Fifa-Korruption DFL-Chef regt europäischen WM-Boykott an

Europa gemeinsam gegen die Fifa: Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga hat sich für einen Boykott der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 ausgesprochen. Selbst drohende Sperren schrecken ihn nicht.


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Es sind deutliche Worte, ob sie allerdings etwas ändern, darf bezweifelt werden. Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), hat in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" zu einem Rundumschlag gegen die Fifa ausgeholt.

"Man weiß nicht mehr, ob man sich wundern oder fremdschämen soll", sagte Seifert. "Als seriöse Organisation fühlt man sich von dieser Fifa nicht mehr vertreten, man fühlt sich da auch nicht mehr zugehörig."

In dieser Woche hatte der Abschlussbericht des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar für heftige Diskussionen gesorgt.

Seifert befürwortet angesichts der erneuten Korruptionsvorwürfe gegen die WM-Gastgeber Russland und Katar einen WM-Boykott und appelliert an ein gemeinsames Vorgehen der großen europäischen Verbände. "75 Prozent der Spieler einer WM sind in Europa unter Vertrag, und wenn Europa 'Wir spielen nicht mehr mit' sagt, dann ändert das alles", so der 45-Jährige.

Die Fifa könne dann zwar "Deutschland, England, Italien und Spanien für die nächsten drei WM-Turniere sperren", so Seifert, "aber das wäre dann auch schon egal. Denn dann gibt's eine WM nicht mehr." Eine derartige Aktion sei aber ohne ein geeintes Europa nicht möglich.

Uefa-Boss Platini als Schlüsselfigur

"Wenn dann nur Deutschland und England übrig bleiben, fürchte ich, dass das nicht das schärfste aller Schwerter ist", sagte Seifert und nahm den Uefa-Präsidenten in die Verantwortung: "Der Einzige, der wirklich den Schlüssel in der Hand hält, ist Michel Platini." Doch Seifert glaubt nicht, dass sich dieser einem Boykott anschließen würde. "Frankreich etwa wird sich kaum gegen Katar wenden, nachdem der Franzose Platini als Katar-Verfechter gilt", begründete Seifert seine Skepsis.

Seifert hat insgesamt "große Zweifel" an einem vereinten Vorgehen gegen den unter starkem Beschuss stehenden Weltverband: "Die Fifa hat 209 Mitgliedsverbände, und viele Funktionäre aus diesen Verbänden leben vom System Fifa seit Jahren hervorragend." Man müsse bei so vielen Mitgliedstaaten "leider davon ausgehen, dass in vielen Ländern andere Ethikmaßstäbe gelten als bei uns".

Unterdessen wird der Druck auf die Fifa, den kompletten Untersuchungsbericht ("Garcia-Report") zu veröffentlichen, höher. Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes Theo Zwanziger hatte am Freitagmorgen einen Antrag bei der Fifa gestellt, wonach der Sonderermittler Michael J. Garcia vom Fifa-Exekutivkomitee von seiner Schweigepflicht entbunden werden soll.

So könnte der rund 400 Seiten umfassende Bericht öffentlich gemacht werden. "Wir brauchen mehr Öffentlichkeit und Transparenz in dieser Sache. Wir müssen endlich tätig werden", sagt Zwanziger SPIEGEL ONLINE.

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