Fifa-Whistleblowerin "Werde den Rest meines Lebens schauen, ob mir jemand folgt"

Phaedra Almajid war einst Pressechefin von Katars WM-Bewerbung, seit einigen Jahren bringt die Whistleblowerin die Fifa mit ihren Enthüllungen in Bedrängnis. Nun spricht sie über Drohungen aus ihrem Heimatland.

Phaedra Almajid im BBC-Interview: Sorge um die Familie
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Phaedra Almajid im BBC-Interview: Sorge um die Familie


Hamburg - Fifa-Informantin Phaedra Almajid hat erneut scharfe Kritik am Emirat Katar, Gastgeber der WM 2022, und am Fußballweltverband geäußert. "Katar hat die WM unsauber geholt. Aber das hat fast jeder andere Kandidat auch versucht. Weil die Fifa ein korruptes System unterstützt", sagte Katars frühere Bewerbungspressechefin der "Bild am Sonntag": "Die Fifa hat für mich jegliche Glaubwürdigkeit und Integrität verloren."

Almajid, die Fifa-Chefermittler Michael Garcia bei dessen Bericht über Korruption im Zuge der WM-Vergabe mit Informationen unterstützt hatte, sprach in einem Interview mit der britischen BBC sichtlich mitgenommen über Drohungen aus Katar. "Mir wurde gedroht, mich auf eine Million Dollar zu verklagen. Ich werde für den Rest meines Lebens über die Schulter schauen, ob mir jemand folgt", sagte Almajid und ergänzte, dass sie "über weitere Drohungen aus Sorge um mich und meine zwei Söhne nicht sprechen" könne.

Almajid wiederholte in der BBC ihre Vorwürfe gegen Mohamed bin Hammam. Der mittlerweile wegen Korruption von der Fifa suspendierte damalige Präsident der Asiatischen Fußballkonföderation (AFC) sei eine "Schlüsselfigur" gewesen in dem Korruptionssystem, das letztlich zur Vergabe der WM an Katar geführt habe.

Pakt zwischen Spanien und Katar

Sie sprach außerdem über eine geheime Absprache zwischen dem spanischen und dem katarischen Verband, die trotz ihrer Aussagen gegenüber Fifa-Ermittler Michael Garcia nicht in dem Bericht von Hans-Joachim Eckert auftaucht. Eckert, ein deutscher Richter und Vorsitzender der rechtssprechenden Kammer der Fifa-Ethikkommission, hatte die Bewerbungsprozesse untersucht und dabei "weder Vergehen noch Verstöße gegen die maßgebenden Bestimmungen und Regelungen" festgestellt.

Almajid kann dieses Untersuchungsergebnis allerdings nicht nachvollziehen. "Ich musste sofort weinen, dann fühlte ich nur Wut. Ich fühlte mich wie vor den Kopf geschlagen, weil ich identifiziert werden konnte und meine Informationen an Garcia als unglaubwürdig dargestellt wurden. Der Eckert-Bericht hat mich plötzlich ins Rampenlicht gezerrt", sagte sie.

Eckert zog in seinem Bericht die Glaubwürdigkeit von Almajid und einer weiteren Informantin in Zweifel. Zwar nennt Eckert nicht die Namen von Almajid und Bonita Mersiades, der einstigen Direktorin der australischen WM-Bewerbung. Die Identität der beiden Frauen ist aber kein Geheimnis.

Eckert sieht "Integrität" des Verfahrens nicht beschädigt

Almajid musste schon 2011 Aussagen widerrufen, die sie bei englischsprachigen Medien gemacht hatte. Sie lebt seither im Exil in den USA, steht im Kontakt mit Bundesbehörden. Von den selbsternannten Fifa-Ethikern wird sie nun schwerer beschuldigt als die WM-Bewerber. Sie habe Beweismaterial verfälscht, heißt es.

Gleichzeitig werden etliche Details, die Almajid einst öffentlich gemacht hat, beispielsweise das millionenschwere Sponsoring Katars für den Kongress der afrikanischen Fußball-Konföderation Caf 2010 in Angola, in Eckerts Bericht aufgeführt. Zu diesem und vielen anderen Beispielen heißt es abschließend lapidar: Die Hinweise seien nicht geeignet, die "Integrität" des Bewerbungsverfahrens "in seiner Gesamtheit zu kompromittieren".

tim/sid



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erasmus89 23.11.2014
1. Wer sich diese Spiele noch anschaut,
dem ist nicht mehr zu helfen. Schon aus Prinzip und Respekt vor den hunderten zu Tode gequälten Arbeitern in Katar, sollte ein internationaler Boykott gemacht werden. Wer um alles in der Welt vergibt eine WM an einen Wüstenstaat mit 50 Grad Temperatur und einer royalen Diktatur, die den internationalen Terror finanziert und seine eigene Bevölkerung unterdrückt?
a.past 23.11.2014
2. Vorsitzender Richter am Strafgericht I M ünchen (Korruption, Steuerbetrug, Wirtschaftsstrafsachen)
Sollte zum Nachdenken anregen, ein Richter lügt, trickst und täuscht für die Fifa.Dieser Mann sollte schleunigst aus dem Amt entfernt werden, es gibt genug Typen die Recht und Unrecht nicht unterscheiden können, am miesesten sind jene, die das Recht beugen und die Wahrheit mit Arglist verwässern, solche haben in einem Richteramt nichts zu suchen.Aber wie liest man im obigen Bericht: "Katar hat die WM unsauber geholt. Aber das hat fast jeder andere Kandidat auch versucht. Weil die Fifa ein korruptes System unterstützt". Alles nach dem Motto machen die anderen auch.Es war schon immer so und wird immer so bleiben, ein Richter der beim Strafgericht Korruptionsfälle bearbeitet ist nicht korrupt. Weit gefehlt wer so denkt trifft auf drei Meter kein Öltankschiff.
Hank Hill 23.11.2014
3. Die WM
begeistert alle 4 Jahre Millionen Fans. Die Vergabe an einen kleinen Flecken in der Wüste war schon ein schlechter Witz. Korruption, oder nicht, das ist eigentlich egal. Jeder weiß doch wie die big shots im internationalen Fußball mauscheln und kungeln. Ob Platini, Blatter, Beckenbauer, etc., es geht immer um das Verschieben von viel, viel Geld. Dem Fan wird das dann immer als eine Art Entwicklungshilfe für das betreffende Land verkauft, siehe Südafrika. Allerdings profitiert dann nur die FIFA davon, (bzw. ihre Lizenznehmer) weil einheimische Geschäftsleute im und rund um die Stadien nichts zu suchen haben. Der Steuerzahler bringt in der Regel viel Geld für Infrastruktur und Stadien auf, damit einige Wenige ihr Sommermärchen finanziell feiern können. Das Ganze ist durchsichtig und lächerlich, aber ich werde auch wieder die nächste WM im Fernsehen anschauen, egal wo gespielt wird.
elizar 23.11.2014
4.
Mal ehrlich: Wenn ein Bankräuber selbst entscheiden darf, ob er schuldig ist, was wird wohl dabei herauskommen?Eine Schande, aber solange die Bevölkerung diesen Mist mitmacht und jeder arme Depp (so wie ich) diesen Mist über Fernsehgebühren zwangsfinanzieren muss, wird es auch so weitergehen. Ich persönlich habe ja kein Fussballbeispiel bei der WM in Brasilien angesehen. Alleine schon aus Protest. Wäre schön, wenn dies mehr machen würden. Irgendwas sagt mir aber, dass ein Boykott einer WM in Deutschland nicht funktionieren wird.Naja, Blatter und all die korrupten FIFA-Funktionäre wirds freuen ...
CommonSense2006 23.11.2014
5. Dfb
Wäre es nicht angemessen, wenn der DFB und alle anderen Landesverbände, die wenigstens ein bisschen Interesse an Ehrlichkeit und Sport haben, ihre Mitgliedschaft in der FIFA niederlegen oder suspendieren?Ich denke, es würde schon reichen, wenn D, UK, NL, und E damit drohen, um mal eine ernsthafte Diskussion um die Neuausschreibung von Katar in Gang zu bringen.
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