Umstrittener neuer Ethikcode Wer die Fifa kritisiert, wird bestraft

Die Fifa hat ihren Ethikcode überarbeitet und liefert damit Munition für ihre Kritiker: Das Wort Korruption kommt in dem Dokument nicht mehr vor, dafür droht der Weltverband seinen Gegnern Bestrafungen an.

Fifa-Boss Gianni Infantino
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Fifa-Boss Gianni Infantino


Korruption in der Fifa? Die gibt es nicht mehr - wenn es nach der Fifa geht. Der Fußball-Weltverband hat die Bestimmungen seines Ethikcodes überarbeitet, und in der neuen Version taucht das Wort "Korruption" nicht mehr auf.

Im alten Ethikcode, 2004 vom damaligen Fifa-Boss Joseph Blatter in Auftrag gegeben, war noch davon die Rede, dass Korruption, Bestechung und Wettbetrug unter Strafe gestellt sind. Bestechung und Wettbetrug werden auch in der Version von 2018 aufgeführt, Korruption nicht mehr.

Die Fifa hat die Änderung verteidigt. "Diese Änderung hat keinen maßgeblichen Einfluss auf die tatsächlichen Verstöße, die verfolgt werden", teilte sie als Reaktion auf einen Bericht der Nachrichtenagentur AP mit. "Das gleiche Verhalten, das unter dem früheren Code strafbar war, ist es auch immer noch unter dem neuen."

Gleichzeitig ist allerdings eine Verjährungsklausel neu aufgenommen worden. Fälle von Bestechung und Matchfixing sollen nach zehn Jahren nicht mehr verfolgt werden. Im alten Code hieß es noch, die Verfolgung von Bestechung und Korruption unterliege keiner zeitlichen Begrenzung.

Und noch ein Part im neuen Ethikcode ruft die Kritiker auf den Plan: Neu aufgenommen ist ein Passus, der "Diffamierung der Fifa" unter Strafe stellt. Künftig sei es "Personen, die an diesen Code gebunden sind, verboten, öffentliche Äußerungen diffamierender Art über die Fifa zu tätigen", heißt es in Abschnitt 22.2. Wer dies dennoch tue, könne bis zu zwei Jahre von allen Fußballaktivitäten ausgeschlossen werden, in "ernsten Fällen" sogar bis zu fünf Jahre.

Das kann auch ein Instrument sein, Kritiker der Fifa mundtot zu machen. Der Weltverband selbst sieht das ganz anders. Eine solche Bestimmung existiere "in den meisten Rechtssystemen", so die Fifa in einer Erklärung. Es gehe dem Verband vielmehr darum, Falschinformationen über die Fifa verfolgen zu können. Verbandsboss Gianni Infantino hatte schon auf dem Fifa-Kongress 2017 gesagt, es seien zu viele "Fake News und alternative Fakten über die Fifa" im Umlauf.

Der neue Ethikcode war am 10. Juni vom Council verabschiedet worden und ist am vergangenen Sonntag in Kraft getreten.

aha/AP/dpa



insgesamt 37 Beiträge
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Jo-achten-van-Haag 15.08.2018
1. Tja
Trump und Erdogan lassen grüßen. Ein Schelm der Böses dabei denkt. Frei nach dem Text aus Pippi Langstumpf "Ich mach' mir die Welt - widdewidde wie sie mir gefällt ...". Da kann man nur alles boykottieren was mit diesem Laden zusammenhängt. Auch wenn es weh tut.
heinrich-wilhelm 15.08.2018
2. Schreibfehler
Ich denke der Fifa Boss heisst nicht Giovanni Infantino sondern Infantilo. Nomen est omen
berlin-steffen 15.08.2018
3. Und haben unsere
DFB-Funktionäre dafür gestimmt? Das wäre doch interessant. Oder ist das die neue Transparenzoffensive?
Anna156464641156 15.08.2018
4. Diffamierende Äußerungen über die Fifa
"Eine solche Bestimmung existiere in den meisten Rechtssystemen" Richtig! Da Liberale und freie Rechtssysteme eher die Ausnahme als die Regel sind. Das man in einem Umfeld in dem es ausnahmslos Korruption gibt, keine mehr sieht, ist ein natürlicher Mechanismus den alle Mafiabanden irgendwann betrifft. Und SPON bitte nennt das nicht Ethikcode. Verhaltensregeln trifft es besser. Mit Ethik (Im Zentrum der Ethik steht das spezifisch moralische Handeln...) hat die Fifa nichts am Hut.
peter-11 15.08.2018
5. korrupter Haufen
Die FIFA ist und bleibt ein korrupter Haufen. Herr Infanti schaut sich das bei den Despoten dieser Welt ab. Auf einen kritischen Kommentar von Herrn Grindel, immerhin Präsident des größten Verbandes, wird man vergeblich warten. Dabei wird er sowieso auch bei der FIFA nicht ernst genommen. Oh, jetzt darf ich nicht mehr Fußballspielen ;-)
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