Vor dem Fifa-Kongress Schöne Worte, umstrittene Taten

Die Fifa trifft sich in dieser Woche in Bahrain. Dort soll eigentlich Reformwille demonstriert werden, stattdessen handelt sich der Fußball-Weltverband nur noch mehr Kritik ein. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Programm.

Fifa-Boss Gianni Infantino
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Fifa-Boss Gianni Infantino


Was steht auf der Agenda?

Beim Fifa-Kongress am Donnerstag in Manama in Bahrain und der Sitzung des Fifa-Councils, das bereits am Dienstag erstmals mit DFB-Präsident Reinhard Grindel tagt, steht eine Reihe umstrittener Entscheidungen auf der Agenda. Unter anderem geht es um die eilige (Vor-)Vergabe der Mega-WM 2026, die Besetzung der Fifa-Ethikkommission und die Statuten, durch die FIFA-Präsident Gianni Infantino seine Macht festigen will.

Was soll sich ändern?

Unter anderem will Infantino das sogenannte Council-Büro deutlich stärken. In diesem sitzen der Schweizer selbst und die sechs Präsidenten der Kontinentalverbände. Das Büro, das dann mehr Entscheidungen in Eigenregie treffen soll, ist deutlich kleiner als das eigentliche Council, das aus 37 Mitgliedern besteht. Beispielsweise hatte das Gremium die heiß diskutierte Verteilung der WM-Startplätze für 2026 bereits am 30. März entschieden - das Council soll nur noch absegnen.

Was bedeutet das für den Fifa-Neuanfang?

Schwer zu sagen. Die Kritik an der neuen Fifa-Führung dürfte nicht leiser werden - auch wenn Infantino alles als total transparent und glaubwürdig verkaufen wird. Ohnehin ist die Fifa-Krise noch lange nicht vorbei. Erst vor ein paar Tagen war Strippenzieher Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa von allen seinen Fußball-Ämtern, also auch aus dem Council, zurückgetreten, weil sein Name (zumindest indirekt) in einem von den US-Ermittlern aufgedeckten Korruptionsskandal gefallen war.

Wieso soll die WM 2026 schon vergeben werden?

Der Antrag kommt von den gemeinsamen Bewerbern USA, Kanada und Mexiko. Vor allem die letztgenannten versprechen sich wahrscheinlich frühzeitige Planungssicherheit, im Fall von Mexiko in politisch angespannten Zeiten (Donald Trump, Mauer). Zudem wird es kaum Konkurrenten geben. Länder aus Europa und Asien fallen wegen der Endrunden 2018 in Russland und 2022 in Katar raus. Weitere Ausrichter, die das Mammut-Ereignis, an dem erstmals 48 statt 32 Mannschaften teilnehmen werden, stemmen könnten, sind nicht in Sicht.

Was sagt der Deutsche Fußball-Bund?

Grindel hat "durchaus Sympathie" für die Dreier-Bewerbung, und der DFB-Boss ist der Ansicht, "dass sie am Ende sehr gute Chancen haben wird". Allerdings sei eine zu eilige Vorvergabe genau zu prüfen. "Im Interesse von Good Governance sollte überlegt werden, ob eine Vorfestlegung wirklich klug ist, oder an einem geregelten Bewerbungsverfahren festgehalten werden sollte", sagte Grindel, der mit dem Weltmeister-Verband selbst eine langwierige Bewerbungsphase für die EM 2024 durchläuft.

Was steht der Wiederwahl der Ethiker im Wege?

Chefermittler Cornel Borbely aus der Schweiz und der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert sind zwar offiziell eingeladen. Die beiden haben sich mit den Suspendierungen von zahlreichen, teils hochrangigen Fifa-Mächtigen aber innerhalb des Weltverbands Feinde gemacht, sie sind unbequem. Grindel sagt: "Ich bin dafür, dass Eckert und Borbely ihre Arbeit fortsetzen, weil sie zur Wiederherstellung der Integrität der Fifa einen entscheidenden Beitrag geleistet haben."

aha/sid



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
guenther2009 08.05.2017
1. Diese FIFA ist nicht
glaubwürdig. Untersuchungen gegen Infantino zeigen, daß er nichts gelernt hat, außer sich wie Blatter zu verhalten.Wenn das mit der Aufstockung so weiter geht, werden bald alle Länder an der WM teilnehmen.
quila 08.05.2017
2. Und
der Manager der NM Bierhoff ist einer derer, die dieses Spiel mitspielen, die Augen verschließen und rein gar nichts an den Strukturen ändern wollen. Stattdessen wird der Fußball vollkommen vermarktet bis hin zu Obszönitäten wie "Die Mannschaft". Schlimm ist, dass die meisten Medien dieses Spiel mitspielen. Aber wann bekommt man schon ohne Recherchebedarf so viele Informationen hingeworfen. Fußball bestimmt scheinbar das Weltgeschehen. Auch wenn deutsche Teilnehmer*innen in anderen Sportarten wesentlich erfolgreicher sind, der Fußball der Männer, wohlgemerkt, wird bis ins unerträgliche gehypt. Dass sich die FIFA in Bahrain trifft, ist bestimmt auch kein Zufall. Ach, sollen sie doch ihre Rituale nur noch in (Halb-)Diktaturen stattfinden lassen. Vielleicht muss man dann weniger davon mitbekommen.
derippi 08.05.2017
3.
Ich finde es müssen keine Steuergeldern für eine EM 2024 verwendet werden.Das ist eine Frechheit das so korrupte (DFB) unterstützt werden. Erst mal müsste die WM 2006 aufgeklärt werden. Und eine UEFA und FIFA kann Mann nicht unterstützen.
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