Schadensersatz Fifa fordert Millionen von Ex-Funktionären

Die Fifa fordert im Korruptionsskandal von den Beschuldigten eine Entschädigung in mindestens zweistelliger Millionenhöhe. Erstmals gibt der Weltverband zu, dass bei den Vergaben der WM 1998 und 2010 Stimmen gekauft wurden.

Gianni Infantino
AFP

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Unter der Führung des neuen Präsidenten Gianni Infantino ist der Fußball-Weltverband Fifa in die Offensive gegangen und fordert von seinen korrupten Ex-Funktionären Schadenersatz in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro. Darunter sind die ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner und Jeffrey Webb sowie die früheren Exekutivkomitee-Mitglieder Charles Blazer und Ricardo Teixeira.

Die Fifa-Anwälte verschickten ein entsprechendes Gesuch kurz vor der letzten Sitzung des Exekutivkomitees am Donnerstag und Freitag an die New Yorker Staatsanwaltschaft.

Die Fifa geht aufgrund der Ermittlungen des US-Justizministeriums und eigener Untersuchungen davon aus, dass die Beschuldigten mindestens mehrere Dutzend Millionen US-Dollar illegal via Bestechung, Schmiergeld oder anderer Korruptionsmechanismen umgeleitet haben. Der Weltverband sieht sich als Opfer, diese können nach US-Recht von Verurteilten Entschädigung verlangen.

Fifa gibt erstmals Stimmenkauf 1998 und 2010 zu

In dem 22-seitigen Schreiben gibt die Fifa erstmals öffentlich an, dass es bei den Vergaben der Weltmeisterschaften 1998 und 2010 zu Stimmenkauf gekommen ist. Es sei nun offenkundig, dass mehrere Mitglieder des damaligen Exekutivkomitees ihre Position missbraucht und ihre Stimmen bei mehreren Gelegenheiten verkauft hätten, schreibt der Weltverband. "Der Schaden, der von der Habgier der Angeklagten angerichtet wurde, kann nicht übertrieben dargestellt werden", heißt es zusammenfassend.

"Die überführten Angeklagten haben ihre Positionen des Vertrauens, die sie bei der Fifa und anderen internationalen Fußball-Organisationen innehatten, missbraucht und haben der Fifa, ihren Mitgliedsverbänden und der Fußball-Gemeinschaft schweren und dauerhaften Schaden zugefügt", sagte Fifa-Präsident Gianni Infantino zu dem juristischen Schritt. "Die Fifa will das Geld zurück, und wir sind entschlossen, es zu bekommen, egal, wie lange es dauern wird."

Angeklagt sind in den USA 41 Personen. Das Recht auf Schadenersatz hat der Weltverband bei denen, die sich bereits schuldig bekannt haben, dies noch tun oder rechtskräftig verurteilt sind. 171 Millionen Euro sind bislang als Strafzahlungen von den Ex-Funktionären an die US-Justiz geleistet wurden, 90 Millionen Euro liegen auf eingefrorenen Konten.

luk/sid/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
fred_m 16.03.2016
1. Lassen wir uns überraschen
Es könnte sein, dass der Hautschuldige Sepp Blatter heißt und trotzdem ungeschoren davonkommt.
lmike 16.03.2016
2. woraus wurden die Übertragungsrechte von ARD+ZDF
für diesen Beschiß gezahlt? Aus den damaligen GEZ-Gebühren. Nennt sich heutzutage "Rundfunkbeitrag" Gegen den laufen gerade Verfahren vor dem BVG Leipzig. Hoffe das dort berücksichtigt wird wofür dieser Rundfunkbeitrag mißbraucht wird. FIFA nicht sauber, Leichtathletikverband nicht sauber ...
brasilpe 16.03.2016
3. Geld, Geld.
Nur über das Portemonnaie kann man sie bekommen. Das gilt für Verkehrssünder wie für ungetreue Politiker oder Fifa-Funktionaere. Die Amis sind dem Recht offensichtlich mehr verbunden, wie im VW-Skandal zu besichtigen. Voran!
Oskai 16.03.2016
4.
Ich habe das gute Bauchgefühl, dass sich bei der FIFA bald wirklich etwas ändern wird. Die Öffentlichkeit ist -aus gutem Grund- misstrauisch geworden und der Weltfußballverband hat erkannt, dass man handeln muss. Die Strategie muss jetzt sein, Vertrauen zurück zu gewinnen. Ich finde es stark, dass die FIFA deutlich einräumt, dass Stimmen gekauft worden sind. Kein Verweisen auf den Abschluss von Untersuchungen, keine Statement wie "Es sind Gerüchte" sondern ein klares Einräumen von Bestechungen. Ich hoffe, dass der Verband den Weg weiter geht.
weem 16.03.2016
5. Oh mei..
Habe auch nichts anderes erwartet. Die selbe Salamitaktik wie beispielsweise bei VW. Scheibchenweise nur das zugeben, was man aufgrund der Beweislage nicht mehr abstreiten kann.
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