Football Leaks Fifa-Präsident Infantino torpedierte Arbeit der eigenen Regelhüter

Sauberer, transparenter, legal: Gianni Infantino trat als Fifa-Präsident an, um alles besser zu machen als sein Vorgänger Sepp Blatter. Doch in Wahrheit regiert er den Verband noch autokratischer.

Gianni Infantino
PA/ Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL

Gianni Infantino


Fifa-Präsident Gianni Infantino hat heimlich daran mitgewirkt, dass der Ethikkodex des Fußball-Weltverbandes in mehreren Punkten aufgeweicht wurde. Das ergibt sich aus internen Papieren der Fifa, die dem SPIEGEL von der Enthüllungsplattform Football Leaks zur Verfügung gestellt wurden und die das Magazin mit dem internationalen Rechercheverbund European Investigative Collaborations (EIC) und drei weiteren Partnern geteilt hat.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 45/2018
Geheimsache Luxus-Liga. Neue Football Leaks Enthüllungen

Die Fifa hatte die umstrittene Novelle ihrer Ethikregeln im August vorgestellt und harsche Kritik geerntet. Aus den Unterlagen geht nun hervor, dass Änderungen nicht allein von der dafür zuständigen Ethikkommission und von Funktionären aus den Kontinentalverbänden angestoßen wurden, wie die Fifa bisher behauptet, sondern auch von Fifa-Präsident Infantino selbst.

Demnach schickte der Chefrichter der Ethikkommission, der Grieche Vassilios Skouris, am 21. Dezember 2017 den Entwurf an Infantino mit der Bitte um Durchsicht. Er forderte Infantino auf, seine "Anmerkungen" rechtzeitig zu schicken, "damit ich sie im endgültigen Text einbauen kann". Infantino machte daraufhin eine ganze Reihe von Korrekturvorschlägen, die zum Teil in die Endfassung einflossen, etwa dass Voruntersuchungen gegen mutmaßlich korrupte Funktionäre nur noch eingeleitet werden dürfen, wenn die Chefermittlerin der Fifa dazu ihre Zustimmung gegeben hat.

Das ist auch deshalb von Bedeutung, weil die neue Cheffahnderin der Fifa, die Kolumbianerin María Claudia Rojas, als wenig ermittlungsfreudig gilt. Der Deutsche Hans-Joachim Eckert, Vorgänger von Chefrichter Skouris, sieht sich durch die Enthüllung in seinen Vermutungen bestätigt und kritisiert Infantinos Verhalten: "Ich habe immer gesagt, der neue Ethik-Code ist Infantinos Werk - das ist der Beweis."

Infantinos Einmischung sei "ein klarer Verstoß gegen den Kodex und die Statuten der Fifa". Die Fifa teilte dagegen mit, es sei "völlig unplausibel", dass sich Ethikrichter Skouris, früher Präsident des Europäischen Gerichtshofs, gegen seinen Willen zu einer Entscheidung pressen lasse. Lesen Sie hier die ausführliche Geschichte auf SPIEGEL+.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kater Bolle 03.11.2018
1. FIFA Korrupt und verloren.......
Das hat mit Sport nichts überhaupt nichts mehr zu tun. Geld, Gier, Posten. Mehr ist das nicht. Dieser Sport sollte nicht mehr als gemeinnützig betrachtet werden. Steuern volle Breitseite zahlen. Kosten für Polizeieinsätze eben das volle Programm.
happy2010 03.11.2018
2.
Die meisten wichtgsten Sportverbände sitzen in der Schweiz Grund: Nahezu 100% Steuerfreiheit aller eingenommen Gelder Grund 2: Buchhaltungsauflagen für Milliardenumsätze von Schrebergartenvereinen Grund 3: Ganz explizite Nichtstrafbarkeit von Korruption , gesetzlich fixiert Für die Schweiz ist das ein Multimilliarden Einnahmegarant Für die FIFA und Co bedeutet es gootgleiche Macht für Funktionäre Jeder Cent, den man weltweit verdient versucht man über Scheinfirmen und Tricks in die Schweiz vor Steuerlast zu schleusen, denn so spart man 30% Für diese Tricks braucht man verschwiegene Strohmänner, und die findet man überwiegend bei Familianangehörigen oder Stiefelleckern Eigene Charaktere, ehrliche Charakter kann man da nirgends brauchen Und genau SO sind ALLE Sportverbände in der Schweiz aufgebaut Grund: Die absolute Gier des schweizer Saates nach Geldern, die eigentlich dem Ausland zustehen Und dafür geht die Schweiz auch über Leichen, nimmt man alles in Kauf Sieht man auch bei dem Thema Holdingbesteuerung, Privilegiertenbesteuerung und Co, siehe dazu auch EvB
silversurfer47 03.11.2018
3. Die FIFA
ist doch nun wirklich keine Schlagzeile mehr wert. Ein SB-Laden mit sehr speziellen Ansprüchen. Die FIFA und die Kirche sind für mich gleich. Hier wird sich niemals etwas großes verändern! Wer darauf wartet hat, einfach zu viel Zeit!
markus.w77 03.11.2018
4.
Wenn etwas super erfolgreich ist, oder extrem groß geworden in seiner Sparte, egal ob Fußball, Firma oder Politiker, scheint es so, das es immer nur über Rücksichtlosigkeit, Korruption oder Ausbeutung geht. So ist der Mensch. Ich weiß nicht was hilft. Obergrenze bei Einkommen? Mehr Transparenz in den Chefetagen? So in der Art Wehrpflicht oder Schöffen in den Aufsichtsräten?
mirage122 03.11.2018
5. Charakterlos!
Genauso sind sie - gerade diejenigen, die "groß" im Geschäft sind. Man muss in unserer Gesellschaft nur genug "Schwein"-Anteile haben, dann klappt's auch mit der Kohle! Danke den vereinten Rechercheuren! Und immer weiter dran bleiben!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.