Fifa nach der Infantino-Wahl Zurück in die Zukunft

Ist die überraschende Wahl von Gianni Infantino der Beginn einer besseren Ära? Oder die Fortsetzung der alten Zeit? Internationale Beobachter schwanken zwischen Skepsis und vorsichtigem Optimismus.

Fifa-Funktionäre Infantino, Ahmad: "auf ökonomischen Prinzipien beruhend"
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Fifa-Funktionäre Infantino, Ahmad: "auf ökonomischen Prinzipien beruhend"


War es noch die düstere jüngere Vergangenheit der Fifa? Oder hatte die Zukunft des Fußball-Weltverbands schon begonnen? In welcher Zeitform die Wahl von Gianni Infantino zum neuen Präsidenten zu verorten wäre, das war vielen Beobachtern in aller Welt auch einen Tag nach der überraschenden Kür des Schweizers noch nicht klar.

Kein Wunder, hatte doch Infantino selbst es mit Vergangenheit und Zukunft nicht immer ganz genau genommen. In seinem aufwendig gestalteten Bewerbungsprospekt hatte Infantino die Erweiterung der EM von 16 auf 24 Mannschaften, in die er "eingehend involviert" gewesen sei, als "großen Erfolg" gepriesen - Monate, bevor das Turnier erstmals in diesem Format ausgetragen wird.

Die Ausweitung der Euro galt Infantino als Blaupause für die Vergrößerung der WM. Das Prestigeturnier der Fifa soll nach den Vorschlägen Infantinos künftig mit 40 statt 32 Mannschaften ausgetragen werden, ein Plan, der von den großen europäischen Verbänden abgelehnt wird, der dem Schweizer aber Stimmen aus anderen Kontinenten eingebracht haben könnte.

Noch am Vormittag vor der Wahl hatte Scheich Salman Al Khalifa als Favorit gegolten. Dass der Bahreiner dann überraschend unterlag, dürfte nicht nur an den Demonstranten gelegen haben, die vor dem Züricher Hallenstadion Salmans Rolle bei der Niederschlagung von Demonstrationen im autokratisch regierten Golfstaat 2011 anprangerten. Der Scheich ist Mitglied der bahreinischen Königsfamilie.

Sogar der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, immer noch Mitglied der Fifa-Exekutive, hatte angesichts der Vorwürfe gegen Salman befunden, es sei "eine ganz, ganz schwierige Situation, die Zukunft zu planen mit einer Persönlichkeit an der Spitze, die möglicherweise belastet ist". Und Niersbach müsste in dieser Hinsicht wissen, wovon er spricht.

Noch wichtiger für Salmans Niederlage könnte aber das Geld gewesen sein, das Infantino den Landesverbänden versprach. Er präsentierte sich als erfolgreicher Manager der steinreichen Uefa, wie die "Neue Zürcher Zeitung" analysiert: Infantino stehe für "die auf ökonomischen Prinzipien beruhenden Uefa-Maximen", nämlich: "immer größere Turniere, immer mehr Geld aus dem Fernsehmarkt pressen, steigende Prämien für Landesverbände und Fußballklubs".

Dass damit kein radikaler Neuanfang für die Fifa eingeleitet worden ist, scheint den meisten Beobachtern klar. Die meisten aber sehen es wie der britische Journalist David Conn im "Guardian": Infantino, traditionell ein Gegner von Reformen, sei keine Garantie für bessere Zeiten. Im Gegensatz zu Salman ermögliche er aber zumindest eine Mischung aus Hoffnung und Skepsis.

rae

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insgesamt 2 Beiträge
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hevopi 27.02.2016
1. So ein bißchen sollte man aber auf dem Boden
bleiben. Das die FIFA, wie ein normales Unternehmen möglichst viel Kohle macht, ist doch selbstverständlich. Darum geht es aber auch nicht, auch nicht, welcher Verein wie entlohnt wird, es geht doch nur darum, dass die sogenannten Verlosungen nicht manipuliert werden und sich nicht die Manager der FIFA die Taschen füllen. Wenn mit offenen Karten gespielt wird, hat die FIFA ihr Ziel erreicht, wenn gelogen und betrogen wird, hat sie ihr Ziel verfehlt.
ZornigerMitmischer 27.02.2016
2. Kalter Kaffee
Jetzt noch Aufregung. Aber wenn es soweit ist, in Russland, in Katar... Wenn die Nacht sich über die Arena senkt... Der Anpfiff über den Rasen schrillt und Fussballgötter in epischen Kämpfen Geschichte schreiben... Dann wollen wir einfach nur ein rauschendes Fußballfest feiern und niemand fragt mehr nach FIFA und Menschenrecht. Dann ist alles wieder gut. Wenn es wieder heißt: Ein Hoch auf uns / Auf dieses Leben / Auf den Moment / Der immer bleibt / Ein Hoch auf uns / Auf jetzt und ewig / Auf einen Tag Unendlichkeit
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