist im Jahr des Fair Play. Die Behauptung, ihr Präsident würde Marokko nicht mögen, akzeptiere ich nicht."



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