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Kampf um Fifa-Vorsitz: Das dreckige halbe Dutzend

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Am Donnerstag wird die Bewerberliste für das Amt des Fifa-Präsidenten geschlossen. Bislang gibt es sechs Kandidaten - von denen nicht jeder ernst zu nehmen ist. Der Check.

Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Fast täglich meldet sich derzeit ein neuer Kandidat, der Joseph Blatter im höchsten Amt des Weltfußballs beerben will. Sechs Männer sind es mittlerweile, Blatter inklusive, die im Mai Fifa-Präsident werden wollen. Mehr werden es jetzt wohl aber nicht mehr werden.

Denn um Mitternacht läuft die Frist ab, in der die Bewerbungen für das Amt des kommenden Fifa-Präsidenten offiziell abgegeben werden müssen. Und das heißt auch: Jeder Bewerber muss fünf Nationalverbände präsentieren, die seine Kandidatur unterstützen. Das ist die Grundbedingung, um zur Wahl zugelassen zu werden - und es wird das Feld der Bewerber lichten.

Es sind sechs sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die im Mai bei der Fifa-Vollversammlung gewählt werden wollen, mit sehr unterschiedlichen Motiven. Und vor allem mit sehr unterschiedlichen Erfolgsaussichten. Vom Machiavelli des Fußballs bis zum Gaga-Kandidaten ist alles dabei. Hier der Überblick.

JOSEPH BLATTER

Fifa-Boss Blatter: "Krise? Was soll das sein, eine Krise?" Zur Großansicht
AP/dpa

Fifa-Boss Blatter: "Krise? Was soll das sein, eine Krise?"

Datenblatt: 78 Jahre alt, Schweizer, Amtsinhaber seit 1998, gefühlt seit 1945.

Was ihn ausmacht: Er ist der Amtsinhaber.

Was für ihn spricht: Im Wegbeißen potenzieller und realer Rivalen ist er unübertroffen in der Welt. Im Überstehen von Vorwürfen ist er vermutlich noch besser. Andere an seiner Stelle hätten im Lauf der Zeit mindestens fünfmal zurücktreten müssen. Blatter ist immer noch da.

Was gegen ihn spricht: Er ist immer noch der Amtsinhaber.

Seine Gegner: Viele in Europa. Und alle, die noch an ein sauberes Image der Fifa glauben.

Seine Freunde: Der Rest der Welt.

Zitat: "Krise? Was soll das sein, eine Krise?"

Erfolgschancen: Zwischen 98 und 100 Prozent.

PRINZ ALI BIN AL HUSSEIN

Fifa-Vize Al Hussein: Ein Prinz, aber kein König Zur Großansicht
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Fifa-Vize Al Hussein: Ein Prinz, aber kein König

Datenblatt: Halb so alt wie Blatter, 39, Jordanier, Fifa-Vizepräsident.

Was ihn ausmacht: Mitglied des jordanischen Königshauses.

Was für ihn spricht: Prinz Ali ist ehrgeizig und gut vernetzt. Genießt die Wertschätzung von Uefa-Boss Michel Platini. Hat sich als Hoffnungsträger inszeniert.

Was gegen ihn spricht: Blatter ist besser vernetzt. Hussein hat die Unterstützung Europas - so halb. Er hat die Unterstützung Asiens - so halb. In Sachen Hausmacht kommt er gegen den Amtsinhaber einfach nicht an. Jordanien ist zudem nicht vorrangig wegen seiner Fußballtradition berühmt.

Seine Gegner: Blatter. Und der eigene Chef des asiatischen Sportverbands, der kuwaitische Strippenzieher Achmed al-Fahed al-Sabah. Zwei, die man nicht zum Gegner haben möchte.

Seine Freunde: Die Funktionäre der Uefa, allen voran ihr Boss Platini. Der die Kandidatur Husseins einfädelte, weil er sich selbst nicht traute, gegen Blatter anzutreten. Platini verliert nicht gerne, da lässt er lieber andere für sich verlieren.

Zitat: "Die Fifa muss wieder ein Modell für Ethik, Transparenz und gute Regierungsführung werden."

Erfolgschancen: Gering (wegen des obigen Zitats).

JÉRÔME CHAMPAGNE

Ex-Fifa-Funktionär Champagne: "Der Fußball geht kaputt" Zur Großansicht
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Ex-Fifa-Funktionär Champagne: "Der Fußball geht kaputt"

Datenblatt: 56 Jahre alt, Franzose, Ex-Berater von Blatter bei der Fifa.

Was ihn ausmacht: Er kennt die Fifa, er hat elf Jahre für sie (und für Blatter) gearbeitet.

Was für ihn spricht: Blatter hat ihn 2010 entlassen, weil er fürchtete, dass Champagne seinen Job wollte. Der Franzose setzt sich hohe Ziele. Im Wahlkampf hat er Transparenz und Demokratie für den Weltverband gefordert. Seine Kampagne heißt: "Hope for Football."

Was gegen ihn spricht: Er hat kaum Verbände, die hinter ihm stehen, es dürfte ihm schwerfallen, die fünf aufzutreiben, die er braucht. Seine Vergangenheit als Blatter-Berater hängt ihm nach. Dass es immer wieder Gerüchte gab, Champagne kandidiere nur mit dem Segen des Big Bosses, zeigt nur, was man Blatter mittlerweile alles zutraut. Und ihm zutrauen kann.

Seine Gegner: Gibt es kaum. Und das macht schon verdächtig.

Seine Freunde: Pelé hat sich wohlwollend geäußert. Und in den Fifa-kritischen Medien sitzen ein paar Redakteure, die seine Bewerbung positiv begleiten.

Zitat: "Wenn wir so weitermachen, geht der Fußball kaputt."

Erfolgschancen: Nicht vorhanden.

DAVID GINOLA

Herausforderer Ginola: Kandidat von Wettanbieters Gnaden Zur Großansicht
AP/dpa

Herausforderer Ginola: Kandidat von Wettanbieters Gnaden

Datenblatt: 47 Jahre alt, Franzose, Ex-Profi bei Paris St. Germain und Tottenham, Weinliebhaber.

Was ihn ausmacht: George-Clooney-Attitüde. Posierte zudem mal nackt für ein Pressefoto.

Was für ihn spricht: Ginola hat Humor. Anders ist seine Kandidatur auch nicht zu erklären.

Was gegen ihn spricht: Fast alles. Ginolas Bewerbung wird von dem irischen Wettanbieter Paddy Power gesponsert. Niemand nimmt seine Kandidatur wirklich ernst. Ein Beitrag immerhin, um die ganze Veranstaltung ein Stück mehr Richtung Possenspiel zu befördern.

Seine Gegner: Die Bewerbung ist zu lächerlich, um Gegner zu haben.

Seine Freunde: Die PR-Jungs von Paddy Power.

Zitat: "Ich will die Männer- und Frauen-WM zusammenlegen. So wie die Olympischen Spiele und die Paralympics."

Erfolgschancen: Da hätte "taz"-Chefredakteur Andreas Rüttenauer, der sich vor Jahren mal um den Job des DFB-Chefs beworben hatte, mehr Aussichten.

LUÍS FIGO

Ex-Superstar Figo: "Fußball hat mir so viel gegeben" Zur Großansicht
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Ex-Superstar Figo: "Fußball hat mir so viel gegeben"

Datenblatt: 42 Jahre alt, Portugiese, ehemaliger Superstar des europäischen Fußballs.

Was ihn ausmacht: Jeder im Fußball kennt ihn, jeder schätzt ihn. Einfach ein großer Sportsmann.

Was für ihn spricht: Noch nie hätte ein Fifa-Präsident so gut ausgesehen.

Was gegen ihn spricht: Als Sportpolitiker ist Figo bisher kaum aufgefallen. Er steht regelmäßig als Ehrengast oder Losfee bei Fifa-Galas und Auslosungen in der Fassade, mehr in Sachen Fifa-Engagement ist dagegen noch nicht bekannt. Die nächsten Monate wird er daher dringend nutzen müssen, um entsprechendes Profil zu sammeln.

Seine Gegner: Falls es welche gibt, halten sie sich noch bedeckt. Figos Bewerbung kam so kurzfristig zustande, dass selbst seine Kritiker sich noch nicht gefunden haben.

Seine Freunde: In jedem Fall die Fußballfans in aller Welt. Außer denen vom FC Barcelona möglicherweise, wenn sie nachtragend sind. Die ihm einst aus Wut über seinen Wechsel zu Real Madrid einen Schweinskopf aufs Feld warfen.

Zitat: "Wenn man nach der Fifa im Internet sucht, ist das erste Wort, das erscheint: Skandal."

Erfolgschancen: Blatter wird ihn verschärft im Auge haben.

MICHAEL VAN PRAAG

KNVB-Boss van Praag: "Integre Persönlichkeit" Zur Großansicht
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KNVB-Boss van Praag: "Integre Persönlichkeit"

Datenblatt: 67 Jahre alt, Niederländer, Präsident des niederländischen Fußballverbands.

Was ihn ausmacht: Ein leben lang im Fußball zu Hause. Sein Vater war Präsident von Ajax Amsterdam, er war Präsident von Ajax Amsterdam.

Was für ihn spricht: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nennt ihn eine "absolut integre Persönlichkeit". Und wahrscheinlich ist der Niederländer tatsächlich der honorigste der Bewerber.

Was gegen ihn spricht: Unter anderen Umständen wäre van Praag vermutlich ein ernsthafter Herausforderer. Aber da die Blatter-kritischen Europäer sich eher auf Al Hussein festgelegt haben, kannibalisiert die Praag-Kandidatur das Lager der Blatter-Gegner nur.

Seine Gegner: Gibt es kaum. Van Praag ist hochgeschätzt.

Seine Freunde: Niersbach und die anderen Kollegen aus der Uefa. Aber sie werden durch diese erst in dieser Woche öffentlich gemachte Bewerbung in das Dilemma gestürzt, sich für einen der Blatter-Gegner entscheiden zu müssen. Den Schweizer wird es freuen. Alles läuft in seinem Sinne.

Zitat: "Ich habe lange auf einen glaubwürdigen Gegenkandidaten gehofft, aber das ist schlicht nicht passiert."

Erfolgschancen: Er wird ein guter Verlierer sein.

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1. Nicht ernst nehmen
McMuffin 29.01.2015
In erster Linie ist Blatter nicht ernst zu nehmen, und das schon seit Jahren. Er wird aber höchstwahrscheinlic trotzdem wieder gewählt.
2. Fifa-Luxusleben für die Oberen und Diktatur für alle
raber 29.01.2015
Blatter ist sehr ernst zu nehmen weil er es schafft von den Nationalverbänden wiedergewählt zu werden. Auch die Sponsoren helfen ihm dabei. Van Praag wäre auf jeden Fall besser. Ausserdem soll er anständig sein und Erfahrung hat er auch. All die kleinen Verbände der Karibik, Ozeanien und Mittelamerikas stellen jede Menge Stimmen bereit und die werden wieder für Blatter wählen. Jahrelang genossen sie teure Reisen und erhielten Geschenke. Dabei sind diese Menschen zum grossen Teil auch noch korrupt und in vielen dieser kleinen Lander leben diese Funktionäre im Wohlstand und mit Luxusreisen. Die Spieler, um die es eigentlich gehen sollte, erhalten dort manchmal nicht einmal ihr Gehalt und müssen in drittrangige Unterkünfte übernachten.
3. Sehr ernst nehmen!!
Urschweizer 29.01.2015
@ McMuffin : Sie unterschätzen Sepp Blatter ganz gewaltig! Er ist DER geniale Strippenzieher im ganzen Schmierentheater FIFA. "Geschenke erhalten die Freundschaft" heisst es bekanntlich. Und Blatter hat in der Vergangenheit so vielen (fussballerischen Entwicklungs-) Ländern Geschenke im Namen der FIFA gemacht, dass er die Mehrzahl der Landesverbände auf sicher hat. Und dann hat Blatter ein Gedächtnis wie ein Elefant! Er vergisst keinen, der ihm noch einen Gefallen schuldet - und derer gibt es viele!!
4. System Blatter
ogniflow 29.01.2015
Bei jeder WM erwirtschaftet die FIFA Milliarden an Gewinn.Blatter reichen 10% davon genügend Stimmen "einzukaufen".Beispiel: In der Karibik spielen ungefähr so viele Menschen organisiert Fußball wie in Bielefeld,beim FIFA-Kongress haben sie 40 Stimmen.Der DFB, mit 7 Millionen Mitgliedern, hat eine Stimme.Stimmen aus der Karibik,Ozeanien und Afrika reichen für eine klare Mehrheit.Niemals würden die kleineren Verbände einer Satzungsänderung zustimmen,schließlich sind die Schmiergeldzahlungen von Blatter die einzig nennenswerten Einnahmen.
5.
glen13 29.01.2015
Im Grunde geht's zu, wie bei den Wahlen des Sportvereins TUS Hinterwinkelhude. Alle machen das so im Vereinswesen, was also kreidet ihr Blatter an?
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Die Präsidenten der Fifa
Amtszeit Präsident
1904-1906 Robert Guérin (Frankreich)
1906-1918 Daniel B. Woolfall (England)
1921-1954 Jules Rimet (Frankreich)
1954-1955 Rodolphe W. Seeldrayers (Belgien)
1955-1961 Arthur Drewry (England)
1961-1974 Stanley Rous (England)
1974-1998 João Havelange (Brasilien)
seit 1998 Joseph Blatter (Schweiz)


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