Fifa-Vizepräsident Webb Das böse Erwachen des Blatter-Kronprinzen

Jeffrey Webb sollte Sepp Blatter an der Spitze der Fifa beerben. Doch nun wurde der Vizepräsident des Fußball-Weltverbands wegen Korruptionsverdachts festgenommen. Wer ist der Mann von den Cayman Islands?

Fifa-Vizepräsident Webb: Blatter-Vertrauter wurde in seinem Hotel festgenommen
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Fifa-Vizepräsident Webb: Blatter-Vertrauter wurde in seinem Hotel festgenommen


Am Dienstag war er noch bester Laune gewesen: Bei einem Treffen seines Kontinentalverbandes in Zürich scherzte Jeffrey Webb, der bevorstehende Fifa-Kongress drohe etwas langweilig zu werden. Nur einen Tag später steht die Karriere des Fußballfunktionärs vor dem Zusammenbruch.

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Heft 22/2015
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In Zivil gekleidete Schweizer Ermittler erschienen am frühen Morgen unangemeldet im Fünf-Sterne-Hotel, in dem Webb übernachtete. Sie ließen sich den Zimmerschlüssel des 50-Jährigen geben und nahmen ihn fest - zusammen mit sechs weiteren Funktionären.

Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechung mit einer Gesamtsumme von etwa 120 Millionen Dollar seit den Neunzigerjahren. Das Geld sollen die Funktionäre von Sportmedien- und Sportvermarktern erhalten haben. Als Gegenleistung hätten diese Rechte an Fußball-Turnieren in den USA und Lateinamerika erhalten. Gleichzeitig ermittelt die Schweiz im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022. Die Behörden hatten in der Zentrale des Weltverbandes in Zürich elektronische Daten und Dokumente sichergestellt.

Webb und den anderen sechs Fifa-Funktionären droht nun die Auslieferung in die USA. Das US-Justizministerium beruft sich auf einen Vertrag von 1997. Dieser sieht vor, dass die Schweiz Personen an die US-Behörden übergibt, wenn gegen sie ein Strafverfahren nach US-Recht läuft.

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Webb ist einer der Stellvertreter von Fifa-Chef Joseph Blatter und gilt als enger Vertrauter des Schweizers. Ende 2013 munkelte Blatter, der Mann von den Cayman Islands könne ihn einmal an der Spitze des Weltverbands beerben. Diese Förderung durch den Patriarchen und Webbs Amt an der Spitze des Verbandes von Nord-und Mittelamerika (Concacaf) verschafften ihm reichlich Macht. Und diese nutzte er im Sinne des Präsidenten: Frühzeitig versicherte er Blatter die Treue und die Unterstützung der 35 Concacaf-Verbände - als einer von fünf Kontinentalfürsten stand er für die sichere Wiederwahl des Amtsinhabers.

In der PR-Welt der Fifa sollte Webb indes einen Neuanfang symbolisieren. Der Banker hatte die Führung des Concacaf von Jack Warner übernommen. Der Politiker aus Trinidad und Tobago war einst auch ein Blatter-Vertrauter. Doch 2011 hatte er sich gegen den Schweizer gewendet. Beim Treffen der Karibischen Fußball-Union versuchte Warner, Stimmen für den Blatter-Herausforderer Mohammed Bin Hammam zu kaufen. Die Sache flog auf, Warner wurde suspendiert. Zudem muss er sich in den USA wegen Betrugs und Geldwäsche vor einem Bundesgericht verantworten.

Nachfolger Webb versuchte sich als Saubermann zu inszenieren. Das war aber spätestens dann nicht mehr glaubhaft, als Canover Watson, sein Vizepräsident bei der Concacaf, im vergangenen September auf den Cayman Islands wegen Geldwäsche verhaftet wurde. Ironischerweise hatte er bei der Fifa ein Amt als Finanzprüfer inne.

Wie das US-Justizministerium erklärte, sollte am Mittwoch in Miami auch die Zentrale des Concacaf durchsucht werden. Korruption sei weit verbreitet, systematisch und tief verwurzelt, sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Ausland, erklärte US-Justizministerin Loretta E. Lynch.

Im Video: Das sagt die FiFA

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cte

insgesamt 160 Beiträge
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ackergold 27.05.2015
1.
Ärgerlich für Sepp. Jetzt haben sie auch noch seinen Kontenverwalter auf den Caymans festgenommen.
Liberaler NRWler 27.05.2015
2. Cayman Islands
Wie bitte sollte den ein Bankster von den Cayman Islands PR mäßig den Neuanfang symbolisieren?! Diese Inselchen stehen ja geradezu als Synonym für Verschleierung dubioser Geschäfte, Steuerhinterziehung und Geldwäsche von Mitteln aus zweifelhaften Quellen. Bitte, bitte laßt dem Sepp Blatter seinen korrupten Laden um die Ohren fliegen und endlich wieder ehrlich Fussball spielen.
BorisBombastic 27.05.2015
3. Gute Nachricht für den Sport!
es ist anzunehmen, dass sich einer der mutmasslichen Bestochenen zum Kronzeugen macht, um den empfindlichen Strafen der USA zu entkommen. Die US Justiz sieht in solchen Fällen drakonische Strafen vor. Dann würde der ganze Filz endlich mal gelichtet. Gute Nachricht für den Fußball und en Sport. Schöne Grüße an IOC und andere Verbände!
megamekerer 27.05.2015
4. Intrige!
USA und Schweiz haben anscheinend Geld von diese arabische Schlitzohr bekommen um Fifa zu denunzieren und diese Araber zum Präsidenten der Fifa machen!
DerNachfrager 27.05.2015
5. Auf den Caymans wegen Geldwäsche verhaftet ?
Das ist eine Leistung ! Ungefähr so wie im Iran ein Verfahren wegen islamischem Extremismus.
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